Gemeinderat wird am 14. Dezember darüber abstimmen

Die Idee einer Sicherheitswacht

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Robert Kopp, Polizeipräsident von Oberbayern Süd.

GAP – Was in anderen Städten und Gemeinden bereits gut funktioniert, soll in Garmisch-Partenkirchen auch in­stalliert werden: Die sogenannte Sicherheitswacht.

Robert Kopp, der Polizeipräsident von Oberbayern Süd, hat sich die Zeit genommen, um das Konzept im Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen vorzustellen. Und wenn so mancher dieser Idee zunächst skeptisch gegenüberstand, zeigten die anschließenden Nachfragen, dass es dem Polizeichef von Oberbayern Süd gelungen war, viele der Zweifel auszuräumen. Ob der Gemeinderat eine solche Sicherheitswacht in Garmisch-Partenkirchen unterstützen wird, darüber soll am 14. Dezember abgestimmt werden.

Das subjektive Sicherheitsgefühl

Die Sicherheit, so betonte Robert Kopp, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Fakt ist auch, dass die Schere zwischen tatsächlicher Sicherheitslage und subjektiv empfundener Sicherheit weit auseinanderklafft. Vor allem Frauen sind nur ungern allein unterwegs. Laut einer Umfrage von „Infratest dimap“ haben auch Männer mittlerweile nachts auf der Straße ein mulmiges Gefühl, bei den Frauen sind es 27 Prozent. Randalierende Jugendliche, Betrunkene und die Folgen der Migrationswelle (Stichwort Silvesternacht in Köln) werden als Ursache für dieses „mulmige“ Empfinden angeführt.

Sicherheitswacht als Bindeglied

Bei der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bürger kann die Sicherheitswacht deshalb ein sinnvolles Bindeglied sein. Bürgerinnen und Bürger, die sich hier ehrenamtlich engagieren, übernehmen eine Vorbildfunktion in Sachen Zivilcourage: Sie schauen hin, wenn andere wegschauen.

Die hoheitlichen polizeilichen Aufgaben bleiben unberührt, erklärt Kopp, aber die Sicherheitswachten können durch ihre sichtbare Präsenz das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung steigern und helfen in enger Zusammenarbeit mit der Polizei, Vandalismus und Ordnungsstörungen vorzubeugen.

Die Angehörigen der Sicherheitswacht sollen vor allem dem Vandalismus und der Straßenkriminalität entgegenwirken. Sie sind immer zu zweit zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs und verbessern schon durch ihre Anwesenheit das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger. Im Regelfall informiert die Sicherheitswacht bei verdächtigen Wahrnehmungen über das Handsprechfunkgerät die Einsatzzentrale. „Die Sicherheitswacht versteht sich nicht als Hilfspolizei, sondern als Ergänzung der Polizei“, unterstreicht der Polizeichef von Oberbayern Süd. Es geht um wilde Müllablagerungen, um zusätzliche Präsenz bei Großveranstaltungen, darum, mit den Leuten zu sprechen, ihre Sorgen und Anliegen aufzunehmen. Das mag von der kaputten Straßenlaterne bis hin zu randalierenden Jugendlichen beispielsweise im Park reichen. Die Mitglieder der Sicherheitswacht sind durch entsprechende Kleidung schnell zu erkennen und können sich selbstverständlich ausweisen. Im Durchschnitt leisten die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer monatlich 10 bis 15 Stunden Dienst. Der persönliche Aufwand wird durch eine pauschale Aufwandsentschädigung ausgeglichen.

Was sich recht theoretisch anhört, ist in 131 Städten und Kommunen bereits Realität. Dort genießen die Sicherheitswachten (insgesamt 870 Angehörige, davon 280 Frauen) eine hohe Akzeptanz. „Wir suchen die Leute gezielt aus und lehnen ungeeignete Bewerber auch ab“, erklärt Robert Kopp auf Nachfrage. „Auch wir wollen ganz sicher keine Gschaftlhuber in diesen Reihen“, betont er. Die Mitglieder der Sicherheitswachten werden in 40 Stunden für ihren Dienst ausgebildet und angeleitet. „Am Anfang ist das eine Mehrarbeit für unsere Beamten vor Ort, aber wenn es sich eingespielt hat, entlastet das unsere Polizeidienststellen“, sagt Robert Kopp.

Was bringt es den Kommunen wirklich?

Nicht in allen Orten steht man der Idee aufgeschlossen gegenüber. Kritiker sehen in den Sicherheitswachten „Hilfspolizisten“ oder befürchten damit gar den ersten Schritt hin zu einer Art „Bürgerwehr“. Auch bemängeln viele, dass es mehr Arbeit macht, als tatsächlich hilft. Deshalb sucht das Polizeipräsidium Oberbayern auch die Unterstützung der örtlichen Gremien und versichert sich, bevor man aktiv nach Mitgliedern sucht, der Unterstützung durch den Gemeinderat. Während zum Beispiel München, Taufkirchen und Deggendorf mitmachen und sogar neue Leute suchen, haben Miesbach, Schliersee und Hausham abgelehnt.

von Ilka Trautmann

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