Hochwassergefahr unterschätzt - Einsatzkräfte waren stark gefordert

Tödlicher Unfall und Notrettungen im Oberland 

Hochwasser Rettung
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Mehrere Notrufe hielten die Einsatzkräfte an Fronleichnam in Atem. Hier Mitglieder der Wasserrettung mit Sandro Leitner (rechts), dem Leiter der Wasserwacht Grainau, bei einer Lagebesprechung.

Region – Nach den heftigen Regenfällen am Mittwoch hatten sich etliche Flüsse im Oberland zu reißenden Fluten verwandelt. In Eschenlohe näherte sich der Wasserstand der Loisach der Meldestufe drei. Zahlreiche Ausflügler unterschätzten an Fronleichnam diese Gefahr und mussten von Rettungskräften geborgen werden. Für einen 37-jährigen Kradfahrer aus Murnau kam jede Hilfe zu spät.

Der Murnauer war mit seinem Krad auf dem Dammweg entlang der Loisach am Donnerstagmittag in einer überfluteten Senke offensichtlich zu Sturz gekommen und unter unter seiner Crossmaschine liegen geblieben. Zwei Spaziergänger fanden ihn im Wasser liegend vor und zogen ihn unter seiner Maschine hervor. Sie begannen sofort mit der Reanimation und verständigten die Rettungskräfte. Diese waren aufgrund eines vorhergehenden Rettungseinsatzes bei Weichs schnell vor Ort und setzten die Reanimation fort. Jedoch konnte der Notarzt nur noch den Tod feststellen. Wann und wie sich der Unfall ereignet hat, kann nicht rekapituliert werden, da der Sturz nicht beobachtet wurde.

Weitere Notrufe hielten die Einsatzkräfte in Atem. Ein Mann aus dem südlichen Landkreis Garmisch-Partenkirchen löste am Donnerstagvormittag eine Rettungsaktion aus. Der 68-Jährige war mit seinem E-Bike auf dem Loisachuferweg von Oberau nach Eschenlohe unterwegs gewesen. Aufgrund des Starkregens in der Nacht führte die Loisach Hochwasser, die Uferwege waren stark überflutet. Davon unbeeindruckt setzte der Mann seine Radtour fort. Im „Pfrühlmoos“ jedoch konnte er aufgrund der Wassertiefe weder weiterfahren noch umkehren. Passanten hörten seine Hilfeschreie und verständigten die Polizei. Kräfte des Einsatzzuges aus Murnau entdeckten den E-Biker bei der Einmündung des Lauterbachs, wo er sich mit beiden Armen an einen Baum geklammert festhielt. Die Rettungsaktion war kompliziert. Letztlich konnte eine Beamtin, die mit einem Seil gesichert wurde, den Mann aus seiner Notlage befreien und ihn an die Feuerwehr Oberau und den Rettungsdienst übergeben.

Der nächste Notruf betraf zwei Kajakfahrer, die gekentert waren und in der Loisach trieben. Die Feuerwehr Murnau sowie die SEG Uffing konnten an der Brücke Achrain die beiden Sportler aus dem Gewässer fischen. Unterstützung erhielten die Einsatzkräfte aus Kochel und Weilheim, auch der Rettungshubschrauber RK2 aus Tirol wurde alarmiert. Um die zwei Gekenterten kümmerte sich anschließend der Landrettungsdienst.

Die Polizei Murnau musste von der Wasserwacht - ebenfalls zur Mittagszeit - zur Unterstützung gerufen werden, da zwei junge Männer (Mitte 20) trotz einer kurz zuvor erfolgten Rettung durch die Wasserwacht ihr Schlauchboot wieder in die Loisach einsetzen wollten, um ihre Flussfahrt trotz des gefährlichen Hochwassers fortzusetzen. Die Polizei konnten die beiden jungen Männer schließlich davon überzeugen, dass eine Weiterfahrt zu gefährlich sei.

Und auch dieser Einsatz hatte mit dem Starkregen am Mittwoch zu tun: Trotz der schlechten Wetterprognosen waren am Mittwochnachmittag fünf Ausflügler aus Nürnberg am Kesselberg (Landkreis Bad Tölz) zum Canyoning aufgebrochen. Die Gruppe hing schließlich im Heckenbach zwischen Walchensee und Kochelsee fest und musste von Rettungskräften aus ihrer Notlage befreit werden. Gegen 19.50 Uhr erst hatte die Gruppe den Notruf abgesetzt. Für die Helfer von Bergwacht, Feuerwehr und Wasserwacht bedeutete das einen aufwendigen Einsatz bei Starkregen und einsetzender Dunkelheit, der riskant und erst gegen 22.30 Uhr geschafft war. Die Bergwacht und Feuerwehr Kochel, die Spezialeinsatzgruppe Canyoning mit Kräften aus Lenggries sowie Bergwachtkameraden aus Grainau, Ohlstadt, Oberau, Bad Tölz, Krün und Wallgau sowie BRK und Polizei waren zu diesem Einsatz ausgerückt. Allein von Bergwacht und Feuerwehr waren 55 Einsatzkräfte vor Ort. Ein Mitglied der Nürnberger Gruppe musste über die Drehleiter gerettet werden, die anderen vier seilte die Bergwacht durch das Gelände bis zur unteren Klammbrücke ab. Die drei Männer und zwei Frauen im Alter von 30 bis 42 Jahren konnten ohne erkennbare Verletzungen dem Notarzt übergeben werden und wurden ambulant versorgt.   tra 

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