Konsens zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz

Verschiebung des Walzverbots als annehmbarer Kompromiss 

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In unserer Region ist das Walzen auf Grünland dieses Jahr zum Schutz der Tiere nach dem 8. April verboten.

Region – Einer der umstrittensten Punkte des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ ist das Grünland-Walzverbot ab dem 15. März. Nun wurde es durch eine Allgemeinverfügung der Regierung von Oberbayern zum zweiten Mal verschoben. In unserer Region darf bis zum 8. April gewalzt werden. Der Kompromiss, der aus der Debatte gewachsen ist, zeigt, dass Landwirtschaft und Naturschutz sich auch einig sein können.

Das Walzen von Grünland findet zu Beginn des Frühjahrs statt und dient dazu, dass der Boden sich nach dem Winterfrost rückverfestigen kann. Die Pflanzenwurzeln werden durch das Walzen wieder fest mit dem Erdreich verbunden. Dadurch können die Gräser besser wachsen. Während des Walzens darf der Boden weder zu nass noch zu trocken sein. Die Zeitspanne mit optimalen Bedingungen beträgt meist nur wenige Tage und variiert von Jahr zu Jahr, aber auch von Region zu Region. Die Vegetationsphasen und klimatischen Bedingungen zum Beispiel in Franken weichen stark von denen in unserer Re­gion ab. 

Spielraum für die Bezirksregierungen

Um bodenbrütende Vögel, Amphibien und Insekten zu schützen, hat das Volksbegehren Artenvielfalt im Änderungsgesetz festgelegt, dass ein Walzen nach dem 15. März grundsätzlich nicht mehr erlaubt ist. Diese Regelung stieß auf großen Widerstand bei den Landwirten und beim Bayerischen Bauernverband (BBV). Sie sei in der Praxis nicht umzusetzen, weil es Regionen gebe, in denen zu diesem Zeitpunkt die Wiesen noch schneebedeckt seien. Das auf einen bayernweiten Termin festgelegte Verbot wurde schließlich durch das sogenannte „Versöhnungsgesetz“ aufgelockert – ein Begleitgesetz, das unter anderem die Interessen der Landwirte berücksichtigt und Ausnahmeregelungen festlegt. Es berechtigt die Bezirksregierungen, den Termin auf der Grundlage von Daten der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zu verschieben. Ausgenommen sind Wiesenbrütergebiete, wo grundsätzlich nach dem 15. März nicht mehr gewalzt werden darf. Die starken Niederschläge der letzten Wochen vor allem im Süden Oberbayerns ließen ein Walzen der Grünlandflächen ohne Bodenschäden kaum zu.

Bayernweiter Termin nicht umsetzbar

Kreisobmann des BBV Klaus Solleder erklärt, das Problem einer in ganz Bayern geltenden Regelung sei, dass sich die Bedingungen in den verschiedenen Regionen zu sehr unterscheiden würden. „Die Landwirtschaft kann sich nicht nach Terminen richten, sie geht nach der Natur“, betont er. Muss das Walzen denn unbedingt sein? Das Projekt „Landwirtschaft für Artenvielfalt“, das unter anderen von der Weltumweltorganisation WWF und dem Leibnizzentrum für A­­grarforschung (zalf) unterstützt wird, fordert einen gänzlichen Verzicht. „In unserer Region ist das Walzen besonders wichtig, weil die Kühe im Sommer auf der Weide sind. Die Trittschäden müssen behoben werden, sonst würden die Pflanzen stellenweise nicht mehr wachsen und keine grünen Wiesen mehr entstehen“, erklärt Klaus Solleder. 

Naturnahe Landwirtschaft in der Region

Dass Landwirtschaft und Umweltschutz nicht im Widerspruch stehen, werde im Landkreis schon lange bewiesen. Davon ist Solleder überzeugt. Die Landwirte würden ohnehin sehr naturnah arbeiten. Daher sei das Volksbegehren von den heimischen Bauern als besonders ungerechter Angriff auf die Landwirtschaft empfunden worden. Mit der aktuellen Regelung ist Solleder dennoch einverstanden: „Wenn die Verschiebung des Termins auch in Zukunft so unproblematisch bleibt, dann ist das ein Kompromiss, mit dem man leben kann.“ Auch Joachim Fünfstück, Kreisgruppenvorsitzender des Landesverbands für Vogelschutz (LBV), kann den Termin am 8. April akzeptieren. Wenn nur bis dahin gewalzt werde, sei das in unserer Region vertretbar. „Eine bayernweite Regelung hätte nicht funk­tioniert“, meint auch er. Ein Konsens, der optimistisch stimmt. moc

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