Passionsspiele Oberammergau

In Liste der immateriellen Kulturgüter aufgenommen

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Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle (Bildmitte) übergibt die offizielle Tafel zur Aufnahme der Oberammergauer Passionsspiele in die Bayerische Landesliste der immateriellen Kulturgüter an Bürgermeister Arno Nunn (links) und Spielleiter Christian Stückl (rechts).

Oberammergau – Für Ludwig Spaenle war der Termin in Oberammergau ein Heimspiel. Der bayerische Kultusminister hatte als Bub seine Ferien in dem Passionsspieldorf verbracht. Nicht ohne Grund, war doch der Passionsspielleiter Georg Lang Spaenles Großonkel, und auch mit dem Oberammergauer Karikaturisten Ernst-Maria Lang ist er verwandt. Zur Passion 1970 durfte er als Kind sogar auf der Bühne im Volk mitlaufen. Ein prägendes Erlebnis, wie sich Spaenle erinnert: „Es war schon eigenartig, die Männer, die man sonst nur mit Trachtenhut und Lederhose kannte, von einem Tag auf den anderen mit langen Haaren und wallenden Gewändern zu sehen.“

Der Ort ist mit seinen Passionsspielen in die bayerische Landesliste der immateriellen Kulturgüter aufgenommen worden; mit dem Verzeichnis werden Kulturerbe gewürdigt, die sich nicht in materiellen Maßstäben messen lassen, wie es zum Beispiel bei Baudenkmälern möglich ist. Dr. Ludwig Spaenle: „Bayern ist reich an immateriellem Kulturerbe, da gehören die Spitzenklöplerinnen aus dem Bayerwald genauso dazu, wie eben die Passionsspiele in Oberammergau. Wichtig ist, dass die Menschen ihre Traditionen über Jahrzehnte, ja oft über Jahrhunderte bewahren, pflegen und heute noch mit Leben füllen. Tradition und Brauchtum bilden die Grundlagen unseres bayerischen Selbstverständnisses“, so der Minister.

Kaufen kann sich die Gemeinde Oberammergau nichts für die Präsenz in der Liste für immaterielles Kulturerbe, es gibt nicht einmal staatliche Zuschüsse für das ausgezeichnete Projekt. So sieht Bürgermeister Arno Nunn die Ehrung als Dankeschön des Freistaates Bayern an die Menschen in Oberammergau, dass sie die Passionsspiele über vier Jahrhunderte hinweg nicht nur bewahrt haben, sondern auch weiterhin alle zehn Jahre aufführen. Arno Nunn betont die Vielfalt und Lebendigkeit des Oberammergauer Kulturspektrums, das sich nicht zuletzt in dem großartigen Kultursommer-Programm zeigt – Theater, Oper und Heimatsound; aber auch mit den hervorragenden bildenden Künstlern, Musikern und Chören im Dorf. Nunn: „Das alles wäre ohne ‚den Passion‘ – wie es in Oberammergau heißt – nicht möglich.“

Die Aufnahme in die Bayerische Kulturerbeliste ist die Voraussetzung für eine mögliche Aufnahme in die Bundesliste der Bundesrepublik Deutschland und in die UNESCO-Welterbeliste. Das reizt Christian Stückl zu einem kleinen Seitenhieb: „In der Bundesliste stehen wir auch schon. Was noch fehlt, ist die Welterbe-Plakette. Aber wir Oberammergauer wissen es ja längst: Welterbe sind wir schon lange.“ Recht hat er, denn eine religiös geprägte Tradition durch 400 Jahre zu bringen, gegen mannigfaltige Anfeindungen von staatlicher (Säkularisation) und kirchlicher (Aufklärung) Seite ankämpfen zu müssen - und immer wieder die jungen Leute von der Passions-Leidenschaft zu begeistern, ist schon eine Weltklasse-Leistung. Und nicht zuletzt werden in ganz Europa, Indien, Südamerika und in den USA, Passionsspiele nach Oberammergauer Vorbild inszeniert.

Von Günter Bitala

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