Kamil Stoch siegt zum dritten Mal

Karl Geiger wird Zweiter

Skispringer Karl Geiger.
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Karl Geiger wird Zweiter.

Region – Eine spektakuläre und spannende Tournee ging am Dreikönigstag in Bischofshofen zu Ende. Der Pole Kamil Stoch hat zum dritten Mal in seiner Karriere die Vierschanzentournee gewonnen. Karl Geiger gelang ein versöhnlicher Abschluss mit Rang zwei.

Stochs Traum vom nächsten Titel schien in Oberstdorf, wo das ganze polnische Team wegen eines Corona-Falls zunächst ausgeschlossen wurde, schon geplatzt. Nach 22 Stunden Verwirrung folgte aber die schnelle Rückkehr - und neun Tage später der ganz große Triumph. Erst war das ganze polnische Team um nach einem positiven Test von Klemens Muranka am Montag nach Weihnachten in Quarantäne geschickt und vom Oberstdorf-Springen ausgeschlossen worden. Doch dann wurde durch die lokale Gesundheitsbehörde die Quarantäne aufgehoben. Der Grund: Das komplette Team um Titelverteidiger Kubacki und Olympiasieger Kamil Stoch wurde noch zweimal negativ getestet wurde – auch Muranka.

Fis-Renndirektor Sandro Pertile stellte klar, dass sich auch die direkten Rivalen der Polen dafür aussprachen, das Team um Champion Kubacki in Oberstdorf zuzulassen. „Wir sind eine Familie. Jeder war glücklich, dass alle dabei sind“, sagte Pertile, der als Nachfolger von Walter Hofer gleich in seinem ersten Winter wahnsinnige Turbulenzen zu moderieren hat. Auch das deutsche Team um Eisenbichler und Geiger war froh, dass der ernsthafte Rivale nicht kampflos aus der Wertung fällt. „Aus sportlicher Sicht finde ich es ziemlich gut, dass die Polen dabei sind. Es ist doch eine der stärksten Nationen und es sollen die Besten mitspringen“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher vor dem Springen in Oberstdorf. Auch ein deutscher Physio war bei der Serientestung positiv getestet worden, hatte aber nach Verbandsangaben keinen Kontakt zum Team. Bei zwei weiteren Tests wurde er – wie Muranka – jeweils negativ getestet.

Das traditionelle Abschlussspringen am Dreikönigstag gewann Stoch nach Flügen auf 139 und 140 Meter mit riesiger Souveränität auch noch. Die Vierschanzentournee hatte „König Kamil“ in seiner erfolgreichen Karriere zuvor schon 2016/17 und 2017/18 gewonnen. Beim zweiten Triumph holte Stoch sich als zweiter Springer nach Sven Hannawald in der Saison 2001/02 alle vier Siege - mit dem Sieg in Bischofshofen aus der Vorsaison waren es seinerzeit sogar fünf in Serie. Der 33-jährige Routinier holte darüber hinaus dreimal Gold bei Olympischen Winterspielen und wurde zweimal Weltmeister.

Oberstdorf-Sieger Geiger, der sich durch einen Patzer in Innsbruck am Sonntag um bessere Siegchancen brachte, wurde nach Sprüngen auf 138 und 133,5 Meter in der Endabrechnung aber noch Zweiter. „Ich bin echt froh, dass ich das heute noch so hingebracht habe. Es war keine einfache Kost für mich“, sagte Geiger:„Ich bin überglücklich.“ Stoch gratulierte er voller Respekt: „Wahnsinnig gemacht.“ Für Geiger, der sich seinen Pokal unter dem Applaus seiner Teamkollegen genauso wie Stoch selbst abholen musste, war es nach Platz drei im Vorjahr das beste Tournee-Ergebnis seiner Karriere. Auch Bundestrainer Stefan Horngacher zog ein positives Fazit. „Karl ist mental unglaublich stark und super gesprungen“, betonte der Österreicher: „Am Ende ein toller zweiter Platz.“ Stoch sei in dieser Form einfach unschlagbar gewesen.

Hinter Stoch und Geiger schaffte es Titelverteidiger Dawid Kubacki aus Polen auf das Tournee-Podest. Der Norweger Halvor Egner Granerud, der vor der Tournee fünf Weltcup-Springen in Folge gewonnen hatte, kam nicht über Gesamtrang vier hinaus. Markus Eisenbichler erlebte indes ein sportliches Debakel, verpatzte mit einer Weite von nur 120,5 Meter seinen Sprung völlig und verpasste sogar den zweiten Durchgang. „Es ist bitter. Ich habe sowas aber schon oft erlebt, da rege ich mich nicht mehr auf“, sagte er. Damit fiel er im Gesamtranking von Platz fünf auf Rang 16 zurück. Horngacher spendete direkt Trost, „mir ist es lieber, dass er Vollgas gibt und es in die Hose geht, als dass er lauwarm über die Schanze fährt“, sagte er.

Österreichs Skispringer beenden die Vierschanzen-Tournee 2020/21 ohne Podestplatz in einem Einzelbewerb - zum bereits zweiten Mal in Folge. Für den letzten ÖSV-Podestplatz bei der Tournee sorgte Stefan Kraft als Dritter 2019 in Bischofshofen. In diesem Jahr fehlen dem Salzburger nur 1,4 Punkte aufs Podest. „Letztes Jahr drei Mal Vierter, heute wieder. Ich glaub, ich hab den vierten Platz gebucht.. Schade. Der zweite Sprung war richtig cool. Der Kamil ist unglaublich. Er ist seit Jahren der beste Skispringer, da kann man nur den Hut ziehen“, meint er mit einem verkniffenem Lächeln. „Vielleicht gelingt es mir irgendwann mal, mit vier vierten Plätzen die Gesamtwertung zu gewinnen...“Acht Springen in Folge ist also kein Österreicher mehr am Podest vertreten - noch viel länger warten die ÖSV-Adler auf einen Tagessieg. Vor ein paar Jahren war das Bild noch anders: Zwischen 2009 und 2011 feierten die rot-weiß-roten Springer durch Wolfgang Loitzl, Andreas Kofler, Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern acht Tagessiege in Folge.

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt für alle nicht: Ab dem heutigen Freitag steht schon der Heim-Weltcup in Titisee-Neustadt auf dem Programm, das deutsche Team reiste am Donnerstag direkt Richtung Schwarzwald. Das letzte Saisonhighlight ist dann die Heim-WM in Oberstdorf (ab 23. Februar). tf

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