Obertägige Bodendenkmäler der Vorgeschichte bei Riegsee

Ein Spaziergang durch Jahrtausende

Hügelgräber
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Blick auf einen Grabhügel bei Riegsee.

Das „Blaue Land“ ist eine an vorgeschichtlichen Zeugnissen reichhaltige Region. Die meisten archäologischen Fundstellen sind jedoch im Laufe der Jahrtausende durch Bodenbearbeitung und Bautätigkeiten von der Erdoberfläche verschwunden. Nördlich von Riegsee gibt es allerdings noch sichtbare Hügelgräber.

Heute kommen archäologische Funde meist nur bei einer Grabung, beispielsweise anlässlich einer Baumaßnahme oder anhand von archäologischen Lesefunden an die Oberfläche. In Regionen, die landwirtschaftlich vorwiegend auf Milchwirtschaft ausgerichtet sind, hat die Verschonung von offenen Flächen durch den Pflug allerdings dafür gesorgt, dass bauliche Reste der Vergangenheit noch im offenen Gelände sichtbar sind. 

Derartige Verhältnisse haben in der Forschung einen ganz besonderen Stellenwert, ermöglichen sie doch dem Fachmann, wegen der freien Sicht auf die Fundstellen, Bezüge zur umgebenden Landschaft herzustellen, was in Waldgebieten oftmals schwer oder gar nicht möglich ist. Aber auch für den interessierten Laien bietet sich bei einem Spaziergang oder einer Wanderung hier die Möglichkeit vorgeschichtliche Fundorte zu besuchen und Eindrücke zu erhalten, die eine Museumsvitrine auch mit den schönsten Fundstücken niemals vermitteln kann: Den Besuch eines Ortes, der unseren Vorfahren bereits vor drei Jahrtausenden Lebensraum bot, an dem sie ihre Siedlungen errichteten und ihre Toten begruben. Dies alles zu einer Zeit lange bevor die Römer kamen und lange bevor das Christentum in der Region nördlich der Alpen Fuß fassen konnte. 

Drei dieser ganz besonderen archäologischen Orte sind, von Riegsee ausgehend nördlich, auf bequemen Wegen bei einem zwei- bis dreistündigen Spaziergang zu erreichen. Hier finden sich an mehreren Stellen obertägig noch sichtbare Hügelgräber, die vermutlich während der mittleren Bronzezeit (etwa 1600 – 1200 v. Chr.) und bis zur sog. Hallstattzeit (zwischen 850 und 450 v.Chr.) errichtet wurden. Die Fundorte liegen auf Grünland, einzelne Grabhügel sind jedoch von den Wegen aus gut zu erkennen, so dass die Flächen nicht betreten werden müssen. Alle diese Fundorte stehen unter gesetzlichem Schutz und sind beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) als vorgeschichtliche Bodendenkmäler erfasst. 

Sie können im Internet zusammen mit anderen bekannten Fundstellen der Region auf der Homepage des BLfD mit dem Programm „Bayerischer Denkmal-Atlas“ abgerufen werden. Dort lassen sich auch Kartenausschnitte mit Fundortmarkierungen zur Vorbereitung des Spaziergangs mit genauen Lagebezeichnungen ausdrucken. Das Programm ist für Jedermann zugänglich und kostenlos nutzbar. Im einen oder anderen Fall ist ein geübter Blick zum Entdecken der Fundstellen im Gelände sicher von Vorteil, aber nicht Voraussetzung. Eine grundlegende Voraussetzung hingegen ist das Interesse, in der Landschaft in der man lebt, seine Ferien verbringt oder, wie der Autor dieser Zeilen, einen Ausflug unternimmt, Neues zu entdecken. Und sei es noch so alt.  

Rudolf Koller

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