Unterstützung aus der Bevölkerung

Pfarrei St. Martin lässt Kirchenglocken wieder läuten

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Der Streit um die Kirchenglocken der Pfarrei St. Martin hat hohe Wellen geschlagen. Bei der heutigen Pressekonferenz im Pfarrheim Garmisch informierten (von links) Felicitas Lingg, PGR Vorsitzende und Kirchenpflegerin St. Martin, Josef Konitzer, Pfarrverbandsleiter PV Zugspitze, Andreas Altmiks, Diakon und Vorstand der Kirchenverwaltung; Georg Fink, Verbundpfleger über die aktuelle Entscheidung.

GAP – Der Streit um die Kirchenglocken der Pfarrei St. Martin wurde durch ein einziges Beschwerdeschreiben ausgelöst. Doch die Debatte, die daraus gewachsen ist, ist von Verallgemeinerung, Wut und Spaltung begleitet.

Vor etwa vier Wochen erhielt Pfarrer Josef Konitzer eine Email von einem Mann aus Bremen. Dieser besitzt eine Ferien­wohnung in der Nähe der Pfarreikirche St. Martin und der Alten Kirche, die beide zur Pfarrei gehören. Er beklagte, dass das nächtliche Kirchenläuten eine Belästigung für die Gäste darstelle und bezeichnete das Verhalten der Kirche als rücksichtslos. Weitere vereinzelte Beschwerden von Touristen folgten. Pfarrer Konitzer reagierte: Er stellte das nächtliche Läuten ab. Zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr blieben die Glocken der beiden Kirchen stumm. 

Nicht nur in Garmisch-Partenkirchen löste das eine starke Diskus­sion aus. Pfarrer Konitzer berichtet von Anrufen, Emails und Briefen aus ganz Deutschland. Die meisten Menschen seien dafür, dass das Kirchenläuten beibehalten werde. Auch in den sozialen Netzwerken wird nach wie vor heftig diskutiert. Viele Menschen sind besorgt, dass Identität und Tradition durch den Tourismus gefährdet werden. Ein Thema, das vor allem in unserer Region sehr präsent und emotional behaftet ist.

Bei dem Abstellen der Glocken beließ es Pfarrer Konitzer nicht. Es wurde eine Unterschriftenak­tion gestartet. Über 2.500 Garmisch-Partenkirchner haben sich dafür ausgesprochen, dass die Glocken weiterhin klingen sollen – etwa 10 Prozent der Bewohner des Marktes. Gestärkt durch die Unterstützung aus der Gemeinde haben Kirchenverwaltung, Pfarrgemeinderäte und hauptamtliche Mitarbeiter der Pfarrei einen Entschluss gefasst: Ab dem 15. Februar soll das stille Entgegenkommen aufgehoben werden. Dann werden die Glocken auch nachts wieder läuten. Doch die Beschwerden möchte Pfarrer Konitzer nicht einfach ignorieren: „Es geht darum, miteinander zu leben und die Harmonie wiederherzustellen“, betont er. Eine sachverständige Firma werde beauftragt, die Lautstärke zu überprüfen. Die gesetzlichen Vorschriften sollen eingehalten werden. In der Pfarrkirche St. Martin seien bereits 2012 neue Glocken mit Schalldämmung angebracht worden. Problematisch könne es allenfalls bei der Alten Kirche werden, vermutet Pfarrer Konitzer. Sollte dort die Grenze überschritten sein, werde man technische Möglichkeiten suchen, die ­Glocken zu dämmen. moc

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