Aufruf von BRK Rettungsdienst und MKT Krankentransport

Rettungskräfte vor Ansteckung mit Coronavirus schützen

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Hans Steinbrecher, Leiter des BRK Rettungsdienstes Garmisch-Partenkirchen, bittet um besondere Rücksichtnahme auf die Rettungskräfte während der Coronakrise.

Landkreis GAP – Das eigene Baby hat Atemnot, die Verzweiflung ist groß. Es ist nur allzu verständlich, wenn in einer solchen Notlage wichtige Fragen der Einsatzstelle nicht ins Bewusstsein dringen. Doch während der Coronakrise müssen die Rettungskräfte bescheid wissen, ob ein Ansteckungsrisiko besteht. Sonst können sie sich nicht angemessen schützen.

Es war ein echter Noteinsatz. Ein wenige Monate altes Baby liegt in seinem Bettchen mit schwerer Atemnot. Das Kind hustet. Die Eltern sind um die Gesundheit des Kindes sehr besorgt, haben einen so schweren Anfall noch nicht gesehen. Der kleine Junge leidet an Pseudokrupp und wird von den Rettungsdienstmitarbeitern sofort versorgt. In Zeiten von Corona wurde vorher natürlich kurz abgefragt, ob jemand im Haus mit Corona infiziert ist, Symptome einer COVID-19-Erkrankung zeigt oder unter Quarantäne steht. Wenige Minuten später kommen mit einem weiteren Einsatzfahrzeug der Notarzt und ein zusätzlicher Retter. Auch sie kümmern sich sofort um den Jungen.

Kurz zuvor im Risikogebiet aufgehalten

Als sich der Zustand des Kindes nach der Gabe von Cortison und Sauerstoff deutlich verbessert, fragt der Notarzt die Eltern, seit wann der Junge die Beschwerden hat und wie oft sie sich wiederholen. Dabei stellt sich heraus, dass sich die Familie bis vor kurzem in einem Risikogebiet aufgehalten hat. Auch der Vater hatte am Vortag offensichtlich noch leichtes Fieber. Das bedeutet: Corona-Alarm. Die Besatzung des Rettungswagens muss das Fahrzeug noch in der Nacht desinfizieren. Bei den Eltern wird auf Anweisung des Gesundheitsamtes ein Abstrich genommen, um sie auf eine mögliche Infektion zu testen. Das Ergebnis steht noch aus. „Wir haben Verständnis, dass die Sorge um ein krankes Baby Corona in den Hintergrund drängt und wir wissen, dass die Eltern die Fragen des Rettungsdienstpersonals in diesem Fall vor lauter Aufregung schlicht überhört haben“, zeigt sich Hans Steinbrecher verständnisvoll.  Er ist der Leiter des BRK Rettungsdienstes im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Besondere Rücksichtnahme erforderlich: Rettungspersonal muss sich schützen können

Er und sein Kollege Franz Sihorsch, Leiter der MKT Rettungswache in Garmisch-Partenkirchen, bitten deshalb gemeinsam um besondere Rücksichtnahme auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rettungsdienst. Hans Steinbrecher: "Bitte weisen Sie möglichst schon beim Anruf unter der 112 die Kollegen in der Leitstelle darauf hin, wenn Sie den Verdacht haben, sich möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert zu haben."

Typische Verdachtsanzeichen sind:
• Fieber, Husten
• Kontakt zu einer infizierten Person
• Aufenthalt in einem Risikogebiet z.B. in Südtirol oder Tirol in den letzten 14 Tagen

Weil mittlerweile in ganz Deutschland die Ansteckungsgefahr hoch ist, sollte immer auf einen Verdacht hingewiesen werden, auch wenn man nicht unter Quarantäne steht oder ein Abstrich angeordnet wurde. Es ist wichtig, bescheid zu geben, wenn man sich unwohl fühlt und typische Symptome einer Erkältungskrankheit hat. Dazu können auch Halsschmerzen oder Kopfschmerzen gehören.

Steinbrecher: "Nur, wenn die Hilfesuchenden zuvor auf einen Verdacht hinweisen, hat unser Personal die Möglichkeit, sich selbst zu schützen." Am vergangenen Montag musste die Besatzung eines Rettungswagens des Roten Kreuzes kurzfristig außer Dienst gestellt werden, weil bei einem Patienten nachträglich der Verdacht auf eine Erkrankung an COVID-19 festgestellt wurde. "Für die Versorgung der Bevölkerung – gerade bei steigenden Erkrankungsfällen – ist es unbedingt notwendig, dass unser Personal gesund bleibt", sagt Steinbrecher. "Sie brauchen keine Angst zu haben, dass Rettungsdienst oder Notarzt nicht kommen , Sie nicht behandeln oder nicht mitnehmen." kb

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