Thomas Dreßen fährt in der Kombination auf Rang 9 – Marcel Hirscher erstmals Olympiasieger

Medaille verpasst

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Der Mittenwalder Thomas Dreßen fährt in die Top Ten – eine tolle Leistung.

Mittenwald / Pyeongchang – Bei der Kombination gibt es zwei Durchgänge: Die Abfahrt und den Slalom. Der Mittenwalder Thomas Dreßen zeigte im ersten Durchgang, dass er zu den besten Speedfahrern der Welt gehört; dass er dann im Slalom Zeit einbüßen würde, war klar. Am Ende kam er auf einen sehr guten neunten Platz. Bei der WM im vergangenen Jahr war er in der Kombination auf Rang 14 gekommen.

Die Goldmedaille ging an Marcel Hirscher, der damit zum ersten Mal in seiner großen Karriere den Olympiasieg holte. Da die Rennjury entschied, wegen des starken Windes die Abfahrt zu verkürzen und zusätzlich zu entschärfen, waren die Slalom-Spezialisten klar im Vorteil. Dies zeigte sich auch bei den weiteren Medaillengewinnern: Die beiden Franzosen Alexis Pinturault (+0,23 Sekunden) und Victor Muffat-Jeandet (+1,02) kamen auch aufs Podium. „Er ist der größte Skifahrer aller Zeiten“, sagte Pinturault mit Blick auf Hirscher. Seit er mit Hirscher Wettkämpfe bestreite, sei es eine große Ehre für ihn, gemeinsam auf dem Podest zu stehen. Hirscher könne alle Rekorde brechen, es hänge nur davon ab, wie lange er weitermache.

„Natürlich kann er den Stenmark-Rekord auch brechen. Er muss nur weiterfahren bis 33, 34 Jahre. Er ist der Größte und wird der Größte für viele Jahre bleiben“, sagt der Silbermedaillengewinner. Die schwedische Ski-Legende Ingemar Stenmark hält bei 86 Erfolgen im Weltcup, Hirscher bei 55. Der Salzburger wird im März 29 Jahre alt.

Hirscher war besonders mit dem ersten Teil der Kombination, der Abfahrt, die er sonst nicht fährt, zufrieden. „Da war auch viel von Überwinden und unbedingten Wollen dabei. Von dem her ist es eine ideale G‘schicht.“ Der beste Abfahrer dieses Winters, Beat Feuz aus der Schweiz war nicht am Start gewesen.

Nachdem Dreßen mit Startnummer eins ins Rennen gegangen war, saß er rund eine Stunde lang auf dem Sitz für den Führenden. „Das war cool“, sagte der Mittenwalder mit einem verschmitzten Lächeln. Dabei fuhr er „hier und da ein bisschen die weitere Linie.“ Dreßen meinte nach dem Torlauf: „Mit der Abfahrt bin ich zufrieden, mit dem Slalom nicht so. Ich hab mir schon vorgenommen, dass ein besseres Resultat rausspringt.“ Als der Fahrer vom SC Mittenwald nach einer tapferen Slalomfahrt die Ziellinie in Jeongseon überquerte, fiel Hirscher ein Stein vom Herzen. Der einzige Makel in seiner Bilderbuch-Karriere (bisher hatte er bei Winterspielen „nur“ Silber im Slalom 2014 geholt) war nun getilgt. Nach sechs Titeln bei Weltmeisterschaften, nach sechs Siegen nacheinander im Gesamtweltcup endlich der erste Olympiasieg für Hirscher - und der erste in der Kombination für Österreich seit 20 Jahren. Damals hatte Mario Reiter, bei den letzten Winterspielen in Asien gewonnen, damals in Nagano.

„Die Frage nach dem fehlenden Gold ist jetzt weg, das ist das Positive daran. Die Karriere war für mich jetzt auch schon komplett. Meine Karriere war schon nach dem ersten Gesamtweltcupsieg perfekt. Das ist schon viel mehr, als ich mir jemals zugetraut hätte“, meinte Hirscher, der im Zielraum ein Küsschen von Freundin Laura erhielt. „Dass das heute hier funktioniert, ist natürlich eine Draufgabe. Es ist nicht in Worte zu fassen. Aber für mich hat das nicht so viel Wert, wie in Schladming vor 40.000, 50.000 Leuten zu gewinnen. Daheim, bei meinem Heimrennen, meiner Heim-WM. Wir sind hier irgendwo, es sind keine Leute da und wir fahren halt ein Rennen. Klar, der ideelle Wert ist unbeschreiblich groß und viel größer ist er in der Außenwirkung auch noch. Aber heute bin ich einfach saustolz auf mich, was mein Skifahren betrifft“, sagte Hirscher. „Bei all meinen anderen Kombinationen habe ich, glaube ich, mehr Glück auf meiner Seite gebraucht als heute. Aber natürlich bin ich auch froh, dass wir die Abfahrt um zwanzig Sekunden beschnitten haben. Ich glaube zwar nicht, dass der Ausgang viel anders gewesen wäre, aber ich hätte mir sicher schwerer getan, an die Zeit ranzukommen. Der schwere Slalom ist sportlich auf einem sehr hohen Niveau gewesen. Schwer zu fahren, bist du wahnsinnig! Auch für die Slalomfahrer war es nicht leicht, die richtige Linie zu finden.“

Thomas Dreßen meinte zu seiner Leistung im Slalom: „Ich bin im Training besser gefahren, das nervt ein bisschen. Es sei mal dahingestellt, ob es sich für das Podium ausgegangen hätte, aber ein bisschen weiter nach vorne wäre schon gegangen.“ Immerhin: Es war die beste deutsche Platzierung in der Kombination seit dem fünften Rang von Markus Wasmeier 1992 in Albertville, und auch Dreßen kam schnell zu der Erkenntnis, dass es so schlecht dann doch nicht war. Dreßen war der einzige Deutsche in der Wertung. Josef Ferstl und Andreas Sander traten nach der Abfahrt nicht mehr zum Slalom an. Linus Straßer schied im Slalom aus.

Hirscher „ärgerte“ sich nur über eine Sache: er hatte etwas vergessen: Er bekannte, dass ihm ein wichtiges Kleidungsstück für die Siegerehrung fehle: „Schade ist, dass ich meine Lederhose vergessen habe.“

von Titus Fischer

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