Ein "Sehr gut" für den Landkreis – 2010 weniger Delikte – Alkohol bei Jugendlichen und Cybercrime große Themen

Polizeipräsident Robert Heimberger (li.) und Landrat Harald Kühn (re.) freuen sich über den insgesamt positiven Sicherheitsbericht im Landkreis. Foto: Wäspi

Landkreis – Wer seine Zelte im Landkreis Garmisch-Partenkirchen aufgeschlagen hat, kann sich sicher fühlen. Das ist das Fazit, das man aus dem Bericht zur Sicherheitslage für das vergangene Jahr ziehen kann. Im diesjährigen Pressegespräch zur Sicherheitslage im Landkreis stellten Landrat Harald Kühn und Robert Heimberger, Polizeipräsident vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd, vor kurzem mit zufriedener Mine die Zahlen vor.

Insgesamt sei die Lage im Landkreis als „sehr gut“ zu bezeichnen, eröffnete Heimberger, der sogleich die Kriminalstatistik des letzten Jahres anführte: „In nahezu allen wesentlichen Deliktsbereichen gingen die Zahlen zurück, weshalb wir für 2010 den zweitniedrigsten Wert seit 15 Jahren haben.“ Ebenso erfreut gab er sich angesichts der Aufklärungsquote, die gehalten werden konnte. „Wenn man bedenkt, dass wir im Landkreis so einige Herausforderungen und auch Großveranstaltungen haben wie die Passion, dann ist diese Bilanz umso erfreulicher“, gab sich auch der Landrat sichtlich zufrieden. 2010 wurden im Landkreis insgesamt 4029 Straftaten erfasst. Das waren 243 Delikte weniger als noch im Vorjahr. Davon wurden 2475 Fälle aufgeklärt, was einer Aufklärungsquote von gut 61 % entspricht, die nur geringfügig gesunken ist. Bei den begangenen Delikten „gibt es keinen Brennpunkt“, so Heimberger. Es sei daher eine Sache der Berichterstattung, wie präsent bestimmte Vergehen wirken, wie zum Beispiel die illegale Einwanderung im Bereich der Schleierfahndung. „Tatsächlich haben wir nicht mehr Fälle. Wenn die Öffentlichkeit verstärkt den Blick darauf richtet, wirkt das nur so“, erklärte Heimberger. Mit am positivsten fiel die Bilanz im Bereich der Gewaltkriminalität aus. Mit 82 registrierten Fällen im letzten Jahr entspricht das einem Rückgang von 29 Fällen bzw. gut 16 %. Positiv dabei ist auch, dass die Aufklärungsquote von 81,1 auf 90,2 % angestiegen ist. Auch im Bereich der Straßenkriminalität – dazu zählen Vergehen wie Handtaschenraub, Sachbeschädigung oder Automatenaufbrüche – gingen die Fallzahlen zurück: Bei 932 registrierten Fällen ist das ein Rückgang um 7,4 %. Die Aufklärungsquote sank jedoch leicht auf 17,4 %. „Eine Aufklärung ist vor allem in Fällen wie Fahrraddiebstahl nicht so einfach“, gab Heimberger eine Begründung an. Bei einer Aufklärungsquote von fast 98 % wird es im Landkreis auch für solche eng, die gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen. In diesem Bereich lag der Landkreis 2010 mit 214 Fällen um 18 % unter dem Vorjahreswert. Eine erfreuliche Bilanz zeichnet sich auch in der Diebstahlskriminalität ab, die auch ein Drittel der Gesamtkrimialität darstellt. „Bayernweit halten wir hier im Landkreis seit 15 Jahren den niedrigsten Stand“, eröffnete Heimberger. Die Fallzahlen sanken 2010 um 5,6 % auf 1289 Fälle bei einer Aufklärungsquote von 35,1 %. Weniger erfreulich hingegen präsentierte sich die Bilanz im Bereich der Sexualdelikte. 41 Mal kam es zu sexuellen Übergriffen im letzten Jahr, was einer Steigerung um knapp acht Prozent entspricht, wobei die Aufklärungsquote deutlich anstieg von 78,9 auf 92,7 %. Der deutlichste Anstieg krimineller Energie ist im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte festzustellen. Bei 728 registrierten Fällen schossen die Zahlen um 93 Fälle oder 14,6 % in die Höhe. Dieser Anstieg sei vor allem rund um die neuen Medien anzusiedeln, wie der Polizeipräsident mitteilte. Hoch oben rangiert der Kreditbetrug, der insbesondere über diverse Auktionsseiten im Internet stattfinde. So hatte 2010 bereits jedes zehnte Betrugsdelikt Bezug zum Internet. Dementsprechend sank die Aufklärungsquote in diesem Bereich um knapp vier auf 78 %. „Deshalb werden wir für dieses Jahr unseren Fokus speziell auf den Bereich ,Cybercrime’ richten“, kündigte Heimberger an. So würden verstärkt Kriminalisten eingesetzt und Infoveranstaltungen angeboten. „Es ist uns aber auch unerklärlich, wie gedankenlos teilweise Bürger sehr vertrauliche Daten ins Netz stellen“, wunderte sich Heimberger über die Blauäugigkeit mancher Bürger. Vor allem Internetplattformen wie „Facebook“ oder auch Bestellungen per Internet seien mit Vorsicht zu genießen. Sorgenvollen Blickes offenbarte Heimberger auch die Zahlen zur Jugendkriminalität. Von insgesamt 1905 ermittelten Tatverdächtigen waren 480 jünger als 21 Jahre. „Das heißt, dass jeder vierte Tatverdächtige ein Kind, Jugendlicher oder Heranwachsender war“, so Heimberger. Vor allem Heranwachsende (14 bis 21 Jahre) sind mit 21,3 % überproportional bei den Tatverdächtigen vertreten. Ihnen werden vor allem Diebstahls-, Sachbeschädigungs- und Körperverletzungsdelikte zur Last gelegt. Der Blick auf die Statistiken offenbart, dass dieser Umstand wohl auch dem steigenden Alkoholkonsum unter den Jugendlichen geschuldet ist. So ist der Anteil der Heranwachsenden bei den Tatver- dächtigen unter Alkoholeinfluss augenfällig hoch. Von 191 heranwachsenden Tatverdächtigen waren 75 alkoholisiert (Vorjahr: 66). Das entspricht einem Anteil von 35,6 % (Vorjahr: 29,6 %). Somit war jeder dritte Heranwachsende bei der Tat betrunken. Doch auch der Alkoholmissbrauch ohne Straftat als Folge unter Heranwachsenden und sogar Kindern zeichnet Sorgenfalten auf die Stirn. So griffen Polizeibeamte 340 unter 18-Jährige im Landkreis auf, die alkoholisiert waren. Vor allem die Gruppe der 15-Jährigen sticht dabei hervor. Aber auch die 14-Jährigen sind auf dem Vormarsch und selbst Zwölf- und 13-Jährige sind vertreten. Um speziell Jugendliche zu schützen, führt die Polizei mehrere Projekte durch wie zum Beispiel „Sauba bleim“ oder „Zammgrauft“, die sich mit den Themen Sucht und Gewalt auseinandersetzen. Aber auch für Erwachsene gibt es laufend Kurse und Infoveranstaltungen zu Themen wie Cybercrime, Mobbing und mehr. Zudem erarbeiten Fachberater für Bürger oder Einrichtungen individuelle und objektbezogene Sicherungsvorschläge, geben Vorträge und stehen als Beauftrage für Frauen und Kinder zur Verfügung. Mehr Informationen zu verschiedenen Themen gibt es unter www.polizei.bayern.de. Bei der Prävention setzt Heimberger aber auch auf die Bürger: „Couragierte Bürger sorgen mit einer starken Polizei am besten für eine sichere Heimat.“ Bei der Sicherheitsbilanz wurde auch die Verkehrsunfallstatistik miteinbezogen. 2010 registrierte die Polizei im Landkreis mit insgesamt 2498 Verkehrsunfällen 4,4 % weniger Unfälle. Die Zahl der verletzen Personen stieg jedoch um 3,1 % auf 533 an und auch die Zahl derer, die ums Leben kamen, stieg an auf acht (Vorjahr: fünf). Mit 697 Fällen ereigneten sich die meisten Unfälle beim Abbiegen, Wenden oder Ein- und Ausfahren. Ein unzureichender Sicherheitsabstand als Unfallursache (311 Unfälle) folgt darauf. Durch nicht angepasste Geschwindgikeit ergaben sich nicht die meisten, jedoch die massivsten Unfälle. Bei 260 Unfällen wurden 101 Personen verletzt, drei getötet.

Auch interessant

Meistgelesen

Katzenkinder ausgesetzt
Katzenkinder ausgesetzt
39-Jährige von unbekanntem Mann zu Boden gezogen und in Schritt gegriffen
39-Jährige von unbekanntem Mann zu Boden gezogen und in Schritt gegriffen
Im Dorf halten die Generationen zusammen
Im Dorf halten die Generationen zusammen
Marihuana und weitere Rauschgiftutensilien gefunden
Marihuana und weitere Rauschgiftutensilien gefunden

Kommentare