Seit 20 Jahren ein Ort der Zuflucht – Das Murnauer Frauenhaus feierte Geburtstag – 630 Frauen konnte bisher geholfen werden

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KATHARINA GSÖLL; Murnau – Vor 20 Jahren gründete der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) einen Zufluchtsort für Frauen, die akuter seelischer oder körperlicher Gewalt und Androhung von Misshandlungen ausgesetzt sind. Dieses Jubiläum feierten die Mitarbeiterinnen des Hauses, Mitglieder des SkF-Ortsvereins Garmisch-Partenkirchen und Vertreter der Landkreise, für die das Frauenhaus zuständig ist, vor Kurzem im Pfarrheim. „Eigentlich ist es ein trauriges Jubiläum“, sagte Harald Kühn, Landrat des Kreises Garmisch-Partenkirchen, „denn es ist schlimm, dass ein solcher Zufluchtsort notwendig ist und der Bedarf unverändert bleibt oder sogar noch steigt.“ Aber er sei froh, dass die Frauen des SkF diesen Ort ins Leben gerufen haben. 630 Frauen und 800 Kinder sind seit dem 1. Dezember 1989 im Frauenhaus Murnau betreut und in ein neues, gewaltfreies Leben begleitet worden. Sie fanden dort Halt und Geborgenheit, vor allem aber Unterstützung dabei, eigenverantwortlich in die Zukunft zu gehen. Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses sind rund um die Uhr erreichbar, so dass Frauen und ihre Kinder die in einer akuten Notsituation sind, dort Ansprechpartnerinnen finden, die versuchen, mit ihnen gemeinsam Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Sie finden im Frauenhaus nicht nur Schutz vor Nachstellung, häuslicher Gewalt, Bedrohung und Verfolgung sondern vor allen Dingen Beistand und Beratung zur Überwindung der Krisensituation und erfahren, welche zivilrechtlichen Möglichkeiten sie haben. Auch eine ambulante Beratung per Email ist möglich. Ute Holzmann, Gleichstellungsbeauftragte für den Landkreis Weilheim-Schongau, hob hervor, dass die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus seit 20 Jahren etwa 7000 bis 8000 Stunden ehrenamtliche Arbeit leisten. „Damit entlasten sie die Landkreise um 45000 Euro jährlich. Das ist wirklich eine enorme Leistung, die große Anerkennung verdient.“ Die Leiterin des Frauenhauses, Susanne Schegger, möchte in Zukunft verstärkt versuchen, auch jene Frauen zu erreichen, die es aus eigener Kraft zunächst einmal nicht schaffen, aus einer von Gewalt geprägten Beziehung auszutreten. Dies soll durch eine Interventionsstelle geschehen, an die auch die Beseitigung der Ursachen, zum Beispiel durch diverse Täterprogramme, angeschlossen sein soll. „Es existiert eine hohe Dunkelziffer an Frauen, deren Angst zu groß ist, sich aus ihrer Situation zu befreien“, vermutet Schegger. Silvia Wallner-Moosreiner ist Fachreferentin für Frauenhäuser der SkF Landesstelle München und stellte bei der Feier die Arbeit der Interventionsstellen in Bayern vor. „Diese Stellen haben einen pro-aktiven Ansatz und arbeiten an der Schnittstelle von Polizei und anderen Behörden oder Einrichtungen. Sie gehen auf von Gewalt Betroffene zu, meist telefonisch, und bieten Hilfe an“, erklärt Wallner-Moosreitner das Konzept. Diese Intervention mache Frauenhäuser jedoch nicht überflüssig, sondern betreue eine zusätzliche Klientel. „Es ist gut, dass es das Frauenhaus gibt und es wird wohl auch in den nächsten 20 Jahren notwendig sein. Deshalb werden wir uns weiterhin engagieren“, resümierte Barbara Reichinger, Vorsitzende des SkF Ortsvereins Garmisch-Partenkirchen.

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