Glanz - Licht - Farbe

Das Oberammergau Museum zeigt Hinterglasbilder aus dem 18. und 19. Jahrhundert

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Die Leiterin des Oberammergau-Museums, Dr. Constanze Werner, Otto Mangold – Ururur-Enkel des Hinterglasmalers Joseph Mangold – und Florian Lang, der eine Reihe von Hinterglasbildern aus seiner Sammlung für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hatte.

Oberammergau – Zwischen 1750 und 1870 waren in Oberammergau die Hinterglasmaler zuhause. Gerade nach der Säkularisation blühte dieses Kunsthandwerk. Damals verkauften die Passionsspieldörf­ler bunte Heiligenmotive zu 100.000er-Stückzahlen an die Gläubigen in den europäischen Wallfahrtsorten.

Die Gemeinde Oberammergau besitzt europaweit eine der umfangreichsten Sammlung an historischen Hinterglasbildern, die aus Platzmangel im Depot eingelagert ist. Nun zeigt das Oberammergau-Museum zum ersten Mal einen Teil dieser zerbrechlichen Kunstwerke.

Als erster Hinterglasmaler von Oberammergau gilt Andreas Lang (1738 – 1807). Nach seiner Malerausbildung bei Ignaz Paur in Augsburg, kehrte er in sein Heimatdorf zurück. Ein Verzeichnis, das die Kunsthistorikerin Dr. Brigitte Salmen in den 1980er-Jahren zusammenstellte, listet zwei dutzend Oberammergauer Hinterglasmaler auf. Ob der als ‚Lüftlmaler‘ bekannt gewordene Franz Seraph Zwink (1748 - 1792) und sein Sohn Johann Jakob mitgerechnet werden können, ist umstritten. Von den beiden sind nämlich keine Hinterglasbilder erhalten geblieben.

Der bekannteste und produktivste Künstler war Joseph Mangold (1787 - 1850). Seine Portraits waren so begehrt, dass er sogar für das Bayerische Herrscherhaus malen durfte. Mangold porträtierte unter anderen König Max I. Joseph von Bayern und dessen Gattin Caroline, König Ludwig I. und Königin Therese sowie das Kronprinzenpaar Maximilian und Marie.

Höchster Anspruch

Die ersten Jahrzehnte bestachen die Oberammergauer Hinterglasbilder durch feinste Ausführungen, die höchsten künstlerischen Ansprüchen genügten. Die Bilder waren meist großformatige Einzelwerke. Das änderte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Zuge der Napoleonischen Kriege und der Säkularisation war der Absatz eingebrochen. Erst um 1810 kam es zur Wiederbelebung des Kunsthandwerkes. Jetzt malten die Oberammergauer Heilige und Bibelszenen in bunten kräftigen Farben. Diese populären Serienbilder, die als ‚Ammergauer Tafeln‘ bekannt geworden sind, verkauften sich gut in den großen Wallfahrtsorten. Sie waren billig: zwischen sieben und 58 Kreuzer mussten die Kunden dafür bezahlen, je nach Größe und Rahmen; die teuersten Glasgemälde hatten vergoldete Metallrahmen. Der Kaufmann Peter Mat. Voß aus Kevelaer bestellte 1840 beim Verlagshaus Georg Lang: 100 blutender Jesus, 100 Anton, 100 Franziskus, 100 Josef, 100 Maria, 100 Eco Homo... Dann ging die Zeit der Hinterglasmalerei zu Ende. Verkauft wurden die Tafeln übrigens über die sogenannten Verleger. Einer von ihnen war Georg Lang. Weil der Nachschub aus Oberammergau immer geringer kam, musste er in den Nachbarorten Seehausen und Murnau seinen Bestand auffüllen. An den Seehauser Matthias Noder schrieb er 1862: „Wir haben hier nur noch einen, der sich mit Glasmalen befasst, und dieser ist ein Mann in den 80er Jahren. Wir können mit ihm also nur von heute auf morgen planen.“ Der Verleger meinte mit dem betagten Kunsthandwerker Joseph Anton Lang, der 1871 als letzter Oberammergauer Hinterglasmaler starb.

Die Leiterin des Oberammergau-Museums, Dr. Constanze Werner: „Die Ausstellung gibt einen Überblick über die historische Hinterglasmalerei in Oberammergau. Dabei werden auch Bilder aus anderen Regionen als Vergleichsobjekte gezeigt. Neben den Hinterglasbildern aus den Beständen unseres Museums wird die Ausstellung durch private und öffentliche Leihgaben ergänzt.“

Die Ausstellung ‚Glanz - Licht – Farbe‘ ist bis zum Sonntag, 3. Februar 2019 zu sehen: Im Oberammergau-Museum, Dorfstraße 8; geöffnet Dienstag bis Sonntag, von 10 bis 17 Uhr. Mehr Infos auch im Internet: www.oberammergaumuseum.de.

von Günter Bitala

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