Ohlstädter Jubiläumstage 2017

110 Jahre Trachtenverein D'Illingstoana – 70 Jahre Musikkapelle – 150 Jahre Krieger- & Soldatenverein

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Die Ohlstädter Jubiläumstage 2017 sind vom 14. bis 16. Juli.

Ohlstadt - „Wissts Oes, wos mi gor so fraan duat? - Hob a Hoamat, lieb und schö! - Wos vor de Berg so friadli ausruaht, eikranzt is mit Almagrea. - Zwischen Readlstoa und Oanad liegst du drinn bei Schnee und Eis. - Ohlstadt, du mei liabe Hoamat, i los di nit, um gor koan Preis!“ Blasius Geiger, der auch einige Stückl für die Theaterer verfasst hat, schrieb dieses Ohlstädter Heimatlied. Zum ersten Mal erklang es am 28. Juli 1935, anläßlich der 1100-Jahrfeier Ohlstadts. Sicherlich wird sich während der Jubiläumstage am kommenden Wochenende, 14. bis 16. Juli 2017, der eine oder andere daran erinnern, und vielleicht auch singen.

Es wird ein Fest der Superlative, denn drei Ohlstädter Traditionsvereine feiern ihre Jubiläen: 110 Jahre Trachtenverein D'Illingstoana. 70 Jahre Musikkapelle Ohlstadt. 150 Jahre Krieger- und Soldatenverein Ohlstadt. Das Programm ist prall gefüllt: Am Freitag spielt Berthold Schick und seine „Allgäu 6“. Der Samstag gehört dem Wiagsogschneiden und der Kapelle „Blechpfiff“. Höhepunkt des Festes ist am Sonntagvormittag der Gottesdienst an der Dorflinde und der anschließende Festzug hinaus zum Zelt. Nachmittags spielen die Musikkapellen aus Ohlstadt und Eschenlohe. Das Wochenende klingt mit der Musikkapelle Eglfing aus. Günter Bitala

Trachtenverein D'Illingstoana

Gegründet wurde der Trachtenverein D'Illingstoana am 4. August 1907. 39 Ohlstädter hatten sich dazu zusammengefunden, erzählt der heutige Vereinsvorsitzende Karl Geiger: „Unser Verein gehörte damals zum Gauverband I der Oberbayerischen Gebirgstrachtenerhaltungsvereine. Wir waren damals und sind heute noch Pate des im selben Jahr gegründeten Trachtenvereins D'Loisachtaler' in Eschenlohe.“ Als erster Höhepunkt ist der erste Maibaum in der Chronik verzeichnet. Am 1. Mai 1908 wurde er aufgestellt. Die erste Vereinsfahne wurde, unter der Patenschaft des Trachtenvereines Murnau-Stamm, am 18. Mai 1913 feierlich enthüllt. Das aufstrebende Vereinsleben wurde vom Ersten Weltkrieg jäh abgebrochen. Nach den Kriegswirren fanden sich im Dezember 1918 die Ohlstädter Trachtler zusammen, um ihrer gefallenen und vermissten Kameraden zu gedenken. Der vom Krieg unterbrochene Aufschwung ging weiter: Am 5. Juni 1922 fand in Ohlstadt das Gaufest des Gauverbandes 2 statt. Am 2. Juni 1923 gründete sich das Ohlstädter Bauerntheater, das 1931 Bestandteil des Trachtenvereines wurde. 1924 gab es das erste Trachtenfest mit fünf benachbarten Vereinen. Am 22. Mai 1932 wurde das 25-jährige Vereinsjubiläum gefeiert. Dann kam der Zweite Weltkrieg. Trotz eines Verbotes durch die amerikanische Militärregierung lebte im Dezember 1945 das Vereinsleben wieder auf. Die erste Versammlung fand beim 'Fischerwirt' statt. Am 10. Februar 1946 folgte die Wiedergründung. Es wurde beschlossen, ein Bergkreuz auf dem Raueck zu errichten. Seitdem wird dort jährlich eine Bergmesse abgehalten. Ein unvergessener Höhepunkt in der Geschichte ist die Weihe der neuen Kirchenglocken am 29. Juni 1947. Karl Geiger: „Heute ist der Trachtenverein D'Illingstoana aus dem gesellschaftlichen Leben Ohlstadts nicht mehr wegzudenken. Ich denke an die Frühlingssingen, die Waldfeste, Leonhardi und Fronleichnam.“ Der Verein zählt aktuell 234 Mitglieder. Karl Geiger: „Besonders stolz sind wir auf unsere Madln und Buam von der Jugendplattlgruppe. Aber auch auf die 'großen' Plattler, die eifrigen Sänger und die jugendlichen Maschkera.“ Die Oberländer Trachtenvereinigung ehrt den Ohlstädter Trachtenverein: Am Freitag, 6. Oktober 2017, dürfen D'Illingstoana das diesjährige Gaujugendsingen im Gasthof Post ausrichten. Günter Bitala

Musikkapelle Ohlstadt

Die Musikkapelle Ohlstadt ist eigentlich einige Jahrzehnte älter, als die 70 Jahre, die heuer gefeiert werden. Florian Poschenrieder erzählt, dass es bereits 1872 eine kleine Kapelle mit Blasinstrumenten gegeben hatte, die bei Hochzeiten, Beerdigungen und Tanzvergnügen aufspielte. 1908 kamen zehn neue Musiker dazu. Die Blaskapelle Ohlstadt wurde zum ersten Mal gegründet. Dann kamen die beiden Weltkriege und schwemmten alle weiteren Pläne fort. Erst am 22. Juni 1947 fanden sich 15 Musiker wieder zusammen. Ihren ersten Auftritt hatten sie bei der Glockenweihe für die Pfarrkirche 'St.Laurentius'. Die Leitung der Kapelle übernahm Julius Görner. Einen Aufschwung erfuhr die Musikkapelle mit dem Dirigenten Ernst Hofmann, der sich gerade mit einer konzertanten Ausrichtung der Kapelle und mit einem modernen Repertoire einen Namen machte. Gemeinsam mit der damaligen Vorstandschaft nahm sich Hofmann besonders der musikalischen Nachwuchsarbeit an. Das ist auch das Anliegen von Erwin Gaulhofer, der das Dirigentenamt 2005 übernahm. Als Pädagoge bildet er junge Musiker und Musikerinnen an der Musikschule Garmisch-Partenkirchen aus; darunter auch eine Reihe von Ohlstädter Jungmusikern. Das Jahrespensum der Musikkapelle Ohlstadt ist streng geplant. Allein 110 Termine verzeichnet der Kalender: Kurkonzerte, Bierzelt-Stimmung, Hochzeiten, Festumzüge und Feste der Ortsvereine, Jubiläen und Jahrestage. Dazu kommen unzählige Übungsstunden; Florian Poschenrieder: „Proben sind die Voraussetzung für Spitzenleistungen bei Jahreskonzerten, Sommernachts- und Frühschoppenkonzerten.“ Dafür verzeichnet die Chronik auch Highlights. Poschenrieder nennt die Alpenregionstreffen der Gebirgsschützen in Ohlstadt (2008) und Fulpmes (Tirol 2010). Der Oktoberfestzumzug (2009) und die Oide Wiesn (2010). Auf Reisen ging es zu den Heimattagen in Welzheim und zum Musikfest in Miesenbach (Steiermark). Unvergessen, 2017: Das Eishockey-Finalspiel des EHC-München gegen Grizzly-Wolfsburg. Die Ohlstädter intonierten die Bayernhymne in der Olympiahalle und umrahmten die anschließende Siegesfeier der Münchner auf dem Nockherberg. 

Krieger- und Sodatenverein Ohlstadt e.V

Nach dem sogenannten „Deutschen Krieg“, 1866, wurde ein Jahr später – 1867 – der Krieger- und Soldatenverein Ohlstadt gegründet. Der heutige Vereinsvorsitzende, Manfred Stenger: „Die vergangenen 150 Jahre war eine wechselvolle, aber auch verlustreiche Zeit. Der deutsch-französische Krieg (1870) forderte das Leben eines Ohlstädters. 42 Kameraden starben im Ersten Weltkrieg, und 69 Ohlstädter blieben während des Zweiten Weltkrieges im Feld.“ Der Erinnerung an die Gefallenen und Vermissten der Kriege gilt die Aufmerksamkeit des Krieger- und Soldatenvereines. Ein sichtbares Zeichen dafür sind die regelmäßigen Gedenkstunden am Kriegerdenkmal am Ram, das unter Federführung des damaligen Vereinsvorsitzenden, Kaspar Gaisreiter, 1921 aufgestellt worden war. Es wurde 1966 neu gestaltet. In den Jahren zwischen 1949 und 1953 kamen ehemalige Kriegsgefangene in ihr Heimatdorf zurück. Viele der Heimkehrer waren krank, seelisch und moralisch am Ende. Ihnen zur Seite zu stehen, war die selbsternannte Aufgabe des Krieger- und Soldatenvereines. Die offizielle Wiedergründung fand 1950 im Gsthof Zur Post statt. 270 Mitglieder schlossen sich an. 1987 ersetzte eine neue Vereinsfahne die alte, zerschlissene aus dem Jahr 1901. Die Paramentenstickerinnen des Klosters Schlehdorf hatten sie in mehr als 2000 Arbeitsstunden angefertigt. Manfred Stenger: „Seit dem Wegfall der Wehrpflicht, 2011, fehlt uns der Nachwuchs. Zur Zeit zählt der Verein 182 Mitglieder. Darunter sind noch fünf Teilnehmer des Zweiten Weltkrieges.“

Das Programm:

Freitag, 14.07.17 20:30 „Berthold Schick und seine Allgäu6“ Einlass: 19 Uhr  Beginn: 20:30 Uhr Freie Platzwahl, Kartenvorverkauf und Abendkasse, Eintritt 12 €   

Samstag, 15.7.17 19.30 Uhr „Wiagsog Ausscheidungsschneiden“ umrahmt von der Kapelle „Belchpfiff“  

Sonntag, 16.7.17 Jubiläumsfest 150 Jahre Krieger- und Soldatenverein 110 Jahre Trachtenverein 70 Jahre Musikkapelle   09:30 Uhr Kirchenzug 10:00 Uhr Gottesdienst an der Dorflinde. Nach dem Gottesdienst Festzug u. Mittagessen mit Ehrentänzen mit den Musikkapellen Ohlstadt u. Eschenlohe 18:00 Uhr Festausklang mit der „Musikkapelle Eglfing“

Von Günter Bitala

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