Geologen rekonstruierten Großereignis

Seltener Bergsturz vor 3.750 Jahren

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Bei der Übergabe der Karten (v.li.): Dr. Roland Eichhorn, die Bürgermeister Stephan Märkl (Grainau) und Dr. Sigrid Meierhofer (GAP) und Dr. Ulrich Haas.

Grainau – Es ist durchaus möglich, dass Deutschlands höchster Gipfel, die Zugspitze (2962 Meter), vor langer Zeit ein Dreitausender war.

Vor 3.750 Jahren brach ein äußerst seltener Bergsturz von Deutschlands höchstem Berg ab und verschüttete beinahe die damals wichtigste Fernhandelsroute nach Österreich. Dies erläuterte der Leiter der Geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt (LfU), Roland Eichhorn, anlässlich der Übergabe der neuen Geologischen Karten von Garmisch-Partenkirchen und der Zugspitze an die Bürgermeisterin der Marktgemeinde, Dr. Sigrid Meierhofer sowie an den Bürgermeister von Grainau, Stephan Märkl.

Ausbruchnische.

Die neuen Erkenntnisse über den bronzezeitlichen Bergsturz erhielten die Geologen des LfU bei der Erfassung des geologischen Untergrunds rund um die Zugspitze. Vor 3.750 Jahren lösten sich ungefähr 200 Millionen Kubikmeter Gestein aus der Nordflanke der Zugspitze und stürzten zehn Kilometer weit ins Tal, dabei durchquerten die Geröllmassen den damals schon vorhandenen Eibsee und rasten einhundert Meter den gegenüberliegenden Hang wieder hinauf. Manche Blöcke aus den Sturzmassen waren so groß wie Einfamilienhäuser. Eibsee und Loisachtal veränderten dadurch ihre Gestalt. Im Eibsee entstanden Inseln und Untiefen, im Tal erhob sich eine kilometerbreite und über fünf Kilometer lange Barriere aus Gesteinsblöcken, umgeknickten Bäumen und Schlamm – und das bis zu fünfzig Meter hoch. Die Geröllmassen verfehlten die damals wichtige Handelsroute durchs Loisachtal ins österreichische Inn­tal nur knapp. Von dort kam der Nachschub an lebenswichtigem Kupfer aus den Schwazer Kupferlagerstätten für die Bronzeherstellung.

„Auf Grund der nachweisbaren Klimaerwärmung nimmt die Gefahr von Georisiken zwar zu, aber ein Bergsturz solchen Ausmaßes ist derzeit nicht absehbar“, beruhigt Roland Eichhorn. Moderne, digitale Computermodelle, kombiniert mit Bohrungen in den Bergsturz-Ablagerungen erlauben es den Geo-Experten, dieses seltene Großereignis detailliert zu rekonstruieren.

von Lilian Edenhofer

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