Felix Neureuther in Schladming ausgeschieden

Riesenslalom auf Kandahar am Sonntag

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Einsame Klasse:Marcel Hirscher (li.) und Henrik Kristoffersen.

Schladming / Region – Die Jubiläumsauflage war ein riesiges Spektakel. 43600 Zuschauer waren zur Planai nach Schladming gekommen, um bei perfekten Bedingungen am Dienstagabend ein tolles Rennen zu sehen. Leider nicht für Felix Neureuther. Der Partenkirchner, der zwischen 2012 und 2015 vier Mal in Serie in Schladming auf das Podest fuhr, lag nach dem ersten Durchgang auf Rang acht. Bei der Siegerehrung für den überragenden Henrik Kristoffersen aus Norwegen, Marcel Hirscher aus Österreich (+0,09 Sekunden) und den Russen Alexander Choroschilow auf Rang drei, war Neureuther nur Zuschauer.

Schon in Val d‘Isère und Madonna di Campiglio war der 32-Jährige ausgeschieden. Vor einem Jahr war Neureuther auf dem WM-Hang von 2013 noch ein überragender erster Durchgang samt deutlicher Laufbestzeit gelungen, ehe er im zweiten Lauf ausschied. Dieses Mal ging schon der Auftakt daneben: Weil sich Neureuther bei der Auswahl der Skier vergriff, fuhr er Kristoffersen, Hirscher und Co. deutlich hinterher. Im zweiten Durchgang ging es zunächst besser als im ersten, doch dann kam das Aus. Hirscher meinte: „Oben war es super, unten bin ich zwei-, dreimal ins Rattern gekommen. Für den Zuschauer ist das knappe Rennen super. Ich habe gewusst, es wird sehr, sehr knapp. Aber irgendwann, ich bin mir sicher, kommen die Hundertstel wieder auf meine Seite. Die Brille ist schon wieder angelaufen, daher der Wechsel. Der Ski passt gut - die Kante ist schon recht dünn. Aber wir haben noch die WM und dann zwei Slaloms – das dürfte sich ausgehen“ meint er mit Blick auf den Slalom-Weltcup, wo er die Führung inne hat. „Mir geht es gut, ich bin im Renn-Modus. Genug Pausen sind da. Ich lasse halt dann mal das Hangbefahren aus. Ich werde weiter arbeiten - heute kann ich nur sagen: Hätte ich es durchgezogen, dann wäre es eng geworden. Aber es sind wieder 80 Punkte mehr.“ Seinem Konkurrenten gratulierte er: „Henrik hat es verdient zu gewinnen. Er ist toll gefahren, besonders technisch. Ich habe gewusst, dass die letzten 15 Tore nicht so toll waren, da habe ich gewusst, wenn er gut fährt, gewinnt er auch.“

er Fahrt nicht vollends zufrieden. „Ich habe nicht den Rhythmus gefunden. Unten war der letzte Teil wirklich gut. Ein Sieg im Slalom hier ist unglaublich, wirklich cool. Ich wohne 50 Minuten von hier, beide meine Trainer sind von hier und ich hatte meinen ersten Weltcupsieg hier“, sagte der Norweger nach seinem fünften Saisonsieg. „Es war schwierig. Ich war oben bei einem Tor wirklich eng, habe nicht den Rhythmus gefunden. Ich habe gesehen, dass der Zielbogen rot ist und die Zuschauer haben geschrien. Da habe ich mir gedacht: Jetzt geht es los. Oben war es nicht gut, aber unten war es sensationell. Der dritte Schladming-Sieg – Wahnsinn.“ Alexander Khoroshilov meinte: „Es ist für mich ein sehr spezieller Platz. Ich lebe seit einigen Jahren hier, trainiere auch immer wieder auf der Reiteralm - das macht es schon sehr speziell. Ich bin in WM-Form - jetzt muss ich aber mal nach Hause, ich vermisse meine Familie schon.“

Hinter Julien Lizeroux aus Frankreich und Stefano Gros aus Italien wurde Manuel Feller Sechster. Der Österreicher meinte: „Ich bin schon stolz auf mich – aus so einem Loch mit so einem Rennen wieder rauszukommen, schaffen nicht viele. Im ersten Durchgang ist es schon noch extrem drin gehängt. Du sagst dir am Start natürlich, du darfst nicht daran denken. Aber ich habe dann doch den weiteren Weg genommen und anders gefahren, als normal. Ich glaube, ich brauche mich dafür nicht schämen. Im zweiten Lauf ist mir der Kurs entgegengekommen.“ Die Chancen für einen WM-Einsatz sind somit gestiegen: „Das WM-Team wird nicht heute entschieden. Ich wäre gerne dabei - grundsätzlich hätte es jeder aus unserem Team verdient. Wir sind eine große Familie, sind die besten Freunde. Aber am liebsten bin ich natürlich schon selbst dabei - so ehrlich bin.“

Bester Vertreter des Deutschen Skiverbands (DSV) war Stefan Luitz auf Platz 14. Nach dem dritten guten Slalom in Serie darf sich der Allgäuer nun Hoffnungen machen, neben seiner Spezialdisziplin Riesenslalom bei der WM auch im Torlauf antreten zu dürfen. „Ich bin echt froh, dass ich drei Rennen hintereinander punkten kann”, meinte er. „So kann es weitergehen.“ Linus Straßer wurde 16. Bei dem Münchner stand vor Schladming nur ein zehnter Rang beim Weltcup in Adelboden zu Buche. Die zweite Top-15-Platzierung verpasste er nun auf der Planai um winzige drei Hundertstelsekunden. Weil der 24-Jährige aber seine aufsteigende Form unter Beweis stellte, kann er auf eine Sonderregelung des DSV hoffen. Dominik Stehle kam nach einem großen Fehler auf Rang 26. Der 30-Jährige lief im ersten Durchgang auf Rang 22 und hatte die Top 15 im Blick. Im zweiten Durchgang fädelte er dann aber schon im oberen Bereich ein. Die Antrittsprämie in Schladming sicherte sich Stehle, indem er umdrehte und die verpassten Tore zu Fuß zurückging. Weltcuppunkte gab es für den Lauf wegen des großen Abstandes aber nicht - zum dritten Mal in Serie für Stehle. Mentale Unterstützung bekam er wie auch Straßer von Neureuther: „Natürlich muss Linus mit zur WM. Der Dominik muss auch mit. Die Jungs können schnell Ski fahren. Im Training sind sie sehr stark. Es fehlt aber der Rausreißer nach oben. Die Jungs sind aber auf dem richtigen Weg. Wir werden noch viel Spaß an ihnen haben.“ Sebastian Holzmann (+4,53) und Philipp Schmid (+5,11) verpassten den zweiten Durchgang genauso wie David Kletterer, der nach einem Fehler nicht ins Ziel kam.

Vor der WM stehen für die deutschen Techniker noch zwei Rennen an, am Sonntag der Riesenslalom in Garmisch-Partenkirchen (1. Durchgang 10.15 Uhr, zweiter Durchgang 13.15 Uhr) und am nächsten Dienstag der Parallel-Torlauf als City-Event in Stockholm.

"Nur einen Tag Zeit zu trainieren"

Nach dem Rennen in Schladming (siehe unseren Bericht oben) hat sich Felix Neureuther mit den Journalisten unterhalten, unter anderem auch mit dem Kreisboten-Sportredakteur Titus Fischer.

Felix Neureuther, wie haben Sie die Atmosphäre hier im Stadion wahrgenommen?

Neureuther: „Man liebt das hier. Es ist ein Traum, hier Rennen zu fahren ist genial. Deshalb macht man das ganze.“ Wie im vergangenen Jahr haben Sie in Schladming leider eingefädelt. Neureuther: „Es war ein Lauf zum Attackieren. Ich habe versucht, Gas zu geben und dann leider eingefädelt.“

Wenn man nichts im zweiten Durchgang riskiert, dann kann man auch nicht gewinnen – stimmt dieses Motto?

Neureuther:  „Ja, auf jeden Fall. Bei dem Lauf, da musste man diese Taktik wählen. Ich habe es probiert, aber leider einen Schwung etwas früher angezogen und dann hat es schon „Peng“ gemacht.“

Es war der letzte Slalom vor der Weltmeisterschaft in St. Moritz.

Neureuther: „Das sagt gar nichts aus für die Titelkämpfe . . .“

Was nehmen Sie für ein Gefühl mit zu diesem Großereignis?

Neureuther: „Trotzdem ein Gutes. Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Diese Arbeit werde ich annehmen, und dann schauen wir, was herauskommt.“ Woran muss man konkret arbeiten?

Neureuther: „An der Abstimmung.“

Hatten Sie hier in Schladming die gleichen Skier wie in Wengen oder andere?

Neureuther: „Ich hatte andere.“

Fühlten Sie sich auf diesen besser?

Neureuther: „Nein, leider nicht. Wir probieren weiter.“

Jetzt kommt am Sonntag für Sie das Heimrennen in Garmisch-Partenkirchen, der Riesenslalom.

Neureuther: „In den vergangenen Jahren bin ich da immer recht gut gefahren. Wir hatten jetzt sehr viele anstrengende Rennen in den letzten Wochen. Das ist sicherlich nicht einfach für mich, nun in Garmisch-Partenkirchen zu fahren. Aber ich werde mich darauf vorbereiten und dann schauen wir, was herauskommt.“

Im vergangenen Jahr war der Riesenslalom ausgefallen.

Neureuther: „Das war sehr bitter vor einem Jahr, weil auch viele Zuschauer gekommen waren. Das will man nie, dass ein Rennen abgesagt wird. Ich freue mich nun auf das Heimrennen.“

Sie haben es gesagt, viele Rennen gab es in den vergangenen Wochen im Slalom, hatten Sie da überhaupt Zeit, für den Riesenslalom zu trainieren?

Neureuther: „Fast nicht, ich habe nur einen Tag vor Kitzbühel Riesenslalom trainiert.“

Von Titus Fischer

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