Interview mit Susann ENDERS, Freie Wähler, zu Barrierefreiheit und ihren Vorstellungen zur Chancengerechtigkeit

Susann ENDERS: „Ich bin auch gegen Männer-Diskriminierung“

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Susann ENDERS

Die Landtags-Kandidatin Susann ENDERS (Freie Wähler) fordert mehr Chancengerechtigkeit und rasche Fortschritte bei der Beseitigung von Barrieren. Susann ENDERS tritt nachdrücklich für gleichwertige Lebensverhältnisse „auf dem Land“ ein: „Nur so lässt sich der gewaltige Zuzug in die Ballungszentren abbremsen“, betont die gelernte Krankenschwester. Susann ENDERS (Liste 3, Listenplatz 9) steht in ganz Oberbayern zur Wahl.

Frau ENDERS, Sie kandidieren für die Freien Wähler für den Bayerischen Landtag. Was genau meinen Sie mit Ihrer Forderung „Barrierefreies Bayern“? 

Susann ENDERS: Barrierefreiheit heißt: uneingeschränkte Teilhabe ALLER Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftlichen Leben, egal wie es ihr oder ihm geht, egal welche Einschränkung er oder sie haben. Das schließt Familien mit Kinderwagen genauso ein wie Reisende mit Gepäck, ältere Menschen wie Menschen mit Behinderungen. Wir müssen auf politischer Ebene Barrieren wie zu hohe Randsteine, fehlende Ansagen in Liften genauso abbauen wie die Barrieren in den Köpfen. Wir Freie Wähler haben deswegen meinen Vorstoß bereits umgesetzt, unser Wahlprogramm auch Menschen mit Einschränkungen und zudem auch in leichter Sprache bereit zu stellen.

Barrierefreies Bayern: Susann ENDERS fordert den Abbau von Barrieren in den Köpfen und ein umfassendes Maßnahmepaket zum Abbau physikalischer Barrieren, etwa in öffentlichen Gebäuden.

Die Immobilienpreise explodieren weiterhin in den Ballungszentren, vor allem im Großraum München, Wohnraum für „Normalverdiener“ wird zunehmend unerschwinglich. Welche Lösungsvorschläge haben Sie dafür?

Susann ENDERS: Der sogenannte „Siedlungsdruck“ auf städtische Gebiete ist ein gewaltiges Problem. Die Immobilienpreise sind bereits derart gestiegen, dass sich Menschen mit „normalem“ Einkommen schon heute kaum noch eine Eigentumswohnung z. B. im Großraum München leisten können, junge Menschen die Mieten nicht mehr aufbringen können, Studenten sehr lange suchen müssen, bevor sie eine irrsinnig teure WG-Wohnung finden. 

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Die europäische dauerhafte Niedrigzinspolitik trägt entscheidend dazu bei: Bei derart niedrigen Zinsen fließt sehr viel Geld in „Betongold“; ich halte diese Politik auch deswegen für problematisch, weil sie die Kleinsparer praktisch enteignet, wenn sie ihr Geld auf dem Sparkonto lassen. Wir müssen klar sehen, dass gerade im Großraum München russische und chinesische Staatsfonds sehr aktiv sind. Das ist bedenklich, auch, aber nicht nur, weil das natürlich die Preise in die Höhe treibt. Die bisherige Staatsregierung hat den Verkauf von zehntausenden eigener Wohnungen zugelassen – ich halte dies für falsch.

Die Kommunen vor Ort können gegen den Siedlungsdruck nur eingeschränkt etwas tun, beispielsweise nachverdichten, dabei stärker als bisher nicht nur in die Höhe, sondern vermehrt auch in die Tiefe bauen, in beschränktem Umfang Baureserven mobilisieren.

Strukturpolitik mit anderem Fokus: Susann ENDERS setzt sich für eine verstärkte Förderung des ländlichen Raums sein – auch im Interesse der Ballungszentren.

Wirklich helfen kann das alles aber nicht, solange Bayern nicht sehr viel stärker in ländliche Regionen investiert, um für gleichwertige Lebenschancen auch auf dem Lande zu sorgen. Wir müssen unter anderem die kleineren Krankenhäuser auf dem Lande erhalten. Wir sollten uns nämlich immer wieder vor Augen führen: Während einige Metropolregionen wie München „explodieren“, bluten große Regionen wie in der Oberpfalz oder in Niederbayern regelrecht aus. Das kann´s nicht sein!

Bäuerliche Familienbetriebe erhalten: Die Erhaltung bewährter Strukturen sind Susann ENDERS ein Herzensanliegen. 

Die Freien Wähler fordern deswegen ein grundsätzliches Umsteuern – weg von der einseitigen Förderung der großen Ballungszentren. Dazu zähle ich übrigens auch eine bessere Unterstützung unserer bäuerlichen Familienbetriebe. Wir müssen das ganz klar sehen: Etwa jeder fünfte Arbeitsplatz in Bayern hängt direkt oder indirekt von der Land- und Forstwirtschaft ab, siehe aktueller Agrarbericht Bayern.

Wie stehen Sie zum neuen Baukindergeld? 

Susann ENDERS: Prinzipiell ein Schritt in die richtige Richtung. Er kommt nur viel zu spät und geht nicht weit genug. Angesichts der aktuellen Immobilienpreise ist diese Förderung in Ballungszentren wie München oder Nürnberg nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass eigener Wohnraum mit die beste Absicherung gegen Lebensrisiken ist und mit die beste aller möglichen Altersvorsorge-Maßnahmen, insbesondere gegen Altersarmut. Vor allem aber junge Familien brauchen ganz dringend die eigenen vier Wände. Deutschland zählt seit vielen Jahren, nicht erst seit der Wirtschafts- und Finanzkrise, zu Europas Schlusslichtern in Sachen eigenes Zuhause: Hierzulande haben nur rund 52 Prozent ein eigenes Heim, in Italien, um nur ein Beispiel zu nennen, sind es über 70 Prozent. Das sollte unser Ziel sein!

Was halten Sie von Frauenquoten?

Susann ENDERS: Gar nichts. Ich bin gegen JEDE Diskriminierung, ich bin ganz klar auch gegen die Diskriminierung von Männern. Wir müssen dahin kommen, dass es völlig egal ist, ob jemand Mann oder Frau ist – einzig und allein das Können muss zählen. Es stimmt schon, dass Frauen im Schnitt geringere Chancen auf einen beruflichen Aufstieg haben und auch deutlich weniger bezahlt bekommen. Ich bin unbedingt für eine Gleichbehandlung, halte aber eine Frauenquote für den falschen Weg, weil sie Frauen als „Quotenfrauen“ erscheinen lässt. Das schadet Frauen wie Männern.

Kein Fan von Frauenquoten: Susann ENDERS lehnt die Diskriminierung von Männern wie jede andere Diskriminierung entschieden ab.

Anders wählen – ENDERS wählen 

Susann ENDERS ist die Landtags-Direktkandidatin der Freien Wähler im Stimmkreis Weilheim-Schongau. Im übrigen Oberbayern steht die VdK-Kreisvorsitzende über die Zweitstimme zur Wahl: Liste 3, Platz 9.

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