20 Strophen und eine goldene Geige – Richtfest für den Erweiterungsbau der Mittenwalder Geigenbauschule

Alfred Müller und Heinz Weiß oben auf dem Gerüst zum Richtspruch. Fotos (2): Wehmeier

Ein großer Tag stand der Mittenwalder Geigenbauschule vor kurzem ins Haus: Richtfest und Halbzeit für den zweistöckigen Erweiterungsbau in zeitgenössischer Bauweise mit Satteldach.

Zimmerermeister Alfred Müller aus Wallgau stand hoch oben auf einem Gerüst am Neubau, schaute auf die vielen Gäste hinunter und begann dann den selbstverfassten, fast 20 Strophen langen Richtspruch vorzulesen. Neben ihm Schulhausmeister Heinz Weiß mit Weinflasche und zwei Gläsern, um den Neubau mit einem ersten obligatorischen Schluck einzuweihen. Müllers Richtspruch ging quer durch die bisherige sechsmonatige Bauzeit „der lichten Hallen, wie der Jugend zugefallen, den Geist des Fortschritts gilt’s zu pflegen, den Schülern wie dem Land zum Segen“. Seine Dichterworte betrafen auch alle Handwerker und Mitarbeiter bei diesem Bauprojekt, allerdings vermisste er die Zimmererleute, da bis jetzt kein Holz für das Gebäude verarbeitet wurde. Aber „auch Gott solle bewahren dies Haus in Gnaden vor Feuer, Wasser und anderem Schaden“. Mit einem dreifachen Hoch auf Bauherr, Architekten, Statiker, Gipser, Schlosser und Schreiner, den Markt und den Landkreis, warf er sein geleertes Glas mit Schwung nach unten, wo es zersplitterte und quittiert mit großem Applaus für diese symbolische Geste. Für Landrat Harald Kühn hing dieser Tag mit tiefblauem Himmel einfach voller Geigen. Mittenwald und Geigenbau seien seit fast 300 Jahren nicht zu trennen und jetzt hätte die Schule alle Voraussetzungen für ein weiteres personelles und kulturelles Bildungsangebot. Auch für den Freistaat Bayern sei die Schule „wie eine Perle“, doch war der Weg zum Erweiterungsbau auch ein „Kraftakt“. Und deshalb sei dieser Tag wie ein Meilenstein in der Geschichte der Schule. Bürgermeister Adi Hornsteiner streifte in seinem Grußwort die Geschichte Mittenwalds und den Beginn des Geigenbaus um 1858 unter König Maximilian von Bayern. Er wünschte Schulleitung, Lehrern und Schülern im Erweiterungsbau ungebremste Tatkraft und das berühmte Quäntchen Glück. Unter den Gästen waren auch Kreisbaumeister Christoph Schreyer und die verantwortlichen Architekten Thomas Pfeiffer und Arned Sander vom Architektenbüro Burian und Pfeiffer. Beim Rundgang durch die Räume des Rohbaus waren die Wände noch feucht und grau, es roch nach Mörtel, und die Fenster waren mit Planen verhangen. Aber eine Überraschung wartete auf die Besucher. In einem etwas tiefer gelegenen dunklen Raum thronte in der Mitte eine große goldene Geige wie ein Requisit auf einer Theaterbühne. „Dies ist das Herzstück des Neubaus, der Akustik-Totraum oder der reflektionsarme Raum“, wie Dr. Frederik Habel ihn nennt. „Hier werden die Instrumente genau auf ihren Klang getestet und feinste Abstimmungen geprüft“. Der geplante Bezug der Lern- und Mensaräume liegt beim Schulbeginn 2012/2013. Der Bau läuft zeitlich wie geplant und der Kostenrahmen bewegt sich bei rund 5 Mio. Euro, wobei mit einem Zuschuss von 30 Prozent des Freistaates Bayern gerechnet werden kann. Da nun auch die Musik bei diesem Richtfest nicht fehlen durfte, begann die Veranstaltung im Konzertsaal mit einer Trio-Sonata von Arcangelo Corelli und wurde beendet mit gleich zwei musikalischen Beiträgen. Schüler spielten bayerische Volksmusik und vom Neubau herab ertönte zum Ausklang fanfarenähnliche Blasmusik.

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