Polizei hat die rechtsextreme Szene gut im Griff – Kriminalstatistik für den Bereich Murnau vorgelegt

„Die Leute kommen heute schneller zur Polizei, um Straftaten anzuzeigen“, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Murnau, Erster Polizeihauptkommissar Joachim Loy, anlässlich der Präsentation der Kriminalstatistik für Murnau und Umgebung. So lässt sich für das abgelaufene Jahr 2011 der leichte Anstieg an Körperverletzungen (+ 8 Fälle) und die Zunahme von Diebstählen (+ 70 Fälle) erklären. Dagegen spielen in der Staffelseeregion Rauschgiftdelikte, Bandenkriminalität und politisch motivierte Straftaten kaum eine Rolle.

Der Einsatzbereich der Polizeiinspektion Murnau umfasst das Gemeindegebiet Murnau, die Gemeinden Bad Kohlgrub und Uffing, sowie die Verwaltungsgemeinschaften Saulgrub, Ohlstadt und Seehausen. Auf diesen rund 338 Quadratkilometern sind 34 Beamte und Beamtinnen im Einsatz; darunter drei Wasserschutz-Polizisten für den Staffel- und den Riegsee, ein Jugendbeamter und ein Jugendverkehrserzieher. Im Jahr 2011 wurden 1085 Straftaten (+ 29 zu 2010) angezeigt; davon konnten 65,3 % aufgeklärt werden. Bayernweit liegt die Aufklärungsquote bei 64 Prozent. Ermittelt wurden in Murnau 583 Tatverdächtige, von denen 60 Prozent „Alte Bekannte“ waren, also Täter, die bereits mehrfach aufgefallen sind. Eine immer größere Rolle spielt der Alkohol; Joachim Loy: „14,8 Prozent der Tatverdächtigen waren angetrunken, vor allem bei Körperverletzungen und Sachbeschädigungen.“ Bei allen Straftaten entstand 2011 ein Gesamtschaden von 1,97 Millionen Euro; wobei der Bereich Betrug mit 1,4 Millionen Euro und der Bereich Diebstahl mit 277.000 Euro zu Buche schlägt. Auch wenn es in Murnau keine ausgesprochene Jugendkriminalität gibt, fallen doch Deliktbereiche auf, in denen Kinder (unter 14 Jahre) und unter 21-Jährige besonders häufig als Täter ermittelt wurden - das sind vor allem Ladendiebstähle und Sachbe- schädigungen. Bei den Körperverletzungen waren ein Drittel der ermittelten Täter unter 21 Jahre und 19 Jugendliche unter 18 Jahre. Da ist zum einen die Schlägerei, bei der ein Polizist durch einen 18-Jährigen verletzt wurde. Der Angreifer wollte seinen 20-Jährigen Bruder aus dem Gewahrsam der Polizei befreien. Beide jungen Männer wurden inzwischen vom Amtsgericht zu Freiheitsstrafen verurteilt. Im April übernahmen die Murnauer Polizeibeamten die Bewachung eines türkischen Sängers in der Unfallklinik Murnau. Der Mann galt als gefährdet. Ende Juli begann eine Einbruchserie in Bauwagen und Hütten. 26mal schlugen die sieben jugendlichen Täter zu. Die Taten wurden aufgeklärt und die Beute sicher gestellt. Ungeklärt blieben bislang die Einbrüche in die Rathäuser von Bad Bayersoien, Bad Kohlgrub, Saulgrub und Schongau. Ungeklärt auch der Überfall auf die VR-Bank in Murnau. Dabei wurden eine Reinigungskraft und deren Tochter als Geiseln genommen. Die zwei maskierten Männer flüchteten ohne Beute, schlugen aber kurze Zeit darauf in München zu. Ein 60-jähriger Angestellter wurde als Brandstifter in der Unfallklinik Murnau ermittelt. Er hatte im Oktober mehrfach Mülleimer und Toilettenpapier entzündet. Eine größere Rauschgiftszene gibt es in Murnau wohl nicht, da ist sich Joachim Loy ziemlich sicher, auch wenn die Dunkelziffer nicht heruntergespielt werden soll: „Rauschgift wird in privaten Kifferrunden konsumiert.“ 80 bis 85 Prozent der Rauschgiftdelikte fallen auf den Besitz und den Erwerb von Cannabisprodukten. Joachim Loy warnt: „Haschisch ist immer noch die wichtigste Einstiegsdroge.“ Das zeigt sich nicht zuletzt am Alter der ermittelten Tatverdächtigen; Loy: „Die Konsumenten sind zwischen 13 und 25 Jahre alt.“ Kokain, Heroin und chemisch hergestellte Rauschgifte spielen in Murnau nur eine untergeordnete Rolle. Sichtbare Kontrollen Gut im Griff scheint die rechtsextremistische Szene zu sein. Hauptkommissar Joachim Loy: „Bei Veranstaltungen der NPD zeigt die Polizei stets große Präsenz. Immer wenn in dem einschlägig bekannten Anwesen am Murnauer Burggraben eine Veranstaltung angekündigt ist, sind wir mit Kontrollen vor Ort und postieren Beamte deutlich sichtbar auf dem gegenüberliegenden Parkplatz. Die Folge ist, dass zu diesen Veranstaltungen immer weniger Leute kommen. Ihnen sind unsere Kontrollen wohl lästig.“ Vier Personen wurden aus der rechtsextremistischen Szene auf dem Weg zu NPD-Veranstaltungen in Murnau verhaftet – zwei hatten Handschuhe dabei, die als verbotene Gegenstände nach dem Waffengesetz gelten. Zwei der Verhafteten waren Musiker, die CDs mit volksverhetzenden Liedern bei sich hatten. Loy: „Bei Veranstaltungen der örtlichen NPD sind eigentlich keine strafrechtlich relevanten Vorkommnissen mehr zu registrieren. Erfreulich ist, dass die Bevölkerung Mahnwachen und Infostände der NPD weitgehend ignoriert.“

Meistgelesen

"Alles hat seine Zeit"
"Alles hat seine Zeit"
Brücke in die Arbeitsgesellschaft
Brücke in die Arbeitsgesellschaft
Manager Ralf Bader rausgeworfen
Manager Ralf Bader rausgeworfen
Übergriff auf 24-Jährige
Übergriff auf 24-Jährige

Kommentare