Umbau der St. Martin-Straße startet bald, nichts Neues zum Kongresshaus: 15. Marktgemeinderatssitzung verlief verhältnismäßig ruhig

Erst die Ehrungen, dann der Hickhack

Gemeinderatssitzung
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Generalleutnant a. D. Keith W. Dayton trägt sich in das Goldene Buch ein, neben ihm seine Ehefrau.

GAP – Durch die große Fensterfront des Festsaals Werdenfels fällt die Abendsonne, draußen leuchtet der Michael-Ende-Kurpark in den schönsten Frühlingsfarben. Es ist, als wollte sich das Garmisch-Partenkirchner „Problemkind“ trotzig in voller Pracht zeigen: Schaut nur alle her, was ihr an mir habt! Denn die Zukunft des Kongresshauses ist weiter ungewiss. Auch bei der 15. Gemeinderatssitzung des Marktes am 20. Mai änderte sich daran nichts.

Ehrungen

Einen würdigen Rahmen bot der Festsaal für Herrn Generalleutnant a. D. Keith W. Dayton, der sich in das Goldene Buch der Marktgemeinde eintrug. Nach über zehn Jahren verlässt er zum 31. Mai seinen Posten als Direktor des George C. Marshall-Centers. Bestimmt würde er Garmisch-Partenkirchen vermissen, so Bürgermeisterin Koch in ihrer Laudatio, die sie respekthalber auf Englisch hielt. Eine kleine Abordnung des Gebirgsmusikkorps untermalte die Zeremonie musikalisch.

Mit der Goldenen Bürgerplakette ausgezeichnet wurden anschließend die Herren Hansjörg Bauer, Walter Kretschmer und Dr. Horst Ostertag für ihre 40jährige Mitwirkung bei der Bergwacht. Dabei wies die Bürgermeisterhin launig auf die individuellen Besonderheiten im Einsatz hin: Der stellvertretende Einsatzleiter Bauer betreute u. A. die Diensthütte am Hausberg, Chirurg Dr. Ostertag erteilte den Kollegen Anatomie-Schulungen und hat als „geländegängiger“ Arzt viele Leben gerettet. Kretschmer schließlich kümmerte sich um den Fuhrpark und ist als (immer noch aktiver) Fahrer allseits beliebt – nicht zuletzt für die frischen Weißwürste.

Klimaneutrale Verwaltung

Höher schlugen die Gemüter beim nächsten Tagesordnungspunkt, der von den Grünen beantragten „Klimaneutralen Verwaltung bis 2030“. Dem bereits vorliegenden Maßnahmenkatalog warf Fraktionssprecher Dr. Stephan Thiel fehlende konkrete Vorgaben und „keinen Entwicklungsdruck“ vor.

Nach einem emotionalen Appell von Alexandra Roos-Teitscheidt wurde der Antrag knapp mit einer 13:13-Pattsituation abgelehnt. „Jetzt haben wir gar keinen“, folgerte Koch, die Thiels Kritik nicht gelten ließ: „Wir tun schon was!“

Ein wegweisender Beschluss erging auf den gemeinsamen Antrag der SPD und der Grünen, die in Gemeindehand befindlichen Wohnungen – je nach Zählweise 196 oder 224 – durch eine neu zu gründende Gesellschaft verwalten zu lassen. „Damit rennen Sie bei mir offene Türen ein“, so Bürgermeisterin Koch. „Die Mieten müssen aus dem Haushalt raus.“ Nach etwas Hin und Her beschloss man den Antrag einstimmig, der Haupt- und Finanzausschuss wird über das weitere Vorgehen beraten.

Olympiasaal wird Testzentrum

Nichts Neues hingegen zur anderen großen Immobilienfrage des Marktes, dem Kongresshaus: GaPa-Tourismus-Chef Michael Gerber referierte über Änderungen des Nachfrageverhaltens und allerlei unsichere Faktoren, die eine konkrete Entscheidungsfindung weiter behindern. Zuerst müssen ohnehin die 2277 vollständig ausgefüllten Fragebögen der letzten Bürgerbefragung ausgewertet werden. Dennoch kehrt für die nächste Zeit zumindest in den Olympiasaal wieder Leben ein: Die Werbegemeinschaft darf ihn kostenfrei als Testzentrum verwenden.

Hübsch gemacht für eine ungewisse Zukunft: Das Kongresshaus von der Konzertmuschel aus betrachtet.

Umbau St. Martin-Straße

Längst überfällig, wie so vieles wegen Corona etwas verspätet: Endlich wird die St. Martin-Straße auf 750 Metern Länge erneuert, und zwar schon ab Mitte Juni. Drei Monate sollen die Arbeiten dauern, zur Ausführung gelangt die Tiefbaufirma Richard Schulz. Der Ausbau erfolgt in 4 Teilabschnitten mit halbseitiger Verkehrsführung und tageweiser Vollsperrung. Dabei werden die Deck- und Bindeschichten abgefräst, die vorhandenen Mittelinseln ausgebaut und vier behindertengerecht ausgebaute Querungshilfen hergestellt. Der Einbau von Grünflächen (sogenannte Fahrbahnverschwenkungen) dient der Geschwindigkeitsreduktion, die Stellflächen werden auf maximal 41 (wechselseitig) reduziert. Ein Antrag der Grünen auf die Streichung der Parkmöglichkeiten zugunsten breiterer Fahrradwege wurde 10:17 abgelehnt – es bleibt, so Marktbaumeister Jörg Hahn, bei dem „Kompromiss mit merklicher Sicherheitserhöhung für alle Verkehrsteilnehmer.“ CSU-Fraktionsvorstand Anton Witting: „Wenn wir mal wieder mehr Geld haben, dann können wir goldene Radwege bauen.“

Olympia-Eissportzentrum

Wenig Kontroverses gab es hingegen beim Sport, da der geplante Tagesordnungspunkt zur Verkehrsabwicklung rund um das Eisstadion auf einen separaten, eigenen Termin verschoben wurde. Besonders die Diskussion um die geplanten Parkmöglichkeiten hätte wohl den Rahmen der Ratssitzung gesprengt. Die Fördermittel für den Eishockey Nachwuchs, den SC Riessersee Hauptverein und auch den TSV 1899 wurden wie üblich einstimmig beschlossen.

Kirchplatz Ludwigstraße

Freuen dürfen sich die Bürger auf die anstehende Umgestaltung des Kirchplatzes in der Ludwigstraße, einer seitens des Bauamts „sehr begrüßenswerten“ Maßnahme: Die Mittel in Höhe von insgesamt 120 000 Euro als Beteiligung des Marktes wurden freigegeben.

Kita-Vergrößerung Brunntalstraße

Einigkeit herrschte auch beim Beschluss, die Kindertageseinrichtung (Haus für Kinder) in der Brunntalstraße 2 zu erweitern. 80.000 Euro schießt die Marktgemeinde zu, um acht weitere Betreuungsplätze zu schaffen. Angesichts der angespannten Lage (auch für das Jahr 2021/2021 können voraussichtlich nicht alle Kinder einen Platz erhalten) immerhin ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die mehr oder weniger kleinen Scharmützel zwischen Martin Sielmann (FDP) und der Bürgermeisterin sind nicht neu. Diesmal erstreckten sie sich auf die ganze CSU-Fraktion: Vorstand Anton Witting verwehrte sich, sichtlich aufgewühlt, gegen Korruptionsvorwürfe. „Wir b’scheißn ned!“ Sielmann ließ sich den Satz wiederholen, Witting übersetzte auf Hochdeutsch: „Wir betrügen nicht“. Eigentlich ein unterhaltsamer Ausklang für eine eher unspektakuläre Sitzung. klae

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