Prächtige Fronleichnamsprozession auf dem Staffelsee

Jahr für Jahr kann man an Fronleichnam eine Prozession auf dem Staffelsee erleben. Der Gottesdienst in der Seehauser Pfarrkirche St. Michael beginnt um 8 Uhr, danach setzen die Gläubigen mit ihren Booten zur Insel Wörth über, und bitten um Schutz vor Hagel, Blitz und Hunger. Bei sonnigem Wetter verfolgen vom Ufer aus hunderte von Zaungästen diese prächtige Wallfahrt.

Die Menschen in Seehausen haben eine besondere Verbindung zum Staffelsee und zur Wörth, der größten der sieben Inseln. Bürgermeister Markus Hörmann erzählt: „Tief in der Inselerde steckt nämlich eine frühmittelalterliche Kirche, ein Kloster und Mauern aus der Spätantike. Fundstücke lassen den Schluss zu, dass in der zweiten Hälfte des siebten Jahrhunderts auf der Insel die Familie eines Adeligen wohnte.“ Fest steht auch, so Hörmann weiter, dass im zehnten Jahrhundert Benediktiner auf der Wörth lebten, und die dazugehörige Kirche bis ins 18. Jahrhundert hinein, Pfarrkirche für das gesamte Land rund um den Staffelsee war. An Fronleichnam legen die Menschen in Seehausen ihr Festtagsgewand an und feiern einerseits die „Verehrung des Allerheiligsten Altarsakramentes“, wie es Pfarrer Robert Walter ausdrückt. Andererseits erinnern sie an die Fundamente des christlichen Glaubens in der Staffelseeregion. Am Fronleichnamstag – 11. Juni - pilgern die Trachtler, Fischer, die Dorfjugend und Kommunionkinder, der Seehauser Kirchenchor und die Musikkapelle, die Kerzen- und Himmelträger, Ministranten, sowie der Gemeinde- und Pfarrgemeinderat von der Pfarrkirche in der Dorfmitte hinaus zum See. In Ruderbooten begleiten sie die Priester mit der Monstranz hinüber zur Wörth. Pfarrer Robert Walter: „Mein Amtsvorgänger Sebastian Wieser hatte 1935 die Idee, die Prozession über das Wasser zu leiten. Dorthin, wo die Wurzeln der Pfarrei zu finden sind.“ Gefahren wird in zwei Bootsreihen hinter dem Kreuzschiff und der festlich mit Girlanden verzierten Fähre. Eine große Bitte hat Robert Walter an die zahlreichen Zuseher: „Unsere Fronleichnamsprozession ist keine Schauveranstaltung, sondern ein religiöses Fest. Die Menschen mögen sich deshalb in den Prozessionsweg einreihen, um mitzubeten und mitzusingen. Wer mit seinem eigenen Boot mitfährt, soll an passende Kleidung denken, und keine Badesachen tragen.“ Wer fotografieren mag, darf das gern tun, „aber er soll die Gläubigen nicht stören“, so der Pfarrer. Einer der Organisatoren ist Jakob Fischer, den man in der Gegend als Grainerjackl kennt: „Für uns ist es eine Ehre, wenn Junge und Alte, Sportschützen und Trachtler, Ministranten und Honoratioren an der christlichen Feier mitwirken.“ Und danach, wie es dem bayerischen Lebensgefühl entspricht, gemeinsam in den Biergarten gehen: „Kirche und Wirtshaus gehören zusammen.“

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