Stets den Kurs gehalten

Reinhard Jakob hat seinen Schreibtisch inzwischen geräumt. Foto: Elisabeth Wäspi

Der Herbst ist für viele eine Zeit des Umbruchs. Für die einen beginnt ein neuer Abschnitt mit einem neuen Schuljahr oder mit einer Lehre. Auch für Reinhard Jakob schlägt sich ein neues Kapitel auf, nur ist es bei ihm genau anders herum. Nach 35 Jahren im Finanzamt verabschiedete sich der Garmisch-Partenkirchner Amtsleiter in seinen Ruhestand.

Entspannt lehnt sich Reinhard Jakob in seinen Sessel zurück, den obersten Hemdknopf gelöst, und erzählt abgeschottet vom Lärm der Straße über seine Zeit im Finanzamt. 35 Jahre stand der Jurist im staatlichen Dienst. Eine lange Zeit, die aber alles andere als dröge war. Nach dem zweiten Staatsexamen in München kam der gebürtige Ickinger 1977 als Sachgebietsleiter nach Garmisch- Partenkirchen. Einem Zufall ist es mehr oder weniger zu verdanken, dass seine Wahl auf diesen Ort gefallen ist. Als er seinen Abschluss gemacht hatte, war gerade erst die Autobahn von München Richtung Garmisch-Partenkirchen fertig gestellt worden, erinnert er sich. Den Münchnern seien so völlig neue Perspektiven eröffnet worden, sagt er. Garmisch-Partenkirchen war nun viel praktischer zu erreichen. Und weil man ja ein Amt wählen müsse, habe er sich eben für Garmisch-Partenkirchen entschieden. „Diese Entscheidung fiel mir aber überhaupt nicht schwer. Ich bin ja gerne in den Bergen und drum gefällt’s mir hier sehr gut“, sagt Reinhard Jakob. 1982 verließ er das Amt aber schon wieder, um als Sachgebietsleiter und Amtsvertreter nach Starnberg zu gehen. Vier Jahre später zog es ihn nach Herrsching in die Fachhochschule. 20 Jahre lang bildete er dort als Dozent junge Finanzbeamte aus, war am Ende auch stellvertretender Fachbereichsleiter. Eine Zeit, an die er sich gerne erinnert und die wichtig für ihn war. Die Abwechslung vom Aktenwälzen bewahre einen davor, festgefahren zu werden. 2006 schließlich kehrte er zurück nach Garmisch-Partenkirchen, „den Ort der ersten Taten“, wie er sagt. Dieses Mal als Leiter des Finanzamtes. „Es ist schon komisch, wenn dann Akten auf dem Schreibtisch landen, die man selbst vor über 20 Jahren mit bearbeitet hat“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Doch auch nach so langer Zeit fühlte er sich dort gleich wieder wie zu Hause. Bekannte Gesichter aus der früheren Amtszeit erkannte er wieder, aber auch „das ein oder andere G’sicht“ von seinen Ausgebildeten aus der Herrschinger Zeit lief ihm dann als Mitarbeiter über den Weg. Der Kreis hat sich für ihn hier geschlossen. In Garmisch-Partenkirchen hat alles für ihn begonnen, und hier hat es auch aufgehört. „Es ist schon ein gewisser Einschnitt“, sagt Reinhard Jakob, als er zurückblickt. Wenn er über seine Zeit im Garmisch-Partenkirchner Finanzamt erzählt, schwingt ein kleines bisschen Wehmut mit, denn er nimmt mehr als nur ein paar herzliche Erinnerungen mit. In 35 Jahren hat er viel erlebt und gesehen, an manche Geschichten erinnert er sich auch jetzt noch und muss noch heute lachen, wenn er sie erzählt. Als Finanzbeamter, sagt er, müsse man gegen das Klischee ankämpfen, dass man den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen wolle. Viele schrecken vor dem Gang zu uns zurück, weil sie einige Zusammen- hänge nicht verstehen. Dabei sei das Finanzamt gerade auch dafür da, dem steuerlichen Laien alles verständlich und auch mit Humor zu erklären. „Als ich mal einem am Telefon was erklärt und dann gelacht habe, war der ganz überrascht. ,Wos, Sie kenna ja lachen!’ meinte er und merkte dann, dass auch Finanzbeamte Menschen sind“, erzählt Reinhard Jakob lachend. Ein größeres Kompliment kann man ihm aber gar nicht machen, sagt er. „Wenn man es geschafft hat, die Leute entkrampft hat und von ihnen akzeptiert wird, dann war’s gut.“ Ein Schmunzeln huscht auch über sein Gesicht, sobald der Umzug des Finanzamtes zur Sprache kommt. Ab 1. November ist das gesamte Amt in der Dompfaffstraße zu finden. „Das ist ein echter Segen“, sagt der Steuerjurist. Dort haben die Bürger dann sämtliche Anlaufstellen in nur einem Gebäude zusammengefasst und die Finanzbeamten haben endlich ausreichend Platz. „Schon als ich 1977 hierher kam, platzte das Amt aus allen Nähten. Und jetzt, wo ich den Umzug nicht mehr mitmache, muss ich umso mehr lachen über die Bemerkung des damaligen Leiters. ,Herr Jakob’, hatte er gesagt, ,wenn’S Glück haben, ziehen Sie bald ins neue Gebäude um.’“ Auch wenn Reinhard Jakob mit Wehmut zurückblickt auf seine Zeit in Garmisch-Partenkirchen, freut er sich jetzt auf das, wozu vorher nur wenig Zeit war. Ohne Zeitdruck kann er seinem außergewöhnlichen Hobby frönen, dem Hochseesegeln. Mit seiner Frau, deren Kunstwerke sein Büro geschmückt hatten, und Freunden steuerte er zuletzt Cap Verden am Äquator an, das nächste Ziel ist die Antarktis. Aber auch nach Garmisch-Partenkirchen wird er weiterhin kommen, in Zukunft aber mit Skiern und Bergstiefeln „und dann schau i runter auf’s neue Amt.“

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