Herzlichen Glückwunsch an unsere Skilegende

Rosi Mittermaier feiert ihren 70. Geburtstag

Geburtstag Rosi Mittermaier
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Rosi Mittermaier und Christian Neureuther erhielten im vergangenen Sommer die Ehrenbürgerwürde des Marktes Garmisch-Partenkirchen.

Bei den Olympischen Winterspielen 1976 ging ihr großer Stern auf, am heutigen Mittwoch feiert die deutsche Ski-Ikone Rosi Mittermaier ihren 70. Geburtstag. Bodenständig, freundlich, zurückhaltend - ihrem Wesen bleibt Mittermaier auch dann treu, wenn andere sie gerne in den Mittelpunkt stellen möchten.

GAP - Dabei macht es keinen Unterschied, ob sie einer Gruppe die Vorzüge von Nordic Walking vermittelt, im Fernsehen auftritt oder von der Klasse einer befreundeten Lehrerin nach ihren Emotionen bei den Olympischen Spielen von Innsbruck gefragt wird. „Mein Leben wird immer auf 1976 und Olympia reduziert. Ich kann verstehen, dass das für die Menschen wichtig ist - aber für mich ist das nie das Wichtigste gewesen“, beteuert Mittermaier, die eigentlich Rosa Katharina heißt. „Die Rosi ist eine Leistungssportlerin ohne Ehrgeiz, die nicht mal weiß, wie viele Weltcuprennen sie gewonnen hat“, sagte Ehemann Christian Neureuther einmal über seine Frau. Und für Sohn Felix Neureuther ist seine Mutter deswegen gar ein „Phänomen in der Hinsicht. Ihr ist das Verlieren eigentlich wurscht.“ Und er sagt über seine Eltern: „Ihr habt uns stets Bodenständigkeit vorgelebt, und besonders die Liebe zur Natur. Dass man als Familie immer zusammenhält! Und Respekt hat vor allen Menschen!“ Inzwischen ist Rosi Mittermaier mehrfache Oma. Tochter Amelie, die als Modedesignerin arbeitet, hat einen fünfjährigen Sohn Oskar. Felix, der mit der früheren Biathletin und Skilangläuferin Miriam Gössner verheiratet ist, hat zwei Kinder: Die zweijährige Mathilda und Leo, der im vergangenen Februar auf die Welt kam. 

Mittermaier erklärt ihre positive Grundhaltung: „Dieses ganze Verbissene, Extreme, das mag ich nicht gern. Es darf nicht sein, dass man Tränen vergießt wegen einem Hundertstel hin oder her. Ich hätte nie gesagt, ich werde Olympiasiegerin. Ich wollte halt gut fahren.“ In jener Saison holte sie bei den Olympischen Winterspielen erst Gold in der Abfahrt, dann im Slalom und schließlich noch Silber im Riesenslalom, hinter der Kanadierin Kathy Kreiner. „Es war mir überhaupt nicht wichtig, dass ich gewinne. Wichtig war mit, dass ich viele Freunde gehabt habe.“ Alle drei Wettbewerbe zählten auch als Weltmeisterschafts-Rennen, dazu kam WM-Gold in der Kombination - und am Ende des Winters der Sieg im Gesamtweltcup. 

„Gold-Rosi“, wie die Medien sie tauften, war spätestens danach weltweit ein absoluter Superstar. Sie erinnert sich an die Tage in Innsbruck: „Da hat alles gepasst. Das Wetter, dann war die Strecke technisch schwierig. Ich habe das gebraucht: Ich brauchte schwierige Kurven in der Abfahrt und im Slalom war es auch ein steiler Hang, das war gut für mich. Es war hart und eisig. Ich hatte nicht die Skier für Neuschnee. Beim Rennen zuvor in Bad Gastein gab es Neuschnee, da war ich Letzte.“ Vom 8. Februar 1976 an, dem Tag des Abfahrts-Goldes, war sie der Superstar. „Die ersten vier Wochen auf der Winklmoosalm kamen 27000 Briefe und Pakete – ein ganzes Zimmer voll nur Post. Darunter waren 150 Manager, die sich angeboten haben, mich zu managen“, berichtet sie. „Uns haben die Leute die Wäsche von der Wäscheleine mitgenommen, als Souvenir. Die Musikkapellen sind gekommen...“ Die Blumenberge, die sie bekam, ließ sie in Krankenhäusern verteilen und bekam wieder neue Briefe. Auf dem sportlichen Höhepunkt beendete Mittermaier ihre Karriere im Alter von nur 25 Jahren. „Damals hat man mit 25 Jahren als Skifahrerin schon als alt gegolten. Ich bin zehn Jahre gefahren.“ 1968, bei den Winterspielen in Grenoble, war sie 20. im Riesenslalom und 25. in der Abfahrt. 1972 in Sapporo wurde sie 6. in der Abfahrt , 12. im Riesenslalom und 17. im Slalom. „Olympische Spiele und Weltcup gewonnen, im gleichen Jahr – mehr ist ja nicht möglich“, begründete Mittermaier ihren Entschluss später. „Da war ein Hype und so viele Menschen, da haben auch alle gesagt, da hast du keine Ruhe mehr zum Trainieren. Außerdem haben sich Türen geöffnet. Ich konnte Verträge schließen. Das war die Möglichkeit, eine Existenz zu gründen.“ Mittermaier weiter: „Mein Vater hat gesagt: Du musst das nicht machen, wenn Dir das keinen Spaß macht. Wir kommen auf der Winkelmoosalm gut klar, da machen wir ein Café. Dann habe ich gedacht, es ist ganz interessant, das andere mal kennenzulernen. Ich war auf der ganzen Welt unterwegs.“ Und sie ist bis heute überall populär.

Als Rosi Mittermaier und Christian Neureuther sich kennengelernt haben, waren sie gerade 15 beziehungsweise 16 Jahre alt. Für ihn war es Liebe auf den ersten Blick: „Ich habe das Mädel gesehen und gewusst: Dass ist sie“, erzählte Neureuther einmal. Und in seiner verschmitzten Art fügte der ehemalige Weltklasse-Skirennläufer hinzu, bei ihr habe die Sache etwas länger gedauert. „Ich hab’s ihr erst sagen müssen.“ Geheiratet haben die beiden 1980 in St. Anton, kurz vor dem Ende der aktiven Sport-Karriere von Christian Neureuther. Dieser erklärt, sie seien „total unterschiedlich, echte Gegensätze.“ Das sei wohl auch einer der Gründe, für die starke Beziehung: „Ich brauche die Rosi. Sie holt mich immer wieder auf den Boden.“ Und wie betonte er einmal: „Mindestens einmal am Tag denke ich mir: Mensch die Rosi, die ist der Wahnsinn.“ Und heute ist sie 70 Jahre alt.    Titus Fischer

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