Gegen Rassismus und Antisemitismus

Toleranz-Preis für Christian Stückl: Leiter der Passionsspiele geehrt

Christian Stückl bei den diesjährigen Proben zu den Oberammergauer Passionsspielen. In seiner künstlerischen Arbeit setzt er sich mit den Themen Rassismus und Antisemitismus auseinander. Die Inszenierung der Passionsspiele hat er von antisemitischen Darstellungen befreit.
+
Christian Stückl bei den diesjährigen Proben zu den Oberammergauer Passionsspielen. In seiner künstlerischen Arbeit setzt er sich mit den Themen Rassismus und Antisemitismus auseinander. Die Inszenierung der Passionsspiele hat er von antisemitischen Darstellungen befreit.

Tutzing / Oberammergau – Mit dem Toleranz-Preis der Evangelischen Akademie Tutzing wird in diesem Jahr Theaterintendant Christian Stückl ausgezeichnet. Für seinen künstlerischen Einsatz gegen Antisemitismus und Rassismus.

Der Intendant des Münchner Volkstheaters und Leiter der Oberammergauer Passionsspiele erhält den nicht dotierten Ehrenpreis in der Kategorie „Zivilcourage“ für sein langjähriges Engagement gegen Antisemitismus. Damit leiste er „in der Welt des Theaters einen unübersehbaren Beitrag zur Verständigung", wie der Direktor der Akademie Udo Hahn betonte.

Die Akademie würdigt sein langjähriges Engagement gegen Antisemitismus. Seine Inszenierungen wie „Ghetto“, „Der Stellvertreter“, „Nathan der Weise“, „Hiob“ oder „Der Kaufmann von Venedig“ seien leidenschaftliche Plädoyers gegen Rassismus und Antisemitismus, wie Hahn es formuliert. Stückl habe mit seiner Arbeit zum Ausdruck gebracht, dass in einer freiheitlichen Gesellschaft Menschen unterschiedlicher Herkunft friedlich zusammenleben können. Überdies habe er als Leiter der Oberammergauer Passionsspiele Mut und Überzeugungskraft bewiesen. Er habe die Inszenierung von Anti-Judaismen befreit. 

Passionsspiele Oberammergau und der Antisemitismus

„In der Historie aller Passionsspiele gab es immer einen latenten Antisemitismus. Die Juden wurden für den Tod Jesu verantwortlich gemacht", äußerste Stückl einmal. Als er 1990 mit 27 Jahren seine erste Passion inszenierte, wollte er das ändern. Die Anti-Defamation League und des American Jewish Committee hatten bereits über 30 Jahre zuvor Änderungsvorschläge erarbeitet. Christian Stückl wollte alle 18 Forderungen umsetzen und das Stück umschreiben, wurde aber vom theologischen Berater der katholischen Kirche ausgebremst. Unter Joseph Ratzinger war die Kirche wieder konservativer geworden.
„Nach so einer langen Zeit, in der wir unbeweglich waren, müssen wir das jetzt machen und schauen, dass wir die Vorwürfe aus der Welt schaffen“, sagte Stückl damals und erreichte, dass im Jahr 2000 eine umgeschriebene Version auf die Bühne gebracht wurde. Zusammen mit seinem Dramaturgen Otto Huber schrieb er ganze Szenen neu: "Mir geht es darum, Jesus runter auf den Boden zu holen und verstehbar zu machen.“ Stückl wollte nicht länger auf Klischees setzen, sondern eine im Grunde allzu menschliche Geschichte zu ergründen. 

Zum Toleranz-Preis

Der Ehrenpreis wurde 2012 eingeführt. Das „Bayerische Bündnis für Toleranz – Demokratie und Menschenwürde schützen“, die ehrenamtliche Sprecherin des Chaos Computer Clubs, Dr. Constanze Kurz, der Kabarettist Christian Springer sowie die Journalistin Dunja Hayali waren die bisherigen Preisträger.  Seit 2000 wird der Toleranz-Preis im zweijährigen Turnus auch als Anerkennung für das Lebenswerk vergeben. Geehrt werden Persönlichkeiten, die sich für die Verständigung zwischen Menschen, Nationen, Religionen und Kulturen einsetzen.  kb

Besuchen Sie uns auch auf Facebook

Auch interessant

Meistgelesen

Neue Kirchenglocken von St. Anna am Wamberg geweiht
Neue Kirchenglocken von St. Anna am Wamberg geweiht
Richard-Strauss-Festival und BR KulturBühne: Talksendung ab heute online
Richard-Strauss-Festival und BR KulturBühne: Talksendung ab heute online
„Kinderfreundliche Kommune“: Kinder gestalten neuen Spielplatz mit
„Kinderfreundliche Kommune“: Kinder gestalten neuen Spielplatz mit
Wallgauer Trachtler weihen neue Vereinsfahne
Wallgauer Trachtler weihen neue Vereinsfahne

Kommentare