Osterbräuche in Bad Kohlgrub: Sakraler Lärm kündigt die Tages- und Gottesdienstzeiten an

Lumen Christi – das Licht kommt zurück in die Welt

Tradition
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In Bad Kohlgrub hält man an Traditionen fest: Georg Wojciak (links) und Hans Gut mit einer über 80 Jahre alten Karfreitags-Ratschn.
  • vonFranziska Pawel
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Bad Kohlgrub – Der Reigen der Osterbräuche beginnt am Gründonnerstag. An diesem Tag werden die Lebensspeisen gekocht: Suppen und Brote mit sieben verschiedenen Kräutern. Beim Abendgottesdienst läuten zum letzten Mal die Glocken – dann fliegen sie nach Rom, wie es heißt.

Gründonnerstag war früher ein wichtiger Tag für die Männer. Sie hatten es nämlich übers Jahr nicht so genau mit der Beichte genommen. Am Tag vor Karfreitag konnten sie sich dieser Pflicht nicht entziehen. Für den Gang zur Kirche haben sie vom Pfarrer einen sogenannten Beichtzettel bekommen; quasi als Quittung für die Buße ihrer eingestandenen Sünden. Diese Zettel wurden zuhause von den Frauen kontrolliert. Der strengste Fastentag war der Karfreitag. Weder Fleisch noch Wurst kamen auf den Tisch, lediglich Mehlspeisen und Fisch waren erlaubt. Weil die Glocken verstummt waren, holten die Ministranten die Ratschn vom Kirchenspeicher. Seit Jahrhunderten gehört das Ratschen mit den Holzklappern zu den Traditionen der Kartage. Die Ratschn machen einen Lärm, der im wahrsten Sinne des Wortes Tote aufwecken soll. Das wird ja von den Christen durch die Auferstehung Christi sehnsüchtig erwartet.

Adolph Rehm schreibt in seinem Brauchtumsbuch, dass das Klappern seit jeher das Symbol für die Trauer und das Leiden Christi ist. Ab dem 14. Jahrhundert hatten – so Rehm weiter – die Rompilger die Ratschn benutzt, um mit dem Lärm beim Durchwandern der Dörfer auf sich aufmerksam zu machen. Sie haben sich damit etwas Geld erbettelt. Von Ort zu Ort unterscheidet sich das Ratschn-Ritual ein bisserl, wenngleich damit überall die Tages-, Gebets- und Gottesdienstzeiten angezeigt werden. In Bad Kohlgrub halten die Honoratioren eine besondere Karfreitags-Ratschn in Ehren. Auf dem sakralen Krachmacher – der mind. 80 Jahre alt ist – haben sich viele der Ratschnkinder verewigt, die damit durchs Dorf gezogen waren; etwa Bürgermeister Josef Benedikt und der langjährige Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Nikolaus Onnich. Am Karsamstag waren die Ministranten unterwegs, um Ostereier und ein bisserl Geld zu sammeln. In den Kirchen wurden derweil die heiligen Gräber aufgebaut. Das waren oft sehr große Kulissen, die mit bunten Glaskugeln geschmückt wurden. Das Zentrum bildete die Grablege Christi.

Der Auferstehungsgottesdienst in der Osternacht hatte eine besondere Atmosphäre: Mit der frisch am Osterfeuer angezündeten Osterkerze betritt der Pfarrer den Kirchenraum. Mit dem Ruf ‚Lumen Christi‘ – Licht Christi – werden vom Kirchenportal her, die von den Gläubigen mitgebrachten Kerzen entfacht. So wird es von Minute zu Minute heller. Ein Symbol dafür, dass Christus an Ostern das Licht der Auferstehung zu den Menschen bringt. Neben ihren – zum Teil hübsch verzierten – Kerzen bringen die Menschen auch die Weihekörbe mit in den Gottesdienst: Brot, Eier, Schinken, Pfeffer. Übrigens: Eier, die am Gründonnerstag gelegt wurden, sollen vor Unglück, Krankheiten, Blitz und Seuchen bewahren.

An Ostern liegen die religiösen Bräuche und die weltlichen Traditionen so eng beieinander, wie sonst niemals im Jahr. Von O bis O – die jungen Burschen schlüpften am Ostersonntag zum ersten Mal im Jahr in die kurze Lederhose, und durften wie die Mädchen bis Oktober barfuß laufen. Wer übers Jahr der Bubenanführer sein wird, wird am Ostermontag ausgeklügelt. Das Prinzip ist ganz einfach: Derjenige, der die meisten bunt bemalten Eier einsammelt, ist die nächsten Monate der Boss im Dorf. Dazu gab es zwei Wettbewerbe: das Oar-Picken und das Oar- Scheibn. Beim Oar-Picken werden zwei Eier mit ihren Spitzen aneinander geklopft. Sieger ist der Junge, dessen Ei nicht aufplatzt. Zum Oar-Scheibn wird eine schiefe Ebene aufgebaut. Die Kinder lassen dann ihre Eier abwärts kullern. Derjenige, dessen Ei am weitesten rollt, darf die Eier seiner Konkurrenten behalten. Es soll dabei immer wieder ganz Schlaue gegeben haben, die anstatt eines Hühnereies, ein Gipsei benutzten. Kam der Schwindel heraus, war das Grund für eine handfeste Keilerei. gb

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