Passion im aktuellen Kontext – Junge Künstler interpretieren "Lebende Bilder" mit zeitgenössischem Ansatz

„Hiob im Elend“ von Heike Schäfer. Foto: Veranstalter

Überraschend und tiefsinnig inszenieren junge Künstler aus aller Welt die alttestamentarischen „Lebenden Bilder“ der Passionsspiele Oberammergau in einem zeitgenössischen Kontext. Mit ihrem international angelegten Foto- Kunstprojekt „World in Passion“ überzeugten die Künstlerinnen Heike Schäfer und Verena Rempel einstimmig die Fachjury des von der Gemeinde Oberammergau ausgeschrieben Stipendiums für die „Zeitgenössische künstlerische Kommentierung der Passionsspiele 2010“.

Schon seit der Passion von 1950 organisiert die Gemeinde anlässlich der Passionsspiele für die Besucher begleitende Ausstellungen und/oder Kulturprojekte, die sich künstlerisch mit dem Passionsspiel auseinandersetzen. Das ausgeschriebene Kunststipendium wandte sich an denjenigen Kreis von Künstlern, die als ehemalige Absolventen der Oberammergauer Fachschule für Holzbildhauerei den Ort und seine Tradition kennengelernt hatten. Ziel des Fotoprojektes ist es, dass sich Künstler verschiedenster Herkunft und Wirkungsorte zum Thema „Passionsspiele in Oberammergau” äußern und so das weltweite Interesse und die permanente Aktualität des Ereignisses „Passion“ hervorheben. So sind in der Ausstellung Werke von Künstlern aus Kolumbien, aus den USA, aus Polen, Österreich, Spanien und aus weiteren Ländern zu sehen. Den Ausgangspunkt des Konzeptes bilden die sogenannten „Lebenden Bilder“ der Inszenierung der Passionsspiele 2010. „Lebende Bilder“ sind bereits seit der Barockzeit ein fester und wichtiger Bestandteil der Passionsspiel-Inszenierungen in Oberammergau. Dabei handelt es sich um gleichsam eingefrorene Szenendarstellungen aus dem Alten Testament, die den Handlungsstrang der Passionsgeschichte immer wieder unterbrechen, um die einzelnen Phasen vom Einzug nach Jerusalem bis zur Auferstehung allegorisch zu kommentieren. Das internationale Foto-Kunstprojekt „World in Passion“ der beiden Künstlerinnen Heike Schäfer und Verena Rempel hatte die Jury überzeugt und den Wettbewerb einstimmig gewonnen. Die beiden Künstlerinnen haben in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre die „Schnitzschule“ besucht und sind nach anschließendem Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien beziehungsweise an der Universität der Künste in Berlin als freischaffende bildende Künstlerinnen tätig. Schäfer und Rempel sehen die biblischen Themen der „Lebenden Bilder“ als allgemeingültige, grundsätzliche und gesellschaftliche Problemstellungen, die auch im heutigen Kontext aktuell und brisant sind. Entsprechend der Anzahl der „Lebenden Bilder“ der Passion 2010 erhielt jeweils ein Künstler den Auftrag, ein „Lebendes Bild” eigenständig im zeitgenössischen Kontext zu interpretieren, zu inszenieren und zu fotografieren. Die Vernissage zur Ausstellung ist am Donnerstag, 31. März, um 19 Uhr im OberammergauMuseum in der Dorfstraße 8. Die Ausstellung läuft dann vom 1. April bis 5. Juni zu folgenden Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Zur Vernissage wird auch der zweisprachige Katalog zur Ausstellung (Englisch/Deutsch) präsentiert. Das Projekt wird durch den Bayerischen Kulturfonds und die Lfa Förderbank unterstützt. Weitere Infos zum Projekt gibt es auch im Internet unter www.oberammergaumuseum.de und unter www.worldinpassion2010.de Wo ist der Märchenkönig? Neben der Passion ist auch der bayerische Märchenkönig Thema einer Ausstellung im OberammergauMuseum vom 1. April bis zum 8. Januar 2012. Die von König Ludwig II. dem Dorf Oberammergau gestiftete Kreuzigungsgruppe auf dem Osterbichl und das seit über 100 Jahren am 24. August, am Vorabend des Geburtstages des Königs, entzündete „Ludwigsfeuer“ sind wohl die bekanntesten Beispiele für das besondere Verhältnis zwischen dem König und dem Passionsspielort. Diese Beziehung war durch die „allerhöchste königliche Huld“ gekennzeichnet. Ein Flyer führt durch den Ort und das Museum. Die Kontakte zwischen Ludwig II. und Oberammergau sind dokumentiert und mit einzelnen Exponaten erläutert. Ein Dorf spielt die Erlösung Die Geschichte der Oberammergauer der Passion von 1634 bis 2010 wird in einer anderen Ausstellung thematisiert vom 1. April bis zum 8. Januar 2012. Neben der Textentwicklung, den verschiedenen Musikbearbeitungen, verdeutlicht durch Musikeinspielungen, werden die Bühnen-, Kostüm- und Requisitengeschichte durch selten zu sehende historische Exponate dargestellt. Die Aufführungsgeschichte der Passionsspiele ist ebenso durch Krisen gekennzeichnet wie durch den stetigen Mut, die Passion trotz aller staatlichen Verbote, Kriege und politischen und gesellschaftlichen Veränderungen zu spielen und dabei auch immer wieder einen jeweils zeitgemäßen Neubeginn zu wagen. Der Fokus der Ausstellung liegt auf den Menschen. Auf den Dorfbewohnern, die sich seit Generationen mit dem Auftrag aus dem Evangelium „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ identifizieren und als Darsteller, Musiker, Spielleiter, Bühnenarbeiter zusammen mit den Besuchern aus aller Welt das Dorf Oberammergau zu einem Ort der Begegnung machen.

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