Kunst angesichts von Krieg, Unrecht und Unterdrückung

Schlossmuseum Murnau zeigt „Schattenseiten“

Schattenseiten
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Paul Klee lässt Blumen trauern. Entstanden sind seine „Trauerblumen“ im Ersten Weltkrieg im Jahr 1917.

Murnau – Wenn diese Woche die Museen in Bayern wieder öffnen, startet auch das Schloßmuseum Murnau mit seiner lang vorbereiteten Schau „Schattenzeiten. Künstler zwischen Anpassung und Widerstand“.

Gezeigt werden von 12. Mai bis 6. September Gemälde und Grafiken u.a. von Franz Marc, Paul Klee, Käthe Kollwitz und Gabriele Münter sowie zeitgenössische Werke von Rita de Muynck und Nikolaus Lang. Die meisten Exponate decken den Zeitraum vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart ab. Sie verdeutlichen, auf welche Weise Krieg, Repression und Zensur zu Zäsuren in Biographie und Werk führen und mit welchen künstlerischen Ausdrucksmitteln man diesen „Schattenzeiten“ im 20. Jahrhundert begegnet ist (www.schlossmuseum-murnau.de).

"Es kommen kalte Zeiten" 

Anlass der Sonderschau ist die aktuelle Studie, in der Dr. Edith Raim im Auftrag der Marktgemeinde die politischen und sozialen Entwicklungen in Murnau zwischen 1919 und den 1950er Jahren beleuchtet. Eine eigene Ausstellung mit dem Titel „Es kommen kalte Zeiten“ widmet sich Raims Forschungsergebnissen. Diese Schau startet, nachdem die Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Bayern nun wieder gelockert werden, ebenfalls am Dienstag, 12. Mai, und wird bis ins kommende Jahr hinein zu sehen sein. „Eine der spannendsten Erkenntnisse für mich war, dass Murnau in den 1920er Jahren einen politischen Sonderweg gegangen ist. Die Demokratisierung während der Goldenen Zwanziger, die Räterepublik sind hier unglaublich stark abgelehnt worden“, erklärt Raim. Ereignisse, die sich im Dritten Reich später deutschlandweit abgespielt haben, seien in Murnau gewissermaßen vorweggenommen worden. So stammten allein neun Teilnehmer des Hitlerputsches in München von 1923 aus dem damals nur 3000 Einwohner zählenden Markt. Auch konnten die völkischen Parteien in Murnau bereits ab 1924 die meisten Wählerstimmen auf sich vereinen – im Gegensatz zum sonstigen Oberbayern, wo noch deutlich länger konservativ-christlich gewählt wurde.

Künstlerische Positionierung

Während „Kalte Zeiten“ auf der Grundlage von teils noch nie gezeigten Fotos und Objekten Einblick in drei Jahrzehnte spezifisch Murnauer sowie bayerischer Geschichte gewährt, spannt das Schloßmuseum mit „Schattenzeiten“ den Bogen weiter und wirft allgemein die Frage nach künstlerischer Positionierung zwischen Anpassung und Auflehnung auf. Vertreten sind hier sowohl europäische Künstler als auch Mitglieder des Blauen Reiters, deren internationale Bedeutung auch auf die im Blauen Land entstandenen Werke zurückgeht. Wie zum Beispiel bei Franz Marc und Gabriele Münter der Fall. Doch auch Max Klinger, Otto Dix, Paul Klee, Carl Rabus, Cuno Fischer, John Heartfield, Käthe Kollwitz – sie alle haben während unterschiedlicher europäischer „Schattenzeiten“ um die richtige Ausdrucksform gerungen, um die Möglichkeit, künstlerisch tätig zu bleiben – oder sogar Einfluss zu nehmen. Wie auch der NS-Widerstandskämpfer Helmuth James Graf von Moltke haben sie sich der heute, angesichts gewisser politischer Tendenzen, wieder relevanten Frage gestellt: „Was sage ich, wenn man mich fragt: Und was hast Du während dieser Zeit getan?“

Mit Sicherheit ein Kunstgenuss

Kasse, Garderobe und Museumsshop sind aus dem engen Foyer in den Veranstaltungssaal verlegt worden, so wird Gedränge am Eingang vermieden. Ein Wegleitsystem durch die Treppenhäuser und Etagen ist geklebt, pro Raum sind jeweils nur fünf Besucher erlaubt. Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel sind reichlich vorhanden. Mit diesen Maßnahmen will das Schloßmuseum Murnau einen sicheren Aufenthalt und Kunstgenuss für seine Besucher gewährleisten. „Wir gehen davon aus, dass sich der Andrang in den ersten 14 Tagen in Maßen hält“, sagt Museumsdirektorin Dr. Sandra Uhrig, „erst wenn zu Pfingsten auch die Hotels öffnen, könnte es voller werden.“ Zeit genug, um im verwinkelten Gemäuer des alten Schlosses die neuen Corona-Verhaltensregeln einzuüben.   kb

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