Falsche Tierliebe schadet

Tierheim Garmisch und LBV: "Jungtiere in Ruhe lassen"

Jungtiere Tierschutz LBV Tierheim
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Die junge Waldohreule muss das Fliegen noch üben.
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Amseljunges macht sich selbstständig.
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Rehkitze sollte man auf keinen Fall berühren, riechen sie nach Menschen, werden sie vom Muttertier abgestoßen.
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Jungvögel werden oft von den Eltern zeitweise alleine gelassen. Das ist ganz normal.

GAP – Die Brut- und Setzzeit ist in vollem Gange. Wald, Wiesen und Gärten sind momentan die Kinderstube der Wildtiere. Während dieser Zeit melden sich beim Tierheim Garmisch viele besorgte Tierfreunde, die einsame Jungtiere finden. Doch in der Regel sind diese nicht verwaist, mit ihrer unangebrachten Sorge richten die Menschen oft Schaden an. Der Tierschutzverein Garmisch und der Landesverband für Vogelschutz (LBV) raten daher dringend davon ab, Jungtiere aufzulesen.

Im Garmischer Tierheim klingelt wie jedes Jahr das Telefon: „Ich habe ein Rehkitz gefunden, die Mutter kommt nicht mehr,“ oder „ich habe ein ausgesetztes Hasenbaby gefunden.“ Das Tierheim rät dringend davon ab, Jungtiere aufzunehmen. Rehkitze und Junghasen sind in der Regel nicht verwaist. Sie sind gut getarnt und ducken sich bei Gefahr ins Gras. Die Muttertiere lassen ihren Nachwuchs viel alleine, um keine Beutegreifer auf ihn aufmerksam zu machen, kommen aber regelmäßig zum Säugen vorbei. Tessy Lödermann erklärt, was zu tun ist: „Bitte gehen Sie schnell weg und fassen Sie die Tiere nicht an. Wenn Kitze und Hasen den Geruch des Menschen angenommen haben, werden sie oft von den Muttertieren verstoßen und verhungern jämmerlich.“ Nur, wenn alles darauf hindeutet, dass das Jungtier seine Mutter verloren hat, macht es Sinn, das Junge zum Tierheim zu bringen. Dort gibt es eine spezielle Wildtierauffangstation. Das kann man aber erst feststellen, wenn man das Jungtier mehrere Stunden lang alleine beobachtet hat. 

Jungvögel wirken meist hilflos 

Viele Jungvögel verlassen derzeit auch das Nest, noch bevor sie richtig fliegen können und wirken verwaist. Den LBV erreichen zahlreiche Anfragen von ratsuchenden Tierfreunden, die vermeintlich in Not geratenen Vogeljungen helfen wollen. „Die Vogeljungen sind unerfahren und im Fliegen noch etwas ungeübt und wirken deshalb oft hilflos“, sagt LBV-Artenschutzreferentin Dr. Miriam Hansbauer. Doch sie schreien nicht um Hilfe, sondern wollen Kontakt mit ihren Eltern halten, wie Hansbauer betont: „Bitte die Jungvögel unbedingt an Ort und Stelle lassen. Greift der Mensch in dieser sensiblen Phase ein, unterbricht er die Bindung zwischen Alt- und Jungvogel.“ Hilfe würden die Vogeljungen nur benötigen, wenn die Eltern nach zwei bis drei Stunden nicht zum Füttern erschienen seien. Sollte Gefahr drohen durch den Straßenverkehr oder Katzen, sei es durchaus möglich, die Jungen kurz aufzunehmen und auf eine Astgabel oder in den Busch zu setzen, allerdings nicht zu weit weg, sondern noch in Hörweite. Anders als bei Rehkitzen nehmen Vogeleltern ihre Jungen wieder an, nachdem sie von Menschen berührt wurden. 

Für Katzen sind die Jungvögel leichte Beute. Der LBV empfiehlt den Besitzern daher, momentan ihre Katzen, wenigstens morgens und abends, im Haus zu lassen. Wildtierauffangstation füllt sich derzeit Ist ein Jungvogel verletzt oder wird er von seinen Eltern tatsächlich über Stunden nicht mehr gefüttert, nimmt ihn das Tierheim Garmisch gerne in seine Obhut. 

Die Wildtierauffangstation im Tierheim füllt sich derzeit mit verwaisten Jungtieren. Vier Eichhörnchen, zwei Steinmarder und einige Jungvögel werden momentan aufgepäppelt. Tessy Lödermann: „Das bedeutet für die Mitarbeiterinnen kurze Nächte, weil alle vier Stunden gefüttert werden muss. Und wichtig ist uns auch, dass alle Wildtiere wieder ausgewildert werden, wenn sie für sich selber sorgen können.“ kb

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