Szenen aus dem Weltcup – Über den Abschied von Didier Cuche und Bode Millers Verspätung

Die Zuschauer waren auch bei der Siegerehrung begeistert und bester Stimmung. Fotos (2): Sehr

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TITUS FISCHER, GAP – Hans Grugger war im Weltcup zurück: 373 Tage nach dem Horror- Sturz in der Kitzbüheler Mausefalle machte der 30-Jährige am Samstagvormittag vor dem Abfahrtsrennendie Streckenbesichtigung mit. Am Freitag hieß der gesamte Skizirkus den „verlorenen Sohn“ im Ziel willkommen. Ein Jahr und sieben Tage nach dem Horror in der Mausefalle der Streif stand er wieder da – und lachte, als wäre nichts geschehen. Hans „Wuzz“ Grugger, der verlorene Sohn der Abfahrtswelt, war zurückgekommen. Nicht nur seine Teamkumpel setzten da ein Strahlen auf, der gesamte Zirkus glänzte selig, als wären Weihnachten und Ostern heuer an einem Tag. „Skifahren macht mir so viel Spaß, das habe ich ein Leben lang getan, das ist einfach meine Sache. Und dieser Besuch hier im Weltcup, der hat das Kribbeln nur noch größer werden lassen.“ Die Idee des Garmisch- Ausfluges kam Grugger am vergangenen Sonntag. Weil Freundin Ingrid Rumpfhuber auf der Universität in Innsbruck zu tun hat, nützte er die Gelegenheit zum Abstecher. Grugger fährt viel frei Ski, nur die Tiefensensibilität des Fußes macht noch Sorgen. Jeder wusste das ewige Warten am Sonntagmittag auf den Start des Super-G auf seine Zeit zu nutzen. So überbrückten vier Schweizer Journalisten die Zeit mit dem schweizer „Nationalsport“, dem Jassen, einem Kartenspiel. Im Training blinke es immer rot und grün in der Unterhose, wenn Christof Innerhofer fährt. Doch es handelt sich nicht um einen „Gag“ des Südtirolers, der einerseits auf seinem Kopf für eine italienische Unterwäschemarke wirbt und andererseits als großer Frauenheld gilt. Es ist ein Sensor, der Daten im Training sammelt. Für die Firma Danese und ihre Entwicklung eines „Airbags“ für Skirennfahrer. Die Schweizer Boulevard-Zeitung „Blick“ sammelte bei Fahrern Unterschriften, dass Didier Cuche doch seine Karriere fortsetzten solle. „Ich weiss nicht ob es alle Läufer ehrlich gemeint haben“, sagte Cuche augenzwinkernd, als ihm die Liste überreicht wurde. Garmisch-Partenkirchens Medien-Chef Gerd Rubenbauer meinte: „Skifahren ohne Didier Cuche ist wie Fußball ohne Franz Beckenbauer.“ Der Garmisch-Partenkirchner Skirennfahrer Andreas Strodl, der derzeit verletzt ist, war bei den Rennen trotzdem im Einsatz. In der Kommentatorenkabine war er an der Seite von Stadionsprecher Roman Roell als Experte tätig. Auch die beiden derzeit verletzten Ski-Asse Susanne Riesch und Isabelle Stiepel ließen es sich nicht nehmen, an der Kandahar die Abfahrt der Herren anzuschauen. Nicht nur bei den Fans, sondern auch bei der derzeit besten Skifahrerin Lindsey Vonn ist Didier Cuche sehr beliebt. „Er geht die Rennen immer mit viel Taktik an. Er ist der klügste Abfahrer den es gibt.“ Sollte sie Lob für den Schweizer. Ob sie es auch auf das oberste Podest in Garmisch-Partenkirchen wird sich am kommenden Wochenende zeigen, wenn am Samstag um 10.30 Uhr die Abfahrt und am Sonntag um 12 Uhr der Super-G gestartet wird. Großen Ärger hatte Bode Miller. Der US-Boy war am Freitagabend zu später zur Startnummernauslosung für das Abfahrtsrennen am gekommen. Alle Fahrer müssen 15 Minuten vor Beginn der Veranstaltung da sein, Miller war drei Minuten zu spät. Daraufhin sanktionierte ihn die Jury: Miller wurde von Startplatz 16 auf 46 verbannt. Am Samstagabend war er zwar pünktlich, aber gab sich sehr wortkarg, als ihn Moderator Roman Roell auf seine dreijährige Tochter Dacey ansprach, die er während der Woche per Flieger aus San Diego nach Europa geholt hatte. Für das Rennen war die „Verbannung“ Millers positiv: So blieb es bis zur Startnummer 46 spannend. Doch der exzentrische US-Boy schaffte es nur auf Rang 35. Vor genau 20 Jahren hatte es Markus Wasmeier besser gemacht: Er fuhr mit der hohen Startnummer 38 noch zum Abfahrtssieg auf der Kandahar. Einer war noch schneller aus dem Zielbereich verschwunden: Didier Défago, der amtierende Abfahrts-Olympiasieder aus der Schweiz. Er hatte nach der Ziellinie die beste Linie gewählt und war ohne Bremsen direkt durch den Ausgang gefunden. Große Kritik gab es an der miserablen Streckenpräparierung zum Training am Donnerstag. „Das Problem war wohl, dass Garmisch für die linke und Partenkirchen für die rechte Seite der Piste zuständig ist“, sagte der Schweizer Cheftrainer Osi Inglin schmunzelnd. Eine Schneekanone hatte über Nacht Kunstschnee auf die rennfertige Piste gefeuert. So musste erst die Piste davon befreit werden und das Training konnte erst verspätet gestartet werden. Ein wenig durften sich auch die Deutschen über den Sieg von Didier Cuche freuen: Denn sein Servicemann Chris Krause ist mit der ehemaligen Deutschen Skirennläuferin Isabelle Huber verheiratet. Nicht wenige Zuschauer hatte ein Schmunzeln der Schadenfreude auf ihren Lippen, als der erste Deutsche Fahrer, Stephan Keppler, ausschied. Schließlich hatte er in den Tagen zuvor harrsche Kritik an Garmisch-Partenkirchen geübt und betont, dass er sich hier nicht wohl fühle. „Sie wollen uns einfach nicht da haben.“ Der "Ski-Bruce Willis" – Didier Cuche wurde verabschiedet GAP – Didier Cuche ist ein ganz besonderer Abfahrer. Er gewann nicht nur zum zweiten Mal nach 2004 ein Abfahrtsrennen auf der Kandahar-Strecke, sondern es ist auch seine Abschiedstour. Bei der Startnummernauslosung machte er Fotos von den Zuschauern. „Ich gebe ehrlich zu, dass ich mir nun mehr Souvenirs mit nach Hause nehme“, sagte er. Der Altstar genießt heute längst Kultstatus, der gelernte Fleischhauer, der als erster Skifahrer die Auszeichnung „Schweizer des Jahres“ bekam ist aus dem Holz, aus dem Publikumslieblinge sind. „Wir begrüßen den Bruce Willis des Skisports“ rief ihm Stadionsprecher Roman Roell entgegen. Mit seinem dritten Saisonsieg stellte der Routinier im heurigen Abfahrtsduell Schweiz – Österreich auf 5:0. Cuche wird offenbar immer besser, je älter er wird: Nach seinem Triumph in Kitzbühel am Wochenende zuvor siegte er nun auf der Kandahar. Es war sein 20. Weltcup-Sieg. „Ob es jetzt 19 oder 18 oder 20 sind, das ist nicht so wichtig. Ich fahre nicht Zahlen hinterher, aber ich gebe schon zu: Ich bin froh über den fünften Sieg in Kitz“, sagte er. Cuche ist mit fünf Siegen alleiniger Rekordhalter auf der Streif. Cuche selbst möchte mit seiner fünften Abfahrtskugel „Au revoir“ sagen. „Wir überlegen, ob ich wirklich bei allen Riesen starte“, erklärte er einen möglichen Verzicht auf vereinzelte Riesentorläufe. Cuche ist ein Perfektionist, das zeigte er auch in Garmisch-Partenkirchen: Er schaute sich ganz lange die Strecke am Morgen beim Befahren an und wählte einen Ski, der im oberen Bereich langsamer, dafür im unteren Bereich schneller war. Als ihn Gerd Rubenbauer nach dem Überreichen des Geschenkkorbs von der Bühne entlassen und die Pressekonferenz beenden wollte, fragte Cuche die Journalistenschar: „Gibt es noch Fragen?“ Cuche tritt eben professionell und respektvoll auf. Übrigens bedankte er sich am Abend vor dem Rennen noch persönlich im Rennbüro dafür, dass seine Eltern einen Sitzplatz auf der Tribüne bekommen hatten – ein besonderer Sportler, der im kommenden Jahr fehlen wird.

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