Anlaufstellen bei seelischen Nöten: Sozialpsychiatrischer Dienst, Clubhaus Garmisch und Krisendienst Psychiatrie

Schnelle Hilfe in psychischen Notlagen

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V. li. Regina Dupper, Leiterin Garmisch-Partenkirchen, Gisela Herrmann, Regionalleitung Landkreis GAP und Clemens Kasper, Teamleitung ambulantes Wohnen.

Landkreis – Betroffene, die seelische Nöte haben, in einer Lebenskrise stecken, aus der sie keinen Ausweg sehen, werden im Landkreis Garmisch-Partenkirchen nicht allein gelassen.

Mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst, dem Clubhaus Garmisch – die Tagesstätte feierte gerade ihr 20-jähriges Bestehen -, dem ambulant begleiteten Wohnen und dem Krisendienst Psychiatrie ist die Hilfe auf vier Säulen gestellt. Träger ist die Diakonieeinrichtung Herzogsägmühle.

Was tun, wenn die Seele schreit, man nicht mehr mit dem alltäglichen Leben zurechtkommt oder eine akute Notsituation eintritt? „Seelische Probleme und Erkrankungen in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen können jeden treffen“, weiß Gisela Herrmann, Regionalleiterin von Herzogsägmühle, verantwortlich für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Für Betroffene und deren Angehörige sind diese Situationen eine große Herausforderung. Hilfe gibt es beim Sozialpsychiatrischen Dienst (SpD), in der seit 1994 bestehenden Garmisch-Partenkirchner Beratungsstelle für psychische Gesundheit, mitten im Ortszentrum, Am Kurpark 3. „Viele finden den Weg selbst zu uns oder werden von ihrem Arzt geschickt“, informiert Leiterin Regina Dupper, die auch für die Zweigstellen in Mittenwald und Murnau zuständig ist. Kommen kann jeder, auch anonym. Kosten entstehen keine.

„Besser wäre es noch, vorher anzurufen, damit wir Zeit für ein erstes Gespräch einplanen können“, sagt die Sozialpädagogin. Dank guter Vernetzung – alles wird selbstverständlich streng vertraulich behandelt – kann individuell ein Hilfeplan ausgearbeitet oder auf andere Einrichtungen verwiesen werden. Auch Hausbesuche und telefonische Beratungen sind möglich. Dass der Bedarf steigend ist, belegt die Statistik. 2009 waren es 382 Klienten, und es gab 2624 Beratungen. 2017 ist die Klientenzahl auf 455, die Zahl der Beratungen auf 2981 gestiegen. Ist das Team des SpD nicht zur Verfügung, kann in seelischen Notsituationen oder wenn eine Selbstgefährdung vorliegt, der Krisendienst Psychiatrie in Anspruch genommen werden.

Seit April 2017 gibt es für akute seelische Krisen unter der Nummer 0180/6553000 von 9 bis 24 Uhr an 365 Tagen im Jahr kompetente erste Hilfe beziehungsweise in akuten Fällen eine Weitervermittlung an Fachstellen oder Ärzte vor Ort.

Wer allein nicht mehr zurechtkommt, sollte sich über ‚ambulant begleitetes Wohnen‘ informieren. „Seit 2001 haben wir 24 Plätze in vier Wohngemeinschaften in Garmisch-Partenkirchen und Farchant neben der anderen Möglichkeit, in der eigenen Wohnung sozial-therapeutisch betreut zu werden“, erklärt Teamleiter Clemens Kasper. „Wir orientieren uns dabei an den Zielen von Normalität, Gemeinschaftsfähigkeit, Selbstbestimmung und Mitwirkung des Hilfeberechtigten“. Kooperiert wird mit allen relevanten Einrichtungen. So besuchen viele auch das Clubhaus Garmisch in der St.-Martin-Straße. Ricarda Billinger-Schönnagel ist seit 20 Jahren hier Leiterin, hat das Jubiläum gerade mit ihren zurzeit 30 bis 35 Mitgliedern gebührend gefeiert. „Der Besuch an fünf Tagen in der Woche ist freiwillig und kostenlos“, sagt sie. Oft gelingt es Menschen mit seelischen Erkrankungen, die aus dem gesamten Landkreis vor allem nach Klinikaufenthalten kommen, von hier aus wieder in den Alltag zurückzukehren. Es wird gemeinsam geplant, gekocht, gegessen, gegartelt und gefeiert. Auch hauswirtschaftliche, technische oder organisatorische Arbeiten gehören neben Kursen und Ausflügen zum Programm. „Wir haben ein offenes Angebot, und jeder ist willkommen“.

Infos: www.herzogsaegmuehle.de, SpD: Tel. 08821/ 76514.

von Meggy Schäfer

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