Nicht so viele Wetter-Messstationen und viel Wetter dazwischen

Schüler messen das Wetter im Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Frau mit Wettermessgerät
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Dr. Cornelia Baumann hält ein selbst zusammengebautes Wettermessgerät in den Händen. Das Gerät kann auf dem Balkon oder im Garten aufgestellt werden und misst z.B. Temperatur, UV-Einstrahlung, Luftdruck und – über den grauen Kasten auf der rechten Seite – auch den Niederschlag. Kleine Solarzellen laden den eingebauten Akku auf.

Region – Von Mai bis Juli 2021 beobachten und messen rund 50 Schülerinnen und Schüler aus dem Oberland das Wetter in der Region. Was die freiwilligen Schulgruppen aus Geretsried, Lenggries und Garmisch-Partenkirchen ermitteln, schärft die Wahrnehmung für extreme Wettereignisse und deren Risiken, unterstützt Kommunen im Oberland bei der Anpassung an Folgen des Klimawandels und hilft Meteorolog*innen, Auswirkungen von Wetter besser vorherzusagen.

Hagelschäden und Überflutungen dokumentieren und Wetterdaten messen: Im Oberland ist durch seine Alpenlage besonders viel los in Sachen Wetter. Und der Klimawandel verstärkt Wettereignisse in Zukunft auch noch, wenn wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann und damit intensivere Niederschläge entstehen. Wie sich das Wetter im Oberland verhält und welche Auswirkungen es gibt, erforschen rund 50 Schülerinnen und Schüler beim BMBF-geförderten Laien-Wetter-Netzwerk KARE-Citizen Science, einem Bürger*innen-Wissenschaftsprojekt. Sie bauen damit eine Messreihe aus, die im Sommer 2020 mit wetterinteressierten Jugendlichen vom Gymnasium Geretsried und dem St. Ursula Gymnasium Lenggries begonnen hat. Für die Forschungen ab Mai 2021 konnte Elisabeth Freundl von der Energiewende Oberland weitere Jugendliche vom Werdenfels-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen gewinnen. Sie messen mit selbst zusammengebauten Wetterstationen mit Bauteilen aus dem 3D-Drucker z.B. Temperatur, Luftdruck oder Niederschlag und können im Internet ihre Messdaten und die von benachbarten Geräten sehen, auswerten und vergleichen. Und sie notieren Beobachtungen dazu, wie sich Wetterereignisse im Oberland auswirken, z.B. die Zerstörung von Rollläden durch Hagel oder Straßenüberflutungen nach Starkregen.

Für Projektkoordinator Dr. Thomas Kox vom Department für Geographie der Ludwig-Maximilians-Universität München ist die Kombination von Wetter und seinen Auswirkungen besonders spannend: „Extremwetterereignisse sind zunächst Naturereignisse, Probleme können dann entstehen, wenn der Mensch dazukommt, etwa wenn ein Haus direkt neben einem Fluss steht oder wenn Menschen bei Gewitter draußen sind.“ In Workshops erfahren die Jugendlichen von den beteiligten Wissenschaftler*innen mehr zu diesen Themen. Dort erläutert Prof. Dr. Henning Rust vom Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin den Jugendlichen nicht nur den Aufbau und die Funktionen der Wetterstation, sondern auch, welche Rolle z.B. Wahrscheinlichkeiten bei Wettervorhersagen spielen und wie sie zu bewerten sind.

Interessant ist das Projekt zum einen für die wetterinteressierten Jugendlichen selbst. Denn mit ihren Beobachtungen und Messungen bekommen sie ein besseres Gespür für Extremwettereignisse, die durch den Klimawandel häufiger auftreten und für die Risiken, die mit diesen Ereignissen verbunden sind. Und auch die Region profitiert von den Messungen, die Informationen für das Anpassungsprojekt KARE liefern. Hier ist das Oberland eine von sechs Modellregionen, in denen Konzepte erarbeitet werden, wie sich Kommunen besser vor den Folgen des Klimawandels schützen können. Weil eine der Pilotkommunen Garmisch-Partenkirchen ist, tragen die Messdaten und Beobachtungen aus dem Werdenfels-Gymnasium zu einer verbesserten Datengrundlage bei. Und schließlich interessiert sich auch die Wissenschaft für die Daten, die aus dem sogenannten Laien-Wetter-Netzwerk kommen. Denn obwohl der Deutsche Wetterdienst DWD rund 1.500 Wettermessstationen in Deutschland betreibt und für seine Vorhersagen auch Daten von Niederschlagsradargeräten, Schiffen, Flugzeugen oder Satelliten nutzt, sind kleinräumige Messdaten und auch die Beobachtungen zu Auswirkungen von Wetterverhältnissen interessant, um Wettervorhersagen zu verbessern. Dr. Martin Göber, Mitarbeiter des DWD und ein Teammitglied im Projekt KARE-Citizen Science, sagt dazu: “Der DWD betreibt rund 1.500 Messstationen in Deutschland, was viel klingt. Aber damit haben wir nur etwa alle 20 km eine Messung und zudem meist nur des Niederschlags. D.h. es gibt nicht so viele Messstationen, aber viel Wetter dazwischen“. Da können die Messergebnisse aus dem Oberland dazu beitragen, die Wetterdaten zu verbessern. Und auch aus den aufgezeichneten Beobachtungen über die Folgen können Vorhersagen verbessert werden, wenn sie der Bevölkerung Hinweise auf Auswirkungen geben, die bei bestimmten Wetterlagen zu erwarten sind.

Bis zu den Sommerferien messen und beobachten die Schülerinnen und Schüler das Wetter im Oberland weiter, vergleichen bei einem Zwischenworkshop ihre Daten und Beobachtungen untereinander aber auch mit Vorhersagen und Daten z.B. vom DWD. Bei einem Abschlussworkshop geht es um Erfahrungen aus dem Messprojekt und den Ausblick, wie die Jugendlichen ihre Ergebnisse im Herbst vorstellen können. Das Projekt, das über den Förderbereich Bürgerforschung des BMBF gefördert ist, wird geleitet von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und findet in Zusammenarbeit mit dem Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin und der Energiewende Oberland als Praxispartner statt. kb

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