Vom Weggehen und Ankommen

Sonderausstellung im Museum Aschenbrenner über die Migrationsgeschichte

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Familie Wörndle aus Garmisch hat sich in den USA eingelebt – und wird während der Reise zu einem Besuch in der alten Heimat im Jahr 1962 fotografisch festgehalten. Viele weitere spannenden Dokumente aus der Geschichte der Migration sind ab heute in der Sonderausstellung des Museums Aschenbrenner zu sehen.

Das Werdenfelser Land hat viele Gesichter und Geschichten von Menschen, die heute oder in früherer Zeit zugewandert sind. Ohne sie gäbe es zahlreiche Villen, Hotels, Gotteshäuser, Pizzerien, Handwerksbetriebe und anderes nicht. Andererseits zogen und ziehen auch immer wieder Menschen weg, um anderswo ihren Broterwerb und ihr Glück zu suchen. Das Museum Aschenbrenner hat in Vorbereitung auf das Kulturfestival „Zamma“ eine Sammlung mit Objekten erstellt, die Geschichten vom Weggehen und Ankommen erzählen und bewahren.

Wegen Überbevölkerung werden im 17. Jahrhundert Oberammergauer auf ein Floß Richtung Österreich gesetzt – Zwangsausweisung. Das ist das älteste Kapitel der Ausstellung „Vom Weggehen und Ankommen. Geschichten aus dem Werdenfelser Land“. Entstanden ist die Ausstellung vor dem Hintergrund einer neuen Sammlung, die das Museum aufbaut: Gesammelt werden Objekte und Fotografien zum Thema Migration. Erste Objekte der Sammlung werden nun ausgestellt, ergänzt durch eine Vielzahl privater Leihgaben und Leihgaben öffentlicher Stellen, wie die Archive der Bistümer Augsburg und München/Freising oder das Bayerische Staatsarchiv. Auf diese Weise ist ein hochinteressanter Querschnitt an Geschichten vom „Weggehen und Ankommen“ entstanden: Weitgereiste Südfrüchtehändler aus Partenkirchen kommen zu Wort, zugereiste Engländerinnen, die im 19. Jahrhundert die Fahne des Partenkirchner Veteranen- und Kriegervereins stickten, USA-Auswanderer aus dem Werdenfelser Land, Zugezogene, die im 19. Jahrhundert im Werdenfels erfolgreiche „Start Ups“ gründeten. 

Aus der Zeit des „Dritten Reichs“ werden persönliche Geschichten von Zwangsarbeitern, Juden und südtiroler Optanten beleuchtet – die Nachkriegszeit ist mit Displaced Persons und Heimatvertriebenen vertreten. Aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schließlich werden Geschichten von Sportlern berichtet, die von den Alpen in Richtung Rocky Mountains auswanderten und von Menschen, die als Gastarbeiter einwanderten. Auch Menschen, die erst in den vergangenen Jahren beispielsweise aus Syrien und Afghanistan ins Werdenfelser Land kamen, haben mit Objekten und Geschichten zur Ausstellung beigetragen. Verschiedenste Gründe haben über die Jahrhunderte hinweg Menschen bewegt, sich auf den Weg zu machen. Die Ausstellung lädt dazu ein, persönliche Schicksale nachzuvollziehen und sich mit historischen und rechtlichen Voraussetzungen von Migration zu befassen. Eine Hörstation erweckt Auswanderer aus dem 19. Jahrhundert zum Leben und ein Kurzfilm zeigt Statements von Heimatvertriebenen und Zugereisten, die aktuell im Werdenfels leben. Mit ihrem eigenen Weg können sich Gäste an einer digitalen Umfrage beteiligen. Die Vernissage zur Ausstellung erfolgt am Samstag, 13. Juli, um 17 Uhr, im Museum Aschenbrenner. Nachfolgende Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr; montags geschlossen. Das Museum ist barrierefrei. kb

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