Regina Rohrbeck ist eine Powerfrau, die das "Kleine Theater" am Leben erhält

"Man sollte öfter das Theater besuchen"

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Theater-Direktorin Regina Rohrbeck und ihr Hund Elvis.

GAP – Wenn Regina Rohrbeck über ihr Kleines Theater und die Stücke, die dort einst gespielt wurden, erzählt, könnte man ihr sehr lange zuhören. Ihre Begeisterung springt auf den Zuhörer über. Sie lächelt und ihre Augen funkeln – sehr gerne denkt sie an diese Zeit zurück. An die Zeit, in der sich, wie sie sagt, „Frauen hübsch gemacht haben und ihre Männer sie ins Theater ausgeführt haben“.

Frauen spielen generell eine große Rolle in Regina Rohrbecks Leben: Ihre Tochter erfüllte ihr ihren größten Traum, der wiederum bei der Enkeltochter für Verwunderung sorgte. Die reizende Liz Taylor lernte sie übrigens Ende der 60er Jahre kennen. Einiges hat sich seither verändert: Heute sind es die Frauen, die ins Theater gehen und ihre Männer „mitschleppen“. Und: Frauen sind ehrgeiziger, wenn es um das Schauspielen geht.

Warum so viel über das „eigentlich stärkere Geschlecht“ gesprochen wird? Am 8. März ist Internationaler Frauentag und Regina Rohrbeck gehört auf alle Fälle zu jenen Frauen, die sehr viel geleistet haben – vor allem für das kulturelle Leben in Garmisch-Partenkirchen. „Es war nicht immer leicht“, sagt sie. Trotz der schweren Zeiten hat sie den Vorhang nie komplett fallen lassen und kämpft von einem Theaterstück zum nächsten darum, dass das Kleine Theater am Richard-Strauss-Platz für ihre Tochter und Enkelkinder am Leben bleibt.

Die Theaterwelt ist ein spannendes, unterschätztes und facettenreiches „Universum“. Das sang schon Katja Epstein in ihrem Eurovisionsong (1980) „Theater“: „Sie stehn oben und sind König, Bettler, Clown im Rampenlicht - doch wie‘s tief in ihnen aussieht, sieht man nicht . . .“. Was der Besucher ebenfalls nicht sieht, ist die viele Arbeit, die hinter den Produktionen steckt. Da ist unter anderem das Lernen der Texte. „Je älter ich werde, desto stärker wird mein Lampenfieber. Ich möchte eine perfekte und vollendete Darbietung auf der Bühne abliefern. Wenn mir dann aus Nervosität ein kleiner Versprecher passiert, komme ich lange nicht darüber hinweg“, erzählt Rohrbeck. Und wo lernt sie ihre Texte? „Ich liebe die Natur. Ich gehe viel mit Elvis spazieren und dann nehme ich die Texte mit und lerne draußen.“ Was ihr schwer fällt sind Zahlen. Sie kann sich diese einfach nicht merken. „In solchen Fällen gibt es Spickzettel“, lächelt sie. Auf die Frage, wo man sie beim Lernen finden kann, sagt sie: „Ich gehe von Grainau aus in Richtung Hammersbach.“

Ihr größter Wunsch ging in Erfüllung

Ihr Lieblingsstück ist Faust – Der Tragödie erster Teil (Faust I) – das große Drama von Johann Wolfgang von Goethe. In diesem Stück spielte sie die Rolle von Gretchen. „Da ist sehr viel drin, was auch in der heutigen Zeit modern ist.“ Ihren größten Wunsch erfüllte ihr ihre Tochter Tatjana Pokorny. Im Stück „Die Fledermaus“, die beliebte Operette von Johann Strauß, spielte sie Prinz Orlofsky. Rohrbeck liebt Operetten und sie wollte schon immer den Prinzen Orlofsky spielen. „Für meine Enkelin war das sehr seltsam, als sie mich auf der Bühne sah. ,Dieser Mann hat einen Bart - aber er klingt wie meine Oma‘, das dachte sie sich damals. Ich hatte sie immer im Blick während des Auftritts“, erinnert sich Rohrbeck. Das hatte einen Grund: „Es hätte mich dekonzentriert, wenn plötzlich jemand ‚Oma‘ aus dem Publikum gerufen hätte.“

Schauspielerei in die Wiege gelegt

Regina Rohrbeck ist die Tochter von Schauspielerin Ludmilla Rohrbeck-Holten und Intendant Fritz Rohrbeck. Sie ist im Theater groß geworden. Mit vier Jahren stand sie schon auf der Bühne. Ihr Lehrer war ihr Vater – für sie hätte es keinen besseren geben können, davon ist sie überzeugt. 1949 ließen sich ihre Eltern in Garmisch-Partenkirchen nieder und begründeten hier die Tradition des Kleinen Theaters. Sie selbst ging für weitere Engagements nach München, Bern und Wien und zeigte dort ihr großes Talent. Dass sie nicht nur eine großartige Schauspielerin ist, sondern auch vor der Bühne etwas auf dem Kasten hat, zeigte sie bereits als Regieassistentin bei ihrem Vater.

Ihren Ehemann Rainer Pokorny lernte sie in Wien kennen und lieben. 1970 heirateten die beiden. Vier Jahre später kam Tochter Tatjana zu Welt – acht Jahre später starb ihr geliebter Vater. Und von da an übernahm sie den Stuhl des Regisseurs. Mit unbeschreiblicher Hingabe gelingt es ihr bis heute, das Kleine Theater am Leben zu erhalten. 2005 verstarb ihre Mutter – seitdem ist sie auch die Direktorin des Theaters, das sie im Sinne ihrer lieben Eltern weiterführt und für die kommenden Generationen am Leben erhält. „Ich weiß, dass das Kleine Theater bei meiner Tochter und ihrer Familie in guten Händen ist. Sie brennt für‘s Theater - genauso wie ich. Wir sind beide hier groß geworden“, sagt Rohrbeck. Das Familienunternehmen plant unermüdlich weiter - Monat für Monat, Stück für Stück. „Wir denken nicht darüber nach, was war, sondern arbeiten für die Zukunft. Ich lebte und lebe meinen Traum. Das soll meine Tochter auch. Ich habe daher noch Hoffnung, dass die Frauen von heute sich wieder richtig hübsch machen und ins Theater gehen.“

Von Alma Jazbec

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