Unnötige Hängepartie

Olympia-Verschiebung: Magdalena Neuner kritisiert IOC-Chef 

+
Magdalena Neuner weiß, wie man sich als Athlet fühlt. "Die Sportler hingen komplett in der Luft", sagt sie und kritisiert das lange Hinauszögern der Olympia-Verschiebung.

Region – Biathlon-Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner aus Wallgau hat sich über die Hängepartie vor der Verschiebung der Olympischen Spiele sehr geärgert und IOC-Chef Thomas Bach scharf kritisiert.

„Das Verhalten von Herrn Bach fand ich unmöglich“, sagte Magdalena Neuner. „Es hat sich genau das widergespiegelt, was ich selbst auch schon erlebt habe: Es geht bei Olympia eben nicht nur um die Sportler. Es geht um sehr viele andere Dinge“, stellt die 33 Jahre alte Doppel-Olympiasiegerin aus Wallgau fest. „Es hat schon ziemlich in mir gebrodelt, weil ich mich gefragt habe, wie er das so durchziehen kann“, so Neuner in Richtung Bach. „Die ganze Welt kämpft gegen dieses Virus und der will Olympische Spiele machen“, kritisierte sie. „Die Sportler hingen komplett in der Luft, denn es war in keinster Weise gesichert, dass es faire Spiele werden“, meint der frühere Biathlon-Star. „Die einen konnten trainieren, die anderen nicht. Dopingkontrollen gab und gibt es auch nicht mehr überall. Immerhin hat Bach dann ordentlich Gegenwind bekommen, und jetzt ist Gewissheit da. Jetzt kann man einen neuen Plan schmieden.“ Neuner macht sich angesichts der Coronakrise große Sorgen um die nähere Zukunft. „Ich denke eher grundsätzlich darüber nach, wie es weitergeht. Wann wird überhaupt wieder Normalität einkehren? Da rückt der Sport in den Hintergrund“, sagte die dreimalige Sportlerin des Jahres: „Ich hoffe einfach nur, dass wir irgendwie glimpflich aus der ganzen Sache rauskommen.“ 

Bach wurde weltweit kritisiert, weil er und die japanischen Gastgeber erst am 24. März beschlossen hatten, die Spiele auf das Jahr 2021 zu verschieben. Zuvor hatte er wochenlang an den ursprünglichen Plänen festgehalten, während in vielen Ländern bereits die Pandemie tobte. Der neue Termin für die Olympischen Sommerspiele von Tokio steht inzwischen auch: Die Eröffnungsfeier wird am 23. Juli 2021 stattfinden, die Wettkämpfe laufen dann bis zum 8. August 2021.  Die Paralympics werden vom 24. August bis 5. September 2021 ausgetragen. 

Weltmeisterschaften der Leichtathleten und Schwimmer 

Für die ebenfalls im nächsten Sommer angesetzten Weltmeisterschaften der Leichtathleten (6. bis 15. August in Eugene/ Oregon) und Schwimmer (26. Juli bis 1. August im japanischen Fukuoka) müssen neue Termine gefunden werden. World Athletics kündigte schon an, dass die Leichtathletik-WM nach 2022 verlegt werde. Der deutsche IOC-Präsident Bach hatte nach harscher Kritik dann auch selbst betont, dass für die Entscheidung drei Kriterien wichtig gewesen seien. Zunächst habe die Gesundheit der Athleten und aller Beteiligten im Mittelpunkt gestanden. Zudem habe man die Interessen der Athleten und des olympischen Sports gewahrt und den internationalen Sportkalender im Auge gehalten. Die neue Olympia-Terminierung gebe im Sommer genug Zeit, den Qualifizierungsprozess abzuschließen, hieß es. Alle bereits qualifizierten Athleten behalten ihr Startrecht, 57 Prozent der Plätze sind bereits vergeben. Auch bleiben die Geher- und Marathonwettbewerbe wegen der hohen Hitze nach Hokkaido in den kühleren Norden ausgelagert. Bei den deutschen Sportlern war die Idee des Sommertermins im Vorfeld auf Zustimmung gestoßen. Für die Athleten wäre der Termin okay, „wenn für die Menschen, die Zuschauer, die japanische Gesellschaft und die Sportler keine Gefahr mehr besteht“, wie Athletensprecher Max Hartung sagte. 

Erste Verschiebung überhaupt 

In der Geschichte der modernen Olympischen Spiele seit 1896 ist es die erste Verschiebung des Großevents. Ansonsten wurden die Spiele nur durch die Weltkriege aus ihrem turnusmäßigen Rhythmus gerissen. Auch Tokio war 1940 davon betroffen, als dort die Sommerspiele wegen des Zweiten Weltkrieges abgesagt werden mussten. Die Winterspiele 1940 hätten übrigens in Garmisch-Partenkirchen stattfinden sollen, dort wo sie bereits vier Jahre zuvor durchgeführt worden waren. Nun wird das Internationale Olympische Komitee bedürftige Athletinnen und Athleten auch im kommenden Jahr mit seinem Solidaritätsprogramm unterstützen. Dies teilte das IOC mit, nach eigenen Angaben sollen mehr als 1600 Athleten von 185 Nationalen Olympischen Komitees davon profitieren. „Das ist eine tolle Neuigkeiten für Athleten aus aller Welt. Athleten sind das Herz der Olympischen Spiele, und sie werden nie im Stich gelassen. Auch unter diesen außergewöhnlichen Umständen, die wir gerade erleben“, sagte Kirsty Coventry, die Vorsitzende der Athleten-Kommission beim IOC. 

Solidarfonds soll Unterstützung geben 

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) legt zur Unterstützung des deutschen Sports in der Coronakrise einen Solidarfonds auf. Die Stiftung Deutscher Sport stellt nach Beschluss des DOSB einen Grundstock von einer Million Euro bereit, um unter dem Titel „Erhalt der Vielfalt des Sports“ den gemeinnützigen Betrieb in der Notlage zu unterstützen. „Wir wollen über unsere Forderungen an die Politik hinaus einen eigenen wertvollen Beitrag leisten, damit unsere einzigartige und vielfältige Verbandsund Vereinslandschaft auch in dieser Krisensituation erhalten werden kann. Nur dann ist es möglich, dass der Sport auch in Zukunft seine umfangreichen und nicht verzichtbaren Leistungen für die Gesellschaft zur Verfügung stellen kann“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Wie der DOSB mitteilte, haben auch Wirtschafts- und Medienpartner ihr Interesse signalisiert, die Initiative zu unterstützen. Mit dem Fonds sollen jene der 90.000 Vereine und Verbände in Deutschland, die nachweislich durch die Coronakrise unverschuldet in Not geraten sind, nach Prüfung durch finanzielle Unterstützung oder Sachleistungen gefördert werden. Bereits in der vergangenen Woche hatten der DOSB und die 16 Landessportbünde von der Politik einen Schutzschirm für Sportvereine und -verbände gefordert. „Die 90.000 Sportvereine sind das Fundament des gesamten Sportsystems in Deutschland“, hieß es in einer DOSB-Stellungnahme. 

Titus Fischer

Bilder, Videos und Aktuelles aus der Heimat: Besuchen Sie uns auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesen

DAV: Im Zweifel lieber auf Hüttenbesuch verzichten
DAV: Im Zweifel lieber auf Hüttenbesuch verzichten
Blutspenden ist solidarisch
Blutspenden ist solidarisch
Mittenwald: Brand im Chemielabor
Mittenwald: Brand im Chemielabor
20 Jahre Fußgängerzone Murnau
20 Jahre Fußgängerzone Murnau

Kommentare