Stumme Zeugen im Ammertal - Marterl erinnern an Krieg, Mord und Pest

Einige Steinmale sind ungeklärter Herkunft, bei anderen ist die Geschichte, die dahinter steht bekannt. Foto: Bitala

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GÜNTHER BITALA Landkreis – Zur Zeit des 30-jährigen Krieges zogen schwedische Soldaten plündernd durch Ettal. Als sie am 4. Juni 1632 den klösterlichen Schatz rauben wollten, stellte sich ihnen Joseph Hess in den Weg. Der mutige Pater bezahlte diesen Widerstand mit seinem Leben. An dieses grausame Ereignis erinnert heute im Klosterhof ein wuchtiger Gedenkstein. Im gesamten Ammertal mahnen Steinmarterl, Feldkreuze und Bildstöcke an tragische Unfälle und schreckliche Verbrechen. Schon in vorchristlicher Zeit war es Brauch Totenmale aufzustellen. Papst Leo III. übernahm diese Tradition im Jahre 779 für die Kirche und förderte die Errichtung von Steinkreuzen und Bildsäulen. Im Alpenvorland sind diese Marterl seit dem 13. Jahrhundert bezeugt, allerdings aus Holz und nicht so häufig aus Stein wie etwa in Franken. Ein beeindruckendes Sühnekreuz aus Sandstein ist in Bad Bayersoien erhalten. Die Murnauer Heimatforscherin Charlotte Gampe hatte sich vor Jahren vorgenommen Flurdenkmäler aufzustöbern und zu katalogisieren. In einem kleinen Buch schreibt sie: „Viele der uralten Steinmale sind ungeklärter Herkunft. Bei manchen war allerdings ihre Geschichte auszumachen. Oft haften die Erinnerungen an Mord, Tod, Krieg und Pest an ihnen.“ Von einem solchen Verbrechen erzählt das Sühnekreuz in Bad Kohlgrub, östlich der Straße nach Steigrain. Es wurde für Ull Weigandt aufgestellt, den Hanns Kobelein im Jahr 1467 an dieser Stelle erschlug. Ein verhältnismäßig junger Gedenkstein erinnert in Unterammergau an Josef Raggl. An der Pürschling-Straße wurde Raggl am 1. Juli 1917 von einem Jäger erschossen. Wenige Meter daneben – bei der winzigen Wetzsteinmacher-Kapelle - hält ein Stock die Erinnerung an Michael Erhart wach. Er war am 17. November 1877 im Steinbruch verunglückt. Südlich von Saulgrub, an der Ammerbrücke zum Kraftwerk Kammerl ist der Gedenkstein für Johannes Schuster zu finden. Im 55. Lebensjahr ertrank er am 13. April 1896 bei der Holzdrift in der Scheibum. Wind und Regen, Flurbereinigung und Straßenbau, Säkularisation und Unvernunft hatten zahlreiche Gedenksteine zerstört. So blieben in vielen Orten nur historische Flurbezeichnungen übrig, etwa in Grafenaschau, wo das Gebiet um den Bahnhof §Am Bildstock“ heißt. Neben den Erinnerungsmarterln gibt es auch Steinsäulen – wie in Bad Kohlgrub am Fußweg nach Wäldle – die als Orientierungshilfen auf dem Weg zu den Wallfahrtskirchen dienten.

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