Ökumenischer Kirchentag im Kultur- und Tagungszentrum am Reformationstag

Aufbruch in eine gemeinsame Zukunft

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Das Team ‚we are all one‘ für den ökumenischen Kirchentag in Murnau, von links: Dr. Dieter Kirsch und Pfarrerin Simone Feneberg (beide evangelische Christusgemeinde), Thomas Metschies (Ökumenebeauftragter der evangelischen freikirchlichen Gemeinde Murnau, Baptisten), Johannes Unterstein (Pfarrgemeinderatsvorsitzender der katholischen St. Nikolaus-Pfarrei).

Murnau – Das Jahr des Doppeljubiläums geht zu Ende. Die katholische St. Nikolaus-Pfarrei erinnerte während der vergangenen Monate an die 300. Wiederkehr der Grundsteinlegung für die Pfarrkirche. Die evangelische Christusgemeinde beging den 500. Jahrestag der Reformation. Jetzt steht das Finale auf dem Programm: Der „Ökumenische Kirchentag“ im Kultur- und Tagungszentrum – am Dienstag, 31. Oktober.

Wie die Zeit vergeht! 500 Jahre hatte es gedauert, bis die christlichen Konfessionen in Murnau den Reformationstag gemeinsam feiern. Ein solches Fest braucht eine intensive Vorbereitung. So gab es im Vorfeld eine Reihe von Veranstaltungen. Das waren „Wegplatten“, wie es Dr. Dieter Kirsch vor Jahresfrist nannte. Ein paar Erinnerungen: die Karikaturen-Ausstellung ‚Ach du lieber Gott!‘; die Diskussion zur päpstlichen Enzyclika ‚Laudate Si‘; die Fotoausstellung ‚Augenblick mal!‘ Heuer war das ein Vortrag über den Humanisten Erasmus von Rotterdam und eine Lesung zum Roman ‚Magdalena Himmelstürmerin‘. Erster Höhepunkt war der Versöhnungsgottesdienst am Sonntag, 12. März. Es folgte die Vortragsreihe ‚Schätze der Reformation‘ und die Fahrt zur Ausstellung in Nürnberg - ‚Luther, Kolumbus und die Folgen‘. Im September kam Sängerin Judy Bailey mit ihrer christlichen Popmusik nach Murnau. Am 17. September, der Festgottesdienst mit Weihbischof Florian Wörner zum 300. Jubiläum der katholischen Pfarrkirche ‚St. Nikolaus‘.

Jetzt also das große Finale! Die evangelische Christusgemeinde, die katholische St.Nikolaus-Pfarrei und die Baptisten organisieren ein besonderes Programm zum ‚Ökumenischen Kirchentag 2017‘. Johannes Unterstein, Vorsitzender des katholischen Pfarrgemeinderates: „Wir werden uns einen ganzen Tag Zeit nehmen, mit allen Christen zu feiern. Es wird ein Familienfest. Jung und Alt, gemeinsam.“

Der Tag beginnt um 9.30 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Christuskirche. Pfarrerin Simone Feneberg: „Wir evangelische Christen feiern damit unseren Reformationstag, und laden auch Katholiken ein.“

Gegen 11 Uhr wird vor dem Kultur- und Tagungszentrum von den Pfarrern der christlichen Gemeinden ein Ginkobaum gepflanzt und als Geschenk an Bürgermeister Rolf Beuting übergeben. Warum ein Ginko? Dr. Dieter Kirsch, Mitglied im Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde: „Ein Ginko hat für uns Christen eine besondere Symbolkraft. Nicht nur, weil er als einzige Pflanze die Atombomben-Abwürfe 1945 in Japan überstand. Die zweigeteilten Blätter des Baumes wachsen zusammen, wie wir uns das Zusammenwachsen der Konfessionen wünschen.“ Und: Die Ginko-Pflanze stammt ursprünglich aus Asien, gilt aber mittlerweile als deutsches Gewächs. Daran ist Johann Wolfgang von Goethe schuld. Der hatte nämlich in einem Liebesgedicht für Marianne von Willemer das Ginko­blatt in der Literatur verewigte. Zur Pflanzaktion und zum Frühschoppen spielt die Murnauer Blechmusik, anschließend gibt es ein gemeinsames Mittagessen. Der Eintopf kommt aus der Küche der ‚Auszeit‘.

Nach der Mittagspause teilt sich ab 14 Uhr das Programm. Die jüngeren Leute laden zu einem Dichterwettstreit, einem ‚Poetry Slam‘ ein. Das Prinzip ist einfach: Wortakrobaten tragen ihre selbstgeschriebenen Texte vor. Sie haben dazu fünf Minuten Zeit. Die Poeten sollen dabei nicht nur mit Inhalten begeistern, sondern auch mit gestalterischen Elementen die Leute mitreißen. Sie dürfen dabei allerdings keine Requisiten und Musikinstrumente verwenden. Wie das in Perfektion geht, präsentiert einer der besten deutschsprachigen PoetrySlamer, Marco Michalzik, ab 19 Uhr. Dabei ist Jonnes mit der Trio-Band.

Christen sorgen sich um die Umwelt, wie es Papst Franziskus mit seiner Enzyclika ‚Laudate si‘ getan hat. Bei einem Workshop mit dem Biologen Benjamin Schwarz ist jeder eingeladen, an einem sog. ‚ökologischen Fußabdruck‘ mitzuarbeiten.

Eine Diskussion steht unter dem Motto ‚Suchet der Stadt Bestes‘ (Zitat aus dem Lukas-Evangelium). Das Podium ist erst einmal mit einer Reihe von Murnauer Persönlichkeiten besetzt, auch Bürgermeister Rolf Beuting ist dabei. Unter der Moderation von Angela Braun ist aber gerade das Publikum eingeladen, seine Visionen einer zukunftsfähigen Kirche vorzutragen.

Martin Luther steht ab 16 Uhr im Mittelpunkt eines Kabarett-Nachmittages. Ruth und Karlheinz Röhlich präsentieren die Ergebnisse ihrer „Luther-Forschung“, bei der das Zölibat verteidigt und das Geschäft mit dem Ablass ökologisch begründet wird. Das große Thema der Ökumene ist das gemeinsame Abendmahl; bislang ist dies während der Gottesdienste nicht möglich. Ein Kompromiss ist das „liturgisch umrahmte Sättigungsmahl“. Johannes Unterstein: „Dieses gemeinsame Essen steht als Symbol für das gelebte Teilen.“

Gegen 21 Uhr geht der Ökumenische Kirchentag allmählich zu Ende; nicht jedoch ohne fulminanten Abschluss, wie es Dr. Dieter Kirsch ankündigt – aber zu den Licht-Spielen vor dem Kultur- und Tagungszentrum will er noch nichts verraten.

Den ganzen Tag über werden im Foyer des Kultur- und Tagungszentrums ökumenische Projekte vorgestellt – dort ist ausreichend Platz zum kennenlernen und diskutieren.Für eine Kinderbetreuung ist gesorgt. Eintritt = 5 Euro, dafür kann man sich das Kirchentags-Logo kaufen: Der Vogel ‚Sankofa‘ ist das Symbol des christlichen Achanti-Volkes in Ghana und Elfenbeinküste. Für die Ökumene in Murnau steht er für einen Aufbruch in eine gemeinsame Zukunft, in versöhnter Verschiedenheit.

Übrigens, der Anhänger wurde im Murnauer MakerLab produziert.

von Günter Bitala

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