700.000 DM spendeten die katholischen Gläubigen für die Orgel

Partenkirchner Orgel feiert Jubiläum im »Jahr der Orgel«

Orgeljubiläum
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Konny Spies mit den aufbewahrten Orgelpfeifen zusammen mit Kirchenmusiker Rainer Voll. Links blickt man in die Tiefe des Instruments.
  • VonMargot Schäfer
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GAP – Ihr Klang hat etwas Erhabenes, sie kann aufbrausen, den gesamten Kirchenraum erfüllen, aber auch mit ganz leisen Tönen begeistern. Die Orgel hat das größte Klangvolumen und Tonspektrum aller Instrumente und wird als deren Königin bezeichnet. „Jedes Instrument ist ein Unikat, das für das jeweilige Gotteshaus gebaut, für diesen Raum intoniert wurde“, erklärt Kirchenmusiker Rainer Voll.

Er ist überzeugt, dass das mit der Sandtner-Orgel in der Partenkirchner Pfarrkirche Maria Himmelfahrt besonders gut gelungen ist. 1991 wurde sie geweiht, 2008 während der Kirchenrestaurierung komplett gereinigt, der Prospekt, zuvor im Rotton, der neuen Farbgebung angepasst. „Gastorganisten, vor allem mein Kollege aus dem finnischen Lahti, Garmisch-Partenkirchens Partnerstadt, konzertieren gern hier, sind vom Klang sehr angetan“.

Das von Orgelbaumeister Hubert Sandtner in Dillingen gefertigte Instrument feiert heuer 30-jähriges Jubiläum. Und das fällt mit einer weiteren Ehrung zusammen: dem „Jahr der Orgel“, das der Deutsche Musikrat für 2021 ausgerufen hat. Voll, seit 1985 in Partenkirchen tätig, hat die Neuanschaffung damals mit initiiert, „weil eine Restaurierung des Vorgänger-Instruments, einer „Weise-Orgel“, sich als unrentabel erwies. 1865 war beim großen Marktbrand neben 76 Häusern auch das barocke Gotteshaus in der Ludwigstraße zerstört worden. Der neugotische Neubau, 1871 fertig, wurde mit einer Frosch-Orgel ausgestattet, die sich bereits 40 Jahre später in einem desolaten Zustand befand. 1927 baute die Orgelfirma Michael Weise in Plattling ein neues Instrument in pneumatischer Traktur, das nach 64 Jahren gravierende Mängel aufwies. „Immerhin wurden acht der abgebauten Register vom Landesamt für Denkmalpflege für erhaltenswert befunden und kamen ins Orgelmuseum Schloss Valley“, erinnert sich Konrad Spies. Er tat 40 Jahre als Geiger Dienst im Kirchen-Orchester, konnte 1991 gegen eine Spende einige ausgebaute kleinere Orgelpfeifen erwerben, die er seitdem in Ehren hält. Genau erinnert er sich noch an den Instrumentenabbau, die notwendige Erweiterung der Empore und die große Spendenbereitschaft der Partenkirchner für die neue Orgel. Immerhin 700.000 DM waren von den katholischen Gläubigen aufzubringen.

In der Festschrift von 1991 werden auch die ehrenamtlichen Leistungen der Vereine und Handwerksbetriebe gewürdigt. „Genial, dass es gelang, die Orgel so zu konstruieren, dass die Teilwerke hintereinander in eine Nische passten. Der Orgeltisch ist in das Hauptgehäuse integriert, damit blieb auf der Empore Platz für Chor und Orchester“, erklärt Voll. Er war vor 30 Jahren einer der drei Intonateure und ist bis heute äußerst zufrieden mit dem Klangergebnis. „Die Disposition dieser mechanischen Orgel orientiert sich an dem süddeutsch-französischen Orgeltypus romanischen Charakters“.

Das ist in jeder Kirche anders, denn die einzelnen Instrumente haben ganz unterschiedliche Facetten. Allein im südlichen Landkreis ist die Vielfalt groß. „Orgelbauer produzieren Klänge, die sie im Ohr haben. Die Dispositionen sind dann wie konservierte Dialekte“, erklärt der Musikwissenschaftler und Orgelsachverständige Michael Kaufmann von der Uni Heidelberg. „Die Schmid-Orgeln aus Kaufbeuren in St. Martin und in der Evangelisch-Lutherischen Johanneskirche klingen norddeutsch“, bestätigt Kirchenmusiker Josef Schwarzenböck. „Auch die Jann-Orgel in St. Anton ist eher so ausgerichtet“, ergänzt Thomas Näbauer. Die Vleugels-Orgel in der Alten Kirche hat gleich den Zusatz ‚im italienischen Stil‘ und das Instrument in der Mittenwalder Pfarrkirche Peter und Paul wurde von der Schweizer Firma Edskes in historischer Disposition gebaut. Eine Orgel der Traditionsfirma Steinmeyer, in der neobarock- und romantische Disposition zu finden ist, wird in der Oberammergauer Pfarrkirche gespielt. Von diesem schwäbischen Orgelbauer stammt auch ursprünglich die mit 17.974 Pfeifen größte Orgel Deutschlands im Passauer Dom.

Welch Würdigung, dass seit Dezember 2017 die deutsche Tradition des Orgelbaus und der Orgelmusik zum immateriellen Kulturgut der UNESCO zählt. „Unsere Orgellandschaft im Werdenfels mit ganz unterschiedlichen und hervorragenden Instrumenten in den Kirchen ist ein Teil davon“, fasst Näbauer zusammen. msch

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