Start in die neue Skisaison – Der erste Gradmesser: Am Wochenende fällt der Startschuss in Sölden

Während Susanne Riesch (li.) verletzt ist, startet Maria Höfl-Riesch am Samstag in Sölden. Foto: Thomas Sehr

Die Gipfel rund um Garmisch-Partenkirchen sind schon mit Schnee bedeckt, der Winter ist nicht mehr weit. Während die Hobbysportler langsam die Bretter aus dem Keller holen, beginnt für die Profis an diesem Wochenende bereits die neue Saison.

Es ist gute Tradition, dass die ersten Rennen jeweils ein Riesenslalom für die Damen am Samstag und einer für die Herren am Sonntag auf dem Söldener Gletscher sind. Die ersten Durchgänge beginnen um 9.45 Uhr, die zweiten um 12.30 Uhr. Nach den Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen im Februar gibt es in der neuen Saison kein Großereignis. So konzentrieren sich alle Sportlerinnen und Sportler auf den Weltcup. Während in den vergangenen Jahren zwei Frauen mit dem Nachnamen „Riesch“ an den Start gingen, ist das nun nicht mehr der Fall. Die eine, Susanne kann nicht, weil sie verletzt ist, die andere, Maria, hat geheiratet und heißt nun „Höfl-Riesch“. Der deutsche Kader beim Weltcupauftakt besteht aus zehn Fahrerinnen und Fahrern. Allen voran die Gesamtweltcupsiegerin Maria Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg. Ihnen beiden räumt Sportdirektor Wolfgang Maier echte Siegchancen ein. Insgesamt hat seine Truppe zuletzt diverse Rückschläge einstecken müssen, denn Susanne Riesch, Gina Stechert und Isabelle Stiepel sind alle verletzt. Riesch stürzte beim Abfahrtstraining in Chile im September und wurde in Murnau operiert. Nun konzentriert sie sich auf die Reha, um in der Saison 2012 /13, der nächsten WM-Saison wieder voll angreifen zu können. Dann finden die Weltmeisterschaften im österreichischen Schladming statt. Bei günstigstem Heilungsverlauf kann sie in etwa fünf Monaten wieder im Schnee trainieren. Die Mittenwalderin Isabelle Stiepel muss drei Monate wegen einer Knorpelverletzung pausieren. So ist das Speed-Team der Damen um Doppel-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch nur noch halb so groß wie geplant. „Das hat einen extrem bitteren Beigeschmack“, sagt Maier. Seit Jahren ist der Sportdirektor be- strebt, die Mannschaftsstärke bei den Speed-Disziplinen mit Bedacht zu vergrößern. Die Verletzungsgefahr ist höher als bei den technischen Disziplinen, das Thema Angst spielt eine Rolle und im Nachwuchsbereich scheuen sich manche Eltern, ihre Kinder in den Abfahrtssport zu lassen. „Da sind solche Verletzungen Nackenschläge“, bekannte Maier. Nach diesen Ausfällen liegt das Hauptaugenmerk einmal mehr auf Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg. Die Läuferinnen, die schon in den vergangenen Jahren regelmäßig für Podestplätze sorgten, sollen's auch in dieser Saison richten und „um den Gesamtweltcup und den Disziplinweltcup mitfahren. Für alle anderen Sportler gilt es, sich möglichst oft in der Weltspitze platzieren“, betont Maier. Neben den beiden sind noch Lena Dürr (SV Germering), Veronique Hronek (SV Unterwössen), Simona Hösl (SK Berchtesgaden) und Barbara Wirth (SC Lenggries) am Samstag am Start. Als Kandidatinnen fürs Podest sieht Maier aber nur Rebensburg und Höfl-Riesch. „Viktoria Rebensburg, die im letzten Jahr hier gewonnen hat, präsentierte sich in der Vorbereitung in guter Form. Wenn sie diese Leistungen im Rennen umsetzen kann, ist sie für eine Spitzenplatzierung gut. Auch Maria Höfl-Riesch ist hoch motiviert. Eines ihrer großen Ziele ist es ja, ein Riesenslalom-Weltcup-Rennen zu gewinnen. Das Gelände in Sölden liegt ihr und ihre Motivation ist ebenfalls hoch“, sagt Maier. Auch Höfl-Riesch hatte sich im Sommertraining verletzt: Beim Slalomfahrten zog sie sich in Neuseeland eine Knöchelverletzung zu, als sie sich am letzten Tag des Techniklehrgangs das Sprunggelenk verdrehte und sich dabei Mikrofrakturen im Knochen zuzog. So musste sie zwei Wochen kürzer treten. Alle erwarten auch in der neuen Saison einen Zweikampf um den Gesamt-Weltcup zwischen der Garmisch-Partenkirchnerin und ihrer Dauerrivalin Lindsey Vonn. In der vergangenen Saison hatte die Deutsche am Ende die Nase knapp vorne und siegte mit 1728:1725 Punkten. Zu ihrer amerikanischen Rivalin meinte Höfl-Riesch: „Ich sage zu dem Thema nur das eine. Ich habe das für mich alles in Ruhe analysiert und sehe das so, dass da einfach zwei Welten und Mentalitäten aufeinander prallen. Ich bin ihr aber nicht böse, hege keinen Groll mehr.“ Jahrelang war die Amerikanerin Rieschs engste Freundin. Im März kam dann der Bruch: Nach Rieschs Triumph im Gesamtweltcup machte Vonn auf schlechte Verliererin, verweigerte den Glückwunsch und zog beleidigt davon. Auch zur Hochzeit kam sie nicht. „Ich versuche inzwischen, über den Dingen zu stehen“, sagt Riesch, die schon alles gewonnen hat, was man im Skifahrerleben gewinnen kann: WM-Titel, zweimal Gold bei Olympischen Winterspielen und nun den Gesamtweltcup 2011. Allzu lange will sie nicht mehr fahren. Die kommenden Olympischen Winterspiele 2014 in Sotchi sind noch denkbar, „vielleicht auch ein Jahr länger“, sagt die 26-Jährige, „aber wer weiß schon, was passiert“. Für die weiteren Starterinnen aus Garmisch-Partenkirchen Monica Hübner, Fanny Chmelar und Nina Perner beginnt die Saison erst in einem Monat. Die Herrenmannschaft in Sölden besteht aus vier Fahrern. Maier will den jungen Nachwuchstalenten weiter Zeit geben. Doch er sieht Trends nach oben: „Positiv ist die Entwicklung unserer jüngeren Athleten, die wir bei unseren Überseelehrgängen in Südamerika dabei hatten. Hier zeigt sich besonders auf der Herrenseite eine Entwicklung.“ Deshalb ist beim Herren-Riesenslalom nicht nur die obligatorische „One-Man-Show“ Felix Neureuther am Start. Neben dem Partenkirchner starten auch Fritz Dopfer (SC Garmisch), Stefan Luitz (SC Bolsterlang) und Dominik Schwaiger (WSV Königssee). „Felix Neureuther und Fritz Dopfer verfügen über das Können, sich unter den besten Fünfzehn der Welt zu platzieren. Für Stephan Luitz, der sich in der Vorbereitung stark präsentiert hat, wäre das Erreichen des Finaldurchgangs ein großer Erfolg“, sagt Maier über die Ziele für Sölden. Neureuther will nach dem verkorksten WM-Winter voll durchstarten, für ihn beginnt „der zweite Abschnitt“ seiner Karriere, betonte der Partenkirchner. Ein Materialwechsel und der Verlust der Sonderrolle im deutschen Alpin-Team sollen dem Slalom-Ass die zuletzt vermisste Sicherheit bringen. „Ich habe große Ziele“, sagt er vor dem ersten Rennen der Saison. „Als ich in den Weltcup gekommen bin, war für mich ganz klar das Ziel, der beste Slalomläufer der Welt zu werden und auch Weltmeisterschafts- und Olympiamedaillen zu gewinnen. Und das habe ich bis jetzt noch nicht geschafft.“ Langfristig ist die Torlauf-Kristallkugel das Objekt seiner Begierde, die kommende „Übergangssaison“ dient auch der Gewöhnung an das neue Arbeitsmaterial. Nach acht Jahren wechselte der zweimalige Weltcupsieger, der bei der Heim-WM am heimischen Gudiberg in seiner Paradedisziplin ausschied, den Ausrüster. „Schuhe, Bindung, Ski - wenn das funktioniert, nur dann kann auch der Felix funktionieren“, meinte der 27-Jährige. Das neue Paket soll auch seinem häufig riskanten Fahrstil entgegenkommen. „Es schmeißt einen nicht sofort ab, wenn man hinten reingezogen wird“, erklärte er. In den Tagen vor Sölden erlebte man einen gut aufgelegten Neureuther, der selbst aus vermeintlichen Rückschlägen das Positive zieht. Beim Vorbereitungstraining Ende September auf dem Mölltaler Gletscher in Kärnten war er auf die im Mai operierte Schulter geknallt – „das war ein ziemlicher Härtetest“, sagt der deutsche Vorzeige-Alpine schmunzelnd. Seine Rolle als bester Techniker im Deutschen Skiverband ist weiter unumstritten, den „Sonderstatus“ (Wolfgang Maier) in der Mannschaft hat der WM-Vierte von 2009 allerdings eingebüßt. „Wir haben vier Jahre lang versucht, das sogenannte Neureuther-Team zu pushen. Letztendlich hat es aber nicht den gewünschten Erfolg gebracht“, erklärte der Alpin-Chef. „Er hat zwar super Ergebnisse eingefahren, aber in der Kontinuität waren immer große Schwankungen drin.“ So trainiert Neureuther nun im „sehr, sehr kleinen Team“ (Maier) mit den aufstrebenden Fritz Dopfer, der bei der Heim-WM einen guten 15. Platz im Riesenslalom einfuhr, und Stefan Luitz. „Sie sollen dort anknüpfen, wo sie letztes Jahr waren - in Richtung Top 15“, forderte Herren-Bundestrainer Karlheinz Waibel von seinen beiden Spitzenathleten für den Weltcup-Auftakt auf dem Rettenbachgletscher in 3000 Metern Höhe. Auf dem Weg zu seinem zweiten Karriereresultat unter den besten 15 im Riesenslalom soll dem runderneuerten Neureuther auch die ungewohnte interne Konkurrenz beflügeln. „Fritz und Stefan sind definitiv was für die Zukunft“, berichtete er, „es ist auch für mich ungewohnt, wenn ich am Ende des Tages im Training nicht unbedingt der Schnellste bin, sondern die anderen.“ Die Läuferinnen und Läufer gehen durchweg optimistisch in die neue Saison. Während sich die Damen auf den „ersten Gradmesser“ (Höfl-Riesch) freuen, wollen die Herren an ihren Aufwärtstrend der vergangenen Saison fortsetzen. Felix Neureuther hat eine leichte Schulterprellung auskuriert und fühlt sich „fit und bereit für den Saisonauftakt“, Dopfer sagt: „Ich möchte im Riesenslalom von Sölden da weitermachen, wo ich im vergangenen Winter aufgehört habe.“ In der vergangenen Saison konnte sich der gebürtige Tiroler in den Top 30 etablieren.

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