Corona-Pandemie macht einen Strich durch geplante Jubiläumsveranstaltung

100 Jahre Stepberglauf in Garmisch-Partenkirchen

Skifahrer Nostalgie
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Ein Bild aus den Anfängen der 1920er Jahre.
  • vonIlka Trautmann
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Im April hätte traditionell der Stepberglauf, vom Ski-Club Garmisch organisiert und ausgetragen, stattfinden sollen. Wie so vieles musste diese besondere Veranstaltung heuer (wie auch schon 2020) leider ausfallen.

Die Geschichte dieses Skirennens geht weit zurück. In einer alten Ski-Club-Chronik fand Hubert Berger, Jugendwart beim SC Garmisch und einer der jetzigen Organisatoren, folgenden Bericht: „Weil Zünftigsein ohne Skihütte kaum denkbar war, richtete sich der Club die der Weidegenossenschaft gehörende Hüterhütte auf dem Steppberg für seine Zwecke her. In ungezählten freiwilligen Arbeitsstunden schleppten die Mitglieder Baumaterial und Einrichtungsgegenstände samstags nach der Arbeit, sonntags und manche Nacht zum Steppberg hinauf. Am 24. Oktober 1920 wurde die Steppberghütte im Beisein zahlreicher Mitglieder und Einheimischer eingeweiht. Frohe Stunden wurden fortan in dieser kleinen, urgemütlichen Hütte zugebracht, verbunden mit schönem Skierleben . . .“

Das 1. Stepberg-Clubrennen, eine alljährlich wiederkehrende Veranstaltung, fand am 27. Februar 1921 statt. Die Teilnehmer konnten sich in Abfahrts- Lang- und Sprunglauf messen. Man baute zwei Schneeschanzen, eine kleinere eigens für die Altersklasse. Siegertrophäen wurden großzügig ausgegeben, denn man wertete in sieben Klassen (Klassen I, II, AK; Knaben, Jugend I u. II und Jungmannenklasse). Die Zeitung berichtete damals: „Neuer Sportplatz des Skiclub Werdenfels. Durch die Wahl der idyllisch gelegenen Steppberg­hütte wird kundgetan, dass man fern vom großen Getriebe gemütlich und zünftig beisammen sein will.“

Das älteste Skirennen stets in Ehren gehalten

Die Tradition der Stepbergrennen wurde beim Ski-Club Garmisch in Ehren gehalten und die Veranstaltung über die Jahrzehnte (teilweise auch in schwierigen Zeiten) regelmäßig durchgeführt. Es ist somit das älteste Skirennen überhaupt, das noch regelmäßig ausgetragen wird. Seit 1931 gilt es gleichzeitig als Hanns-Becker-Gedächtnisrennen (zum Andenken an den in einer Lawine verunglückten Clubkameraden und an alle verstorbenen Mitglieder).

Das Skirennen galt immer auch als Winterabschluss des Vereins und hatte sich den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit erfreut (mit stets wachsender Anzahl von treuen Fans, die regelmäßig teilnehmen). Bei den letzten Veranstaltungen haben jeweils bis zu 100 Mitglieder ihr Skimaterial zum Stepberg getragen, um am berühmten Rennen teilnehmen zu können. In den vergangenen vier Jahrzehnten wurde das „Stepberg-Derby“ jeweils Mitte April durchgeführt, anfangs teilweise sogar Anfang Mai. „Obwohl die Schneeverhältnisse in letzter Zeit oft schon sehr zu wünschen übrig ließen, konnten dennoch fast immer Schneereste gefunden und Ski gefahren werden“, blickt Hubert Berger zurück.

Mit angeschnallten Skiern wird der Kurs von unten nach oben (wie früher üblich) besichtigt und die Piste angetreten. Bei unterschiedlichsten Schneeverhältnissen (teilweise noch hart gefroren, meist aber sehr weich mit tiefen Wannen) war so mancher Teilnehmer schon mit „Angstschweiß auf der Stirn“ gestartet und war froh, heil unten anzukommen. Natürlich gab‘ s auch immer wieder spektakuläre Stürze, aber Gott sei Dank meist ohne schwere Verletzungen. Oft wurde am „Schmalzbichl“ gestartet und das Ziel war direkt an der Stepbergalm. Organisator Hubert Berger: „Manchmal sind wir gegenüber von der Hirschbichlseite Richtung Alm gefahren und teilweise waren die letzten Schneereste am Gatterle Richtung Rotmoos zu finden.“ Nur vier Mal, zuletzt 2014, gab es nicht genügend Schnee. Dann wurde als Ersatz ein „Bergauf-Rennen“ zum Hirschbichl durchgeführt. Berger fasst zusammen: „Egal wo und wie: Ein besonderes Erlebnis ist es immer wieder gewesen, an dieser Traditionsveranstaltung teilzunehmen und die Starter im Alter von 5 bis über 70 Jahren hatten immer ihren Spaß.“

Absage angesichts der Corona-Pandemie

Sowohl die 100. Auflage im Jahr 2020 als auch das jetzige Rennen zum 100-jährigen Jubiläum konnten aufgrund der aktuellen Situation leider nicht durchgeführt werden. Viele treue Stepberglauf-Teilnehmer haben ihr Bedauern ausgesprochen und hoffen sehr, dass irgendwann das großes Jubiläum in würdigem Rahmen gefeiert werden kann. Hubert Berger: „Trotzdem waren wir zu viert (coronakonform aus zwei Familien) am 27. Februar an der unteren Stepberg­hütte, um unseren Vorgängern im Ski-Club zu gedenken, ihre Leistungen zu würdigen und mit einem Glas Sekt auf sie anzustoßen. Sie haben vor 100 Jahren viel Zeit im Winter am Stepberg verbracht und dort den Skisport weiterentwickelt. Es ist kaum vorstellbar, was die Leute damals auf sich genommen haben, um das in der Chronik beschriebene ‚schöne Skierleben‘ zu ermöglichen. Man muss sich nur das Ski- und Kleidungsmaterial vorstellen und jeder weiß ja, dass es in dieser Zeit noch andere Winter mit extremen Schneemengen und Kälte gab.“

Zum zitierten Artikel in der Chronik und dem Zeitungsbericht bleibt anzumerken: Der Verein wurde am 2. Februar 1914 unter dem Namen „Skiklub Werdenfels“ gegründet, weil damals noch kein anderer Skiclub in Werdenfels bestand. Wegen des später entstandenen Ski-Club Partenkirchen und des Ski-Gau Werdenfels wurde laut Chronik 1931 die Änderung zum Ski Club Garmisch e.V. vorgenommen. kb

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