Wie in spanischen Gärten – Junge Pianistin begeistert beim zweiten Sinfoniekonzert am Dreikönigstag

Lise de la Salle hatte das Publikum mit ihrem gefühlvollen Spiel bezaubert. Foto: Goebel

Es ist nicht so einfach, für jemanden so spontan in die Bresche zu springen, wie es Alvaro Albiach getan hat. Der spanische Dirigent folgte dem Ruf nach Garmisch-Partenkirchen, als klar wurde, dass der eigentliche Dirigent wegen einer Verletzung das zweite Sinfoniekonzert am vergangenen Freitag nicht leiten konnte. Zusammen mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen gelang es Albiach, der kurzen Probezeit und den wohl daraus bedingten kleinen Stolpersteinen zum Trotz, den Zuhörern einen Abend wie „in spanischen Gärten“ zu bereiten.

Das Programm versprach spanisches Feuer und da durfte ein so prominentes Werk wie Gioacchino Rossinis Ouvertüre zum Barbier von Sevilla nicht fehlen. Anfangs mussten die Zuhörer selbst noch ein wenig suchen nach diesem wohlbekannten südländischen Temperament – Dirigent und Orchester brauchten ein wenig, bevor sie endgültig zueinander fanden und spanisches Temperament zeigten. Mit der französischen Pianistin Lise de la Salle betrat dann eine großartige Künstlerin die Bühne. Unendlich gefühlvoll zeichnete sie die vage, verträumte Stimmung von Manuel de Fallas „Noches en los jardines de Espana“, die im- pressionistischen Werken so eigen ist. Abrupte Wechsel von Melancholie zu Dramatik, mysteriöser Düsternis zu überquellender Lebensfreude gelangen ihr meisterhaft und ausdrucksvoll, selbst statische Passagen bekamen eine aussagekräftige, fließende Dynamik. So durfte die junge Französin die Bühne vor einer Zugabe nicht verlassen. Spanisches Feuer war bis dahin aber immer noch nicht so richtig entfacht. Das gelang Albiach erst im zweiten Teil des Konzertes mit der Balletsuite „El amor brujo“, ebenfalls von Manuel de Falla. Er brachte bedeutend mehr Temperament ins Spiel, man konnte regelrecht sehen, wie Albiach mit jedem weiteren Takt aufging. Das spanische folkloristische Liedgut, das de Falla darin verarbeitet hatte, kam wesentlich besser zum Tragen. Das Orchester zeichnete die charakteristische Rhythmen eines spanischen Tanzes oder verzauberte mit gefühlvollen, fast orientalisch anmutenden Soli. Das erwartete bombastische Ende mit Maurice Ravels Boléro blieb dann auch nicht aus, dem auch etwas holprige Soloeinsätze zu Beginn nichts anhaben konnten. In der schmissigen, rasanten Zugabe mit dem typisch spanischen Flair von Kastagnetten war Alvaro Albiach dann vollends in Spanien angekommen.

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