"Ich war zu lange blind und viel zu viel Fan"

Der SC Riessersee in der Planinsolvenz – Interview mit Udo Weisenburger

+
Spricht endlich: Udo Weisenburger.

GAP – Udo Weisenburger war der starke Mann beim SC Riessersee. Seit zwei Jahren war er der Alleingesellschafter des Traditionsvereins. Zuletzt gab es viele Negativschlagzeilen rund um ihn und den SC Riessersee. Der Vizemeister der DEL2 musste Insolvenz anmelden. Nun soll mit dieser Plan-Insolvenz das Spielen in der kommenden Saison in der Oberliga Süd möglich sein. Weisenburger wird sich zurückziehen. Nach vielen Wochen des Schweigens hat er mit Titus Fischer im KREISBOTEN-Interview gesprochen.

Herr Weisenburger, der SC Riessersee hat Insolvenz angemeldet. Wie konnte es denn so weit kommen?

Udo Weisenburger: „Wir haben den Schuldenschnitt leider nicht hinbekommen und so blieb uns keine andere Wahl.“

Es gab in den vergangenen Wochen und Monaten ein ewiges hin und her. Alles begann damit, dass Sie am 16. Mai 2018 die Fans mit der Nachricht schockten, dass sich der Verein aus der DEL2 zurückziehen würde, da das finanzielle Loch zu groß sei. Dann wurden doch Bewerbungsunterlagen für die DEL2 abgegeben. Am Ende vergeblich . . .

Weisenburger: „Mein Ziel war es schon immer, dass der SC Riessersee in der kommenden Saison in der Oberliga spielt. Das habe ich auch im Mai im offenen Brief geschrieben. Dann hat die Rettergruppe, die in den vergangenen Wochen und Monaten eine super Arbeit geliefert hat, es noch versucht, dass es mit der DEL2 klappt – was dann eben nicht funktionierte.“

Warum sind Sie der Ansicht, dass die DEL2 für den SC Riessersee nicht funktioniert?

Weisenburger: „Die DEL2 ist einfach nicht finanzierbar, das haben wir in den vergangenen Jahren schon gesehen. Ohne das Geld, das als Sponsoring von meinen Firmen floss, hatten wir in den vergangenen drei Saisons trotzdem immer ein Minus im sechsstelligen Bereich. Da muss man dann klar sagen, das funktioniert so nicht.“

Sie hätten nun wieder Geld hineinschießen können, dann hätte DEL2-Eishockey doch wieder geklappt . . .

Weisenburger: „Es macht so aber keinen Sinn. Meine Firmen haben in den vergangenen drei Jahren schon 1,4 Millionen Euro bezahlt. Ich habe kein Gehalt gehabt, keinen Cent rausgenommen. Ich habe keinen Kaffee, keine Übernachtung, kein Benzingeld und auch keine Reisekosten jemals über den SC Riessersee abgerechnet. Ich hatte aus der ganzen Geschichte keinen Vorteil. Nun hätte der Gesellschafter einen hohen sechsstelligen Betrag einzahlen müssen, damit es in der DEL2 weitergeht und das ging leider finanziell nicht mehr. Ich war zu lange blind und viel zu viel Fan.“

Das bedeutet?

Weisenburger: „Da hätte man sehen müssen, dass es so keinen Sinn macht. Das war mein Fehler. Man benötigt eben viel Geld von Sponsoren und Gesellschaftern, sonst ist das nicht zu stemmen und uns ist es nicht gelungen diese neuen Geldgeber zu finden.“

Sie sind doch ein erfahrener Geschäftsmann, der auf der ganzen Welt tätig ist. Haben Sie sich die Bücher nicht genau angeschaut, als Sie den SC Riessersee übernommen haben?

Weisenburger: „Mir waren die Hintergründe nicht klar, das muss ich mir vorwerfen und werfe ich mir auch vor. Ich hätte das alles viel besser überprüfen müssen. Die GmbH hatte über die vergangenen Jahre riesige Verbindlichkeiten. Es sind dann immer wieder Rechnungen aufgetaucht. Es war eine große Naivität von mir und auch eine Dummheit.“

Ist die DEL2 auch nicht machbar wie in der vergangenen Saison, in der es so viele Spiele und Zuschauer gab wie seit Jahrzehnten nicht mehr?

Weisenburger: „Nein, auch dann nicht. Die Zuschauereinnahmen waren sehr gut. Aber durch die erfolgreiche Saison musste einen Monat mehr an Spielergehältern bezahlt werden. Dann kommen die Prämien hinzu.“

Durch die erfolgreichen Play-offs muss doch ein Gewinn herausgeschaut haben?

Weisenburger: „Ja, wenn man nur auf die Play-offs schaut schon. Insbesondere der März mit den vier Heimspielen gegen Crimmitschau war gut. Aber das Minus aus der vergangenen Saison war wieder sehr groß.“

Anfang des Jahres gab es die Idee mit dem Plan 300 – 300.000 Euro an neuen Sponsoren sollten dazukommen. Ging das auch nicht auf?

Weisenburger: „Leider nein. Das lag aber nicht an den Personen, die beteiligt waren. Das ganze Team rund um den SC Riessersee hat alles versucht, die Mitarbeiter haben alle einen super Job gemacht. Doch am Ende hat es nicht gereicht. Ich habe gedacht, wir schaffen es auch diesmal und wir haben alle alles dafür getan. Aber ich habe es nicht geschafft, nachdem ich den SC Riessersee in den vergangenen Jahren einige Male gerettet habe. Ohne meine finanzielle Hilfe hätte es die Lizenz in den vergangenen drei Jahren nicht gegeben.“ 

Warum ist eine Oberliga zu stemmen beim SC Riessersee?

Weisenburger: „Die Ausgaben sind einfach viel geringer. So kann man ein Eishockey in Garmisch-Partenkirchen in der Oberliga finanzieren. Ich bin sehr froh, dass es nun weitergeht.“

Sie hatten die komplette Gastronomie ausgelagert und für sie eine eigene GmbH gegründet. Warum das?

Weisenburger: „Ich wollte da einen klaren Überblick haben über die Gastronomie. Ich hätte das auch lassen können.“

Hatten Sie sich davon mehr versprochen?

Weisenburger: „Ja. Die Marge war geringer als gedacht. Wir haben schon einen Gewinn erzielt, aber eben nicht so viel.“

Woran lag das?

Weisenburger: „Ich habe über das ganze Jahr drei festangestellte Mitarbeiter. Und das bei nur 30 bis 40 Heimspielen, an denen man Geld verdienen kann. Von April bis August gibt es nichts zu verdienen, im November hast Du auch nur zwei oder drei Heimspiele. Die Gastro putzte das Stadion, machte die gesamte VIP-Betreuung mit allen Essen, kochte für die Mannschaft und noch vieles mehr.“

Was passiert mit dieser GmbH?

Weisenburger: „Sie wird wohl wieder zurück in die SC Riessersee Vermarktungs GmbH gehen.“

Sie haben noch Spieler wie Uli Maurer nach der Saison verpflichtet oder den Vertrag mit Joel Johansson verlängert – obwohl es finanziell nicht gut aussah. Warum?

Weisenburger: „Wir waren voll in der Planung für die neue Saison. Ich habe gedacht, wir bekommen das wieder finanziell hin. Doch da war ich wohl zu naiv. Es tut mir sehr leid für die Spieler und die Familien.“

Wie wird es nun mit dem SC Riessersee weitergehen, Sie hören definitiv auf?

Weisenburger: „Ja, ich werde alle meine Anteile abgeben.“

Abgeben oder verkaufen?

Weisenburger: „Abgeben. Dann werde ich als Geschäftsführer zurücktreten. Es geht um den SC Riessersee. Ich werde auf alles verzichten. Der Neuanfang mit der Rettergruppe wird ohne mich stattfinden. Ihnen geht es um den Fortbestand des Eishockeys in Garmisch-Partenkirchen, das ist ganz wichtig. Ich habe von Anfang an gesagt, sollte die Rettung gelingen mit der neuen Gruppe, dann bin ich gerne raus. Ich wollte und will niemals im Weg einer Rettung des SCR stehen, und kann auch den Artikel im Tagblatt des ‚anonymen Sprechers‘ nicht nachvollziehen. Ich habe zu jedem Moment versucht, den SCR zu retten und wir waren ganz nahe dran. Dass das Finanzamt nicht mitmachte, war nicht Schlamperei vom SC Riessersee, sondern aus München kamen Konditionen, die in der Kürze einfach nicht zu erfüllen waren. So oder so, die Rettergruppe ist ja noch dabei und übernimmt nun das Kommando. Ich habe durch mein Engagement beim SC Riessersee fast meine Firma in Schieflage gebracht.“

Was heißt das?

Weisenburger: „Ich habe ein Problem mit meiner Firma in den Emiraten. Da warte ich vergeblich auf eine siebenstellige Summe. Die zahlen einfach nicht. Da kannst Du mit Anwalt etc. nichts machen. Das Geld ist weg. Meine Firma konnte einfach nun nicht noch mehr Geld in den SCR pumpen.“

Wieso waren Sie eigentlich bei der Anhörung der DEL2 als es um die Lizenz ging nicht mit dabei?

Weisenburger: „Das war der Wunsch der Rettergruppe, dass ich nicht mitkomme. Man wollte dort dem Neuanfang Nachdruck verleihen. Diesem Wunsch bin ich natürlich nachgekommen.“

Es gab auch Unklarheiten über den Vertrag mit Stefan Endraß. Er wurde als Geschäftsführer vorgestellt, doch er war nur Geschäftsstellenleiter?

Weisenburger: „Der Plan war damals, als ich ihn eingestellt habe, dass er ab der Saison 2018/19 die Funktion des Geschäftsführers übernimmt was er nun auch machen wird.“

Für den SCR heißt es nun Planinsolvenz. Dadurch soll das Eishockey in der Oberliga erhalten bleiben.

Weisenburger: „Ja. Natürlich ist das mit der Planinsolvenz auch ein gewisses Risiko für mich. Mein Rechtsanwalt hat gesagt, es wäre besser, eine „richtige“ Insolvenz zu machen. Dann hätte es den SC Riessersee aber so nicht mehr gegeben. Deshalb habe ich mich gegen den Ratschlag anders entschieden.“

Was passiert eigentlich mit den Fans, die schon Dauerkarten gekauft haben?

Weisenburger: „Ich denke, dass die mit den Dauerkarten für die Oberliga verrechnet werden. Ich hoffe, dass wir keinen Fan verlieren werden.“

von Titus Fischer

Auch interessant

Meistgelesen

Brand in Mehrfamilienhaus in Garmisch-Partenkirchen
Brand in Mehrfamilienhaus in Garmisch-Partenkirchen
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Warnung vor gefährlicher Schadsoftware
Warnung vor gefährlicher Schadsoftware
Transport der neuen Kabine der Seilbahn Zugspitze
Transport der neuen Kabine der Seilbahn Zugspitze

Kommentare