Trotz Lockdown geht für den Inhaber die Arbeit weiter - ohne Besucher

Oberammergauer Reptilienzoo im Lockdown

Reptilienzoo
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140 Tiere im Reptilienzoo müssen sich umstellen.

Oberammergau – Die Auswirkungen der Pandemie spürt auch Thomas Lücke mit seiner Frau Monika, die Inhaber des Reptilienzoos in Oberammergau. Sie wünschen sich, dass sie endlich wieder öffnen und Gäste empfangen dürfen. Normalerweise gibt es regen Besuch von Schulklassen und Kindergärten, als auch von vielen Wissbegierigen rund um die Reptilienwelt. Seit März vergangenem Jahr hat Lücke so gut wie geschlossen. Große Gruppen durften nicht mehr hereingelassen werden, zwischen den Lockdowns kam nur eine begrenzte Zahl an Gästen.

Nicht nur für Thomas Lücke, sondern auch für die Tiere eine neue Erfahrung. Derzeit beherbergt der Reptilienprofi 140 Tiere von 45 verschiedenen Arten aus aller Welt. Reptilien, Amphibien, Echsen und Schlangen beheimatet er in seinem professionellen Reptilienzoo im Lüftlmalereck in Oberammergau. Trotz der Schließung ist Lücke tagtäglich gefordert, die Tiere müssen gefüttert werden, die Terrarien regelmäßig gesäubert und die Umgebung, wie Luftfeuchtigkeit, Licht und Temperatur muss jeden Tag angepasst werden. „Man muss den Tieren die Jahreszeiten aus ihren Lebensräumen in den Terrarien anpassen, auch die Luftfeuchtigkeit und das Licht variieren je nach Zeit. Man ist 365 Tage im Jahr für die Tiere da“, so Thomas Lücke. Derzeit benötigt er für die Pflege der Tiere bis zu sechs Stunden am Tag. Die kleine Dronschwanzagame (Foto) ist normal in Nordafrika zuhause. Sandig und warm muss es für sie sein.

Lücke erklärt, die Tiere spüren auch die Auswirkungen des Lockdowns, sie haben eine richtige Umstellung durchgemacht. Keine Besucher mehr, außer ihr „Herrchen“ und seine Frau. „Die Tiere nehmen die Reize jetzt anders wahr als zuvor. Dabei kann es schon einmal sein, dass man ein Tier lieber noch eine halbe Stunde in Ruhe lässt, bevor man zum Säubern anfängt. Es gibt einfach auch keine Bewegung mehr im Zoo, und das waren die Tiere nicht gewohnt.“, so Lücke. Auf die Frage hin, ob er schon einmal gebissen wurde, sagte er: „nein, zum Glück noch nie. Ich bin immer sehr vorsichtig und bleibe bei meinem Erlernten, um solche gefährlichen Bisse zu verhindern.“ Die Tiere beobachten ihre Umgebung ganz genau. Da kann es schonmal sein, dass der grüne Leguan (Foto) seinen Kopf hebt, den Kamm aufstellt und somit seinem Gegenüber wissen lässt, wer hier der Chef ist. Für Lücke ist es wichtig, dass er seine Arbeitsweisen an die Tiere anpasst.

Vor dem Lockdown war der Reptilienspezialist ein gefragter Mann für Fernsehproduktionen und dergleichen. Aber auch hier wurden die Aufträge aufgrund von Corona rar. Für ihn ist es wichtig, dass er mit seinen Tieren auch Aufklärungsarbeit leistet. Ihm gehen die Kinder aus der Schule und den Kindergärten ab. Für sie nimmt er sich immer extra Zeit, um sie durch die Gänge zu führen und sein Wissen weiterzugeben. Züchten versucht er meist selbst, aber er bekommt auch ab und an Fundtiere, wie die Schlange Boa-Konstriktor aus Augsburg, welche er mit seiner Frau auf dem Arm hält. „Man tauscht sich unter den Zoo’s aus, auch von der Auffangstation in München werde ich oft gefragt, ob ich ein Tier aufnehmen kann“. Das Tierwohl steht für ihn hier an oberster Stelle.

Dem Tierhandel im Internet steht Lücke sehr skeptisch gegenüber. Viele Leute überschätzen sich und kaufen, ohne sich groß beraten zu lassen exotische Tiere. Die Kosten werden nicht langfristig eingeplant, die Tiere überfordern schnell die Besitzer. Letztendlich werden sie dann wild ausgesetzt. Man muss seiner Verantwortung nachkommen, erklärt der Fachmann. Thomas Lücke hofft auf eine baldige Lockerung, so dass er endlich wieder Besucher begrüßen darf. db

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