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Sonderausstellung im Freilichtmuseum Glentleiten: Tanken an der Deutschen Alpenstrasse

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Von: Günter Bitala

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Tankstelle
Auch die Tankstelle in Oberau wurde von Christian Bäck abgelichtet. © Günter Bitala

Großweil-Glentleiten – Seit vergangenen Herbst gibt es im Freilichtmuseum Glentleiten ein ungewöhnliches Exponat: Eine Tankstelle aus den 1950er-Jahren. Sie stand ursprünglich in Brem, das ist ein Gemeindeteil von Unterwössen im Landkreis Traunstein. 2019 wurde das Gebäude ins Museum gebracht, nicht ohne zuvor dessen Geschichte von den Fachleuten der Glentleiten gründlich erforschen zu lassen. Eines der Ergebnisse: Die Gasolin-Tankstelle versorgte die Reisenden direkt an der Deutschen Alpenstrasse mit Benzin, Diesel und Proviant

Bald war eine verwegene Idee geboren, erzählt Hausforscher Simon Kotter: „Wo es eine historische Tankstelle gibt, könnten eigentlich noch viel mehr davon zu finden sein – die mit dem Lauf der Zeit zu veschwinden drohen, weil sie zu klein, zu unwirtschaftlich oder zu alt sind.“ Nach dem Blick in entsprechende Straßenkarten, besonders in Google-Maps standen schließlich rund 70 Tankstellen auf Kotters Liste. Aber welche davon sind historisch interessant? Museumsvolontär David Immerz begann zu grübeln, und sprach dann bei seiner Chefin, Dr. Monika Kania-Schütz, vor: „Ich fahre sie alle ab und schaue, welche für unsere Dokumentation in Frage kommen.“ Es begann die ‚Expedition Tankstelle‘!

Immerz fuhr am Königsee los. 480 Kilometer später erreichte er den Bodensee. Die ältesten Tankanlagen stammen aus den 1930er-Jahren, Architektonisch fächern sich die Gebäude vom sogenannten ‚Heimatschutzstil‘ der Vorkriegszeit, bis zu den typischen Baustilen aus Beton und Stahl der Nachkriegszeit. Interessant: Die Bayerische Denkmalschutzliste zählt lediglich fünf Tankstellen. Eine davon steht in Benediktbeuern. Der Verkauf von Sprit und die Wagenpflege spielt heutzutage keine Rolle mehr. Dazu war die Konkurrenz der modernen Großanlagen der Mineralölkonzerne zu übermächtig. Viel mehr werden die alten Bauten als Werkstätten, Imbisse, Blumenläden. Gebrauchtwagenhandel genutzt oder fristen ihr Dasein als Lager. Manchmal wurden sie sogar zu Wohnungen umgebaut.

Aus dem Notizblock von David Immerz entstand ein Laufzettel für Christian Bäck. Der Großweiler Fotograf bekam den Auftrag, die 20 markantesten Tankstellen im Bild festzuhalten. Beck Der brauchte dazu mehrere Monate, sein Ergeiz war es nämlich, die Gebäude nicht nur dokumentarisch abzulichten, sondern nach allen Regeln der Fotografenkunst zu beeindruckenden Bildwerke zu gestalten. Viel Vorarbeit war zu leisten: Regnet es? Liegt Schnee?. Gleißt die Sonne? Wann herrscht das beste Licht für eine optimale Aufnahme? Wie sieht die Umgebung aus, die mit auf das Bild muss, wo sind die Berge? Schließlich musste Bäck die Gebäudebesitzer überzeugen, dass sie ihre Grundstücke fototauglich aufräumen: „Bei einer Tankstelle versperrte ein riesiges Wohnmobil die Sicht. Bei einer anderen musste ein Gebrauchtwagenhändler seine Fahrzeuge wegbringen. Aber nach kurzem Zureden, war überall das Gerümpel weg und die Vorplätze besenrein hergerichtet; auch wenn der Fototermin für sieben Uhr oder acht Uhr in der Frühe angesetzt war.“

Entstanden ist eine Sammlung großformatiger Farbabzüge, die in dieser Saison als Sonderausstellung im Freilichtmuseum Glentleiten zu sehen sind. Simon Kotter: „Die Bilderreise haben wir mit alten Postkarten ergänzt, die Motive aus den Anfängen der Deutschen Alpenstrasse zeigen. Darüber hinaus können wir einen Film des Bayerischen Fernsehens aus dem Jahr 1968 zeigen. Biggi uns Sybille unternehmen eine Reise entlang dieser ältesten Ferienroute Deutschlands.“ gb

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