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Anna-Maria Rieder vor den Paralympics: „Ich versuche einfach Spaß zu haben“

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Von: Franziska Pawel

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Anna-Maria Rieder
Die alpine Skirennläuferin Anna-Maria Rieder aus Oberammergau geht für das deutsche Para-Ski-Alpin-Team bei den Paralympics in Peking an den Start. © privat

Region – Hinter der Para-Skirennläuferin Anna-Maria Rieder liegt eine erfolgreiche WM im norwegischen Lillehammer. Die 22-jährige Oberammergauerin konnte sich ihre erste WM-Medaille in der Super-Kombination sichern. Die Stehend-Athletin, die an einer Hemiparese (Lähmung der linken Körperhälfte) leidet, geht für das deutsche Para-Ski-Alpin-Team in Peking an den Start. Im Interview mit Franziska Pawel spricht die Bronze-Gewinnerin über den mentalen Aspekt beim Skifahren, Konkurrenzkampf und die herannahenden Paralympics.

Die WM lief für dich sehr gut! Du konntest dir in Lillehammer deine zweite WM-Medaille nach ­Slalom-Bronze 2017 sichern. Wie war das für dich, als du realisiert hast, dass es eine Medaille wird?

Anna-Maria Rieder: „Es war echt ein sehr schönes Gefühl, ich war unglaublich erleichtert und glücklich. Es war wirklich sehr schön in der Super-Kombination eine Medaille zu holen, denn ich wusste, dass ich im Speed, im Super-G noch nicht so stark bin, wie die anderen Mädels, ich habe nicht viele Trainingstage im Super-G beziehungsweise in der Abfahrt, und mir fehlt auch einfach die Erfahrung im Speed. Zwar war der Zeitrückstand nach dem Super-G auf meine Teamkollegin Andrea Rothfuss sehr groß, aber ich wusste, dass ich im Slalom schnell sein kann und ich habe einfach versucht mein Bestes zu geben. Dass es dann schlussendlich gereicht hat, ist echt unglaublich, da alle anderen Mädels wirklich sehr stark gefahren sind.“

Was nimmst du aus den letzten Rennen für die anstehenden mit?

Rieder: „Ich versuche einfach locker zu bleiben und mich nicht zu sehr zu verkrampfen, Spaß zu haben und mein Bestes Können zeigen. Denn nur dann kann ich schnell Skifahren.“

Du sagst von dir selbst, dass dir manchmal die Lockerheit im Rennen fehlt. Wie wichtig würdest du sagen ist der mentale Aspekt beim Skifahren? 

Rieder: „Ich denke der mentale Aspekt beim Skifahren ist schon sehr wichtig, da, wenn man zwar schnell Skifahren kann aber der Kopf nicht bei der Sache ist, dann ist das immer blöd. Ich finde, man sollte sich am besten nicht zu sehr verkopfen, sich selbst nicht zu viel Druck machen, sondern versuchen locker zu bleiben und mit Spaß an die Sache ran gehen.“

Wird daran im Training aktiv gearbeitet, oder hast du mit der Zeit für dich einen Weg gefunden, damit besser umzugehen?

Rieder: „Inzwischen gehe ich mit dem Thema Lockerheit besser um, ich versuche einfach gleich ob es ein Weltcuprennen, die WM oder die Paralympics sind, einfach Spaß zu haben und den Trubel um mich herum auszublenden. Oft höre ich auch Musik, bevor es an den Start geht, dass hilft mir sehr, um locker zu sein. Dadurch kann ich mich total auf mich selbst und meinen Lauf konzentrieren.“

An welchen Nuancen feilst du gerade im Training, im Hinblick auf das nächste Großereignis der Saison? Fühlst du dich fit dafür?

Rieder: „Allgemein versuche ich, gleich ob es jetzt Super-G, Riesenslalom oder Slalom ist, einen schnellen Wechsel zu haben, aufrecht mit dem Oberkörper zu sein und bei meinem Linksschwung nicht zu viel mit dem Oberkörper nach innen rein zu drehen. Sonst einfach den Ski laufen zu lassen und zu pushen.“

Zwischen dir und deiner Teamkollegin Andrea Rothfuss gab es bei der WM eine knappe Medaillenentscheidung. Könntest du dir vorstellen, dass es dadurch zwischen euch beiden in Zukunft einen verstärkten Konkurrenzkampf geben könnte?

Rieder: „Ich denke schon. Andrea kann auch sehr schnell Ski fahren, und hat das auch schon oft unter Beweis gestellt. Sie ist eine ernst zu nehmende Konkurrentin, man darf sie nicht unterschätzen.“

Deine zweite Teilnahme bei den Paralympics naht. Durch Pyeongchang weißt du im Großen und Ganzen, was auf dich zukommt. Auf was freust du dich? Und gibt es etwas, dem du mit gemischten Gefühlen entgegenblickst?

Rieder: „Ich freue mich, wieder bei den Paralympics dabei zu sein, darauf, schnell Ski zu fahren, Spaß zu haben, mich mit anderen Mädels messen zu dürfen und vielleicht gibt es ja auch die ein oder andere Medaille. Die Sache mit Corona ist natürlich schwierig. Wir halten uns natürlich alle an die Hygienemaßnahmen, dennoch ist es traurig zu wissen, dass keine Freunde und Familienmitglieder uns dort in Peking besuchen dürfen, beziehungsweise anfeuern und mit uns mitfiebern dürfen.“

Welche Ziele hast du dir für die Paralympics gesteckt?

Rieder: „Ich versuche gar nicht so wirklich an Medaillen zu denken oder welchen Platz ich unbedingt erreichen muss, damit mache ich mir selbst viel zu viel Druck. Allgemein versuche ich einfach schnell Ski zu fahren, mein bestes Können zu zeigen und Spaß zu haben. Dann wird man am Schluss sehen, was dabei raus kommt.“

Mit zwei Jahren standest du das erste Mal auf den Ski. Jetzt, mit 22 Jahren, ist es dein Beruf. Wie hat sich seitdem deine „Beziehung“ zum Skifahren verändert?

Rieder: „Ich denke nicht, dass sie sich großartig verändert hat, ich liebe das Skifahren immer noch gleich, wie früher. Der große Vorteil ist jetzt, dadurch dass das Skifahren jetzt zu meinem Beruf geworden ist, kann ich es ‚full time‘ ausleben und das ist sehr schön. Ich kann es noch viel mehr intensivieren und akribisch daran arbeiten, immer besser zu werden.“ fzi

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