Servus, Peter Kramer! – SV Ohlstadts Trainer gibt Aufgabe nach über acht Jahren ab an Andreas Fischbach

Peter Kramer (mitte) verabschiedete sich von seinen Spielern. Foto: Thomas Sehr

Seit Ende Mai ist die Fußballsaison im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu Ende. Der SV Ohlstadt belegte am Ende Rang sieben. Von den 26 Spielen der laufenden Saison konnten elf gewonnen werden, vier endeten Remis und elf gingen verloren. Es war die vierte Saison nach dem Abstieg aus der Bezirksliga Süd für das Team aus dem Bobdorf, in der der SVO zuvor acht Jahre lang spielte. Titus Fischer hat sich mit Trainer Peter Kramer unterhalten, der seine Trainerkarriere beim SVO nach dem Saisonende beendete.

Herr Kramer, mit dem letzten Saisonspiel gegen Murnau beendeten Sie die Trainerkarriere beim SV Ohlstadt. Peter Kramer: Ich bin sehr froh, dass wir uns am Ende mit einer Serie von vier Siegen aus den letzten vier Spielen aus dem Abstiegskampf befreien konnten. Das war wichtig, für alle. Für das Team genauso wie für mich. Das hätte ich nicht gewollt, mit einem Negativerlebnis hier aufzuhören. Was bleibt nach den viereinhalb Jahren hängen? Kramer: Es war eine schöne, ereignisreiche Zeit hier beim SVO. Wir haben in den ersten Jahren immer oben mitgespielt, in der abgelaufenen Saison war es etwas anders. Hängen bleibt natürlich auch, dass unser Spieler Jackson Reißl tödlich verunglückt ist oder dass Vorstand Josef Reif an Krebs gestorben ist, während ich hier Trainer war. Wie fällt die sportliche Bilanz aus? Kramer: Wir hatten jedes Jahr eine Fluktuation im Team, haben es aber immer geschafft, wieder eine gute Mannschaft zu stellen. Es sind immer wieder tolle Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nach oben gekommen, die noch einen guten Weg vor sich haben. Warum hören Sie nun auf? Kramer: Ich habe schon immer gesagt, dass ich, wenn ich 50 Jahre alt bin, nicht mehr als Trainer am Fußballplatz stehen will. Man nutzt sich einfach auch ab und man ist einfach auch ausgebrannt. Ich bin nun seit 14,5 Jahren als Trainer tätig. In einer Mannschaft braucht man auch mal einen Wechsel. So weiß jeder Spieler genau, was am Donnerstag im Training passiert, was am Freitag gemacht wird. Wenn ein neuer Trainer kommt, dann bringt das immer auch einen frischen Wind in eine Mannschaft. Werden Sie sich Fußballspiele in Zukunft weiter anschauen? Kramer: Ja klar. Ich werde dem SV Ohlstadt weiterhin gerne zuschauen, denn ich bin ihm sehr verbunden. Insgesamt war ich hier 8,5 Jahre lang. Aber eben nicht mehr als Trainer, sondern als Zuschauer, wo der Druck nicht mehr so groß ist, sondern man ein Spiel auch mal entspannt anschauen kann. Ich werde wahrscheinlich auch mal ein paar Gegner des SVO beobachten, um dadurch den neuen Trainer zu unterstützen. Blicken wir auf die vergangene Saison. Warum spielte der SVO so lange unten mit? Kramer: Wir hatten zunächst eine super Vorbereitung im vergangenen Sommer, wenn man den Blick nur auf die Ergebnisse wirft. Hier haben wir viele Spiele hoch gewonnen, auch wenn wir nicht so gut gespielt haben. Vielleicht hat die Mannschaft dann ein wenig gedacht, dass es so weitergeht. Dann kam die erste Begegnung in der Kreisliga bei der zweiten Mannschaft des BCF Wolfratshausen. Es hat in Strömen geregnet, wir kamen auf dem Kunstrasenplatz nicht gut zurecht und die Wolfratshausner hatten einige Spieler aus der ersten Mannschaft mit im Team. Am Ende haben wir mit 3:5 verloren. Dann kam das Heimspiel gegen den FC Rottach-Egern. Wir lagen schon mit 1:2 im Rückstand, haben dann noch den Ausgleich gemacht. Wir hatten zwar 60 bis 70 Prozent Ballbesitz, aber wir haben keine Torgefahr ausgestrahlt. Nach diesem Spiel habe ich mir gedacht: Hoppala, das wird eine schwierige Saison für uns werden. Für mich war Rottach-Egern der Abstiegskandidat Nummer eins (Am Ende sind sie auch mit nur neun Punkten abgestiegen; Anmerkung des Autors). Wie ging es weiter? Kramer: Wir haben nie in einen Rhythmus gefunden. Man braucht 30 Punkte, um die Klasse zu halten, dann kann man befreit aufspielen, das war bei uns lange Zeit nicht der Fall. Das war der Unterschied zu den Jahren zuvor. So hatten wir immer Druck, mit dem die Mannschaft nicht richtig klar kam. Auch der Start aus der Winterpause war durchwachsen, es gab gleich zwei Niederlagen in Folge. Kramer: Wir hatten eine vernünftige Vorbereitung im Winter. Ich habe das Team gewarnt: Wir müssen umdenken und den Blick nach unten werfen. Wenn wir nicht schnell die 30 Punkte schaffen, dann kämpfen wir gegen den Abstieg. So war es dann auch, vielleicht war der ein oder der andere ein bisschen zu blauäugig. Auch im neuen Jahr haben wir nie den richtigen Rhythmus gefunden und so war es eine schwierige Saison. Der 1. FC Garmisch-Partenkirchen war in der Winterpause wie Ihre Mannschaft unten drinnen. Kramer: Mir war aber schon damals klar, dass die da unten sicher rauskommen würden. Unser Augenmerk galt dann dem SV Eberfing. Die Tabelle war auch immer ein wenig verschoben, weil nicht alle Mannschaften gleich viele Spiele hatten. Zwischenzeitlich lagen wir acht Punkte vor Eberfing, dann waren es nur noch fünf und wir wussten, dass wir am viertletzten Spieltag noch beim SV antreten mussten. Das war dann ein vorweggenommenes Endspiel um den Klassenerhalt, das Ihr Team mit 4:1 gewinnen konnte, obwohl es in den drei Spielen zuvor keinen einzigen Punkt gegeben hatte. Kramer: Die Ausgangslage war klar: Wenn wir da verlieren, sind es nur noch zwei Punkte und dann ist mit unserem negativen Trend noch alles möglich. Aber ich muss sagen, das haben die Jungs ganz toll gemacht. Sie waren vom Kopf her bereit für das Spiel, haben laufstark agiert und auch in dieser Höhe die Begegnung völlig zurecht gewonnen. Dann waren es wieder acht Punkte und wir brauchten nur noch einen Sieg, den wir dann gleich eine Woche später beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen holten. Damit war der Klassenerhalt sicher. Wie wichtig war denn rückblickend, dass Markus Reißl nochmal in der Rückrunde mitgespielt hat? Kramer: Das war so enorm wichtig. Er strahlt eine Ruhe am Ball aus. Außerdem ist er noch immer schnell im Antritt. Er hat uns ganz viel weitergeholfen. Sie hatten ja auch mit Verletzungspech zu kämpfen. Kramer: Ja, das stimmt. Leonhard Geiger fiel die ganze Saison wegen eines Kreuzbandrisses aus, Konstantin Leimig hat auch fast die ganze Saison nicht gespielt, Michael Hirschmann fehlte immer wieder, weil er arbeiten musste, oder Lukas Schwinghammer stand uns wegen des Eishockeys oft nicht zur Verfügung. Meister wurde der SC Gaissach. Für Sie ein verdienter Titelträger? Kramer: Ja, auf jeden Fall. Das war absolut verdient. Wenn du nach so einer langen Saison oben stehst, dann geht das völlig in Ordnung. Genauso ist es auch mit den Absteigern. Am Ende war Ihr Team von den drei Mannschaften aus dem Landkreis die Nummer zwei hinter dem TSV Murnau und vor dem 1. FC Garmisch-Partenkirchen. Dabei hatten Sie drei von vier Derbys gewonnen und damit die beste Derby-Bilanz aufzuweisen. Kramer: Man muss aber auch sagen, dass es im letzten Spiel in Murnau für beide Mannschaften um nichts mehr ging. Da haben wir mit 2:1 gewonnen. Auch zwei Wochen zuvor beim 2:1-Auswärtssieg beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen haben einige Spieler beim FC gefehlt, sodass auch deren Trainer Oliver Poqué noch auflaufen musste. Die einzige Derby-Niederlage in der vergangenen Saison war das 2:5 zu Hause Ende Oktober gegen den TSV Murnau. Kramer: Das war ein komisches Spiel. Wir waren die bessere Mannschaft und haben mit 1:0 geführt. Dann hat Murnau den Ausgleich gemacht und dann sind wir auseinander gebrochen. Das hat mich maßlos geärgert damals. Was waren die positiven Dinge der vergangenen Saison? Kramer: Positiv war auf jeden Fall, dass wir gesehen haben, wie sich die jungen Spieler weiterentwickelt haben, egal ob ein Rudi Schedler, ein Benjamin Kurz oder ein Jo Fischer oder ein Dominikus Zach oder ein Flori Weckerle. Ihr Nachfolger ist Andreas Fischbach. Was halten Sie von ihm? Kramer: Ich halte sehr viel von ihm. Ich hatte ihn schon als Spieler bei mir in der Mannschaft. Er ist ein ehrgeiziger Mann, der sich schon als Spieler viele Gedanken gemacht hat. Er hat ein großes Fachwissen und ist genau der Richtige für den SV Ohlstadt. Werfen wir noch einen Blick in die Zukunft. Wird es wieder eine so knappe Saison werden für den SVO, was denken Sie? Kramer: Ich hoffe nicht und ich glaube das auch nicht. Sie müssen einfach nur schnell schauen, dass sie die 30 Punkte holen und dann können sie befreit aufspielen. Die Nerven werden entscheidend sein. Ich glaube aber, dass die Mannschaften in der neuen Saison auf keinen Fall schlechter sein werden. Ein guter Start ist wichtig. Und ich denke auch, dass das Team aus der vergangenen Saison etwas lernen konnte, das wird den einzelnen Spielern auch helfen. Ich wünsche dem Team alles Gute und viel Erfolg und ich hoffe natürlich, dass sie auch in der kommenden Saison erfolgreich spielen werden.

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