Schlehdorf soll geschlossen werden – Erzdiözese reagiert damit auf die Öffnung der Knabenrealschule Murnau für Mädchen

Die Mädchenrealschule St. Immaculata der Erzdiözese München und Freising in Schlehdorf soll nach dem Ende des Schuljahres 2017/18 geschlossen werden. Am vergangenen Mittwoch wurden die rund 400 Schülerinnen sowie alle Lehrkräfte und Mitarbeiter persönlich sowie die Eltern der Schülerinnen per Brief über diese Entscheidung des Erzbischöflichen Ordinariats München informiert.

Die Erzdiözese reagiert mit diesem Schritt auf die Entscheidung des bayerischen Ministeriums für Unterricht und Kultus, die staatliche Knabenrealschule in Murnau ab September 2013 auch für Mädchen zu öffnen. „Der durch diese Öffnung und die demographische Entwicklung zu erwartende Rückgang der Schülerinnenzahlen macht einen Fortbestand einer Mädchenrealschule am Standort Schlehdorf künftig nicht mehr möglich”, lautet die Begründung. Die Erzdiözese München und Freising will sich mit dieser Entscheidung aber ausdrücklich nicht als Bildungsträger aus der Region zurückziehen, heißt es in einer Pressemitteilung. Vielmehr möchte man insbesondere den Schulstandort Gar- misch-Partenkirchen stärken. Die katholische Kirche will dort eine Fachoberschule (FOS) gründen, die ihren Betrieb mit dem Schuljahr 2013/2014 aufnehmen soll. Im Verbund mit den St.-Irmengard-Schulen (Realschule und Gymnasium) soll die neue FOS ein Oberstufenzentrum bilden. Dieser Schulartenkombination bei einem Träger und unter einem Dach kommt in Bayern Modellcharakter zu. Die Vermittlung christlicher Werte und die Durchlässigkeit zwischen den unterschiedlichen Angeboten sollen Schwerpunkte des künftigen Oberstufenzen- trums sein. „Wir nehmen die Entscheidung des Kultusministeriums mit großem Bedauern zur Kenntnis. Es fällt uns sehr schwer, einen traditionsreichen und erfolgreichen Bildungsstandort wie Schlehdorf aufzugeben“, erklärte Sandra Krump, Leiterin des Ressorts Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat. Weniger gefasst reagierte man in Schlehdorf. Innerhalb kürzester Zeit trafen noch am Mittwochnachmittag Dutzende von Rückmeldungen bei den Mitgliedern des Elternbeirats ein, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sein darf. Elternbeiratsmitglied Ernestine Gerg: „Wir sind betroffen, dass das Erzbischöfliche Ordinariat München hier Fakten geschaffen hat, ohne mit uns Eltern und ohne mit den Schülerinnen gesprochen zu haben. Herr Kardinal, uns und unseren Töchtern liegt diese besondere Schule am Herzen! Wir werden hier nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern uns dafür einsetzen, dass es in Schlehdorf weitergeht.“ Die Schule genießt in der Region einen ausgezeichneten Ruf. Heidi Hof- mann, Vorsitzende des Elternbeirats, brachte es knapp zum Ausdruck: „Schlehdorf ist keine Schule im klassischen Sinn, hier werden Werte vorgelebt, hier gibt es eine gelebte Schulgemeinschaft, die die Sorge um die Kinder in den Mittelpunkt stellt und das glaubwürdig vermittelt.“ Schlehdorfs Bürgermeister Stefan Jocher nahm ebenfalls an der Sitzung des Elternbeirats teil. Er zeigte sich schockiert von der geplanten Schließung der Mädchenrealschule, die Gemeinde selbst hatte auf offiziellem Weg bislang nichts er- fahren. Jocher dazu: „Ich werde es nicht zulassen, dass in meiner Gemeinde dieses Schuljuwel platt gemacht wird. Jetzt müssen wir im Oberland aufstehen und allen Verantwortlichen in München zeigen, dass wir Schlehdorf brauchen. Zur Not schicken wir den Schmied von Kochel zu unserem Kardinal!“ Auch die Schwestern des Klosters, die bis zur Bekanntmachung am vergangenen Mittwoch nicht vom Ordinariat über die Schließung der Schule informiert wurden, sind fassungslos über diese Entscheidung. Sie waren es, die vor fast 60 Jahren begonnen haben, hier Mädchen einen mittleren Bildungsabschluss zu ermöglichen.

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