Wo ist die "Via Raetia"? – Heimatforscher vom Landesamt für Denkmalpflege mit Suche beauftragt

Jürgen Proske beugt sich über Spuren aus längst vergangenen Tagen. Foto: Kaiser

Garmisch-Partenkirchen, April 2010: Voller Aufregung eilten die zwei Heimatforscher Andy Kaiser und Jürgen Proske in die Redaktion des KREISBOTEN. Sie hatten einen besonderen historischen Fund gemacht, über den wir berichteten: Eine uralte Geleisestraße aus römisch-antiker Zeit bei Garmisch-Partenkirchen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalplfege nahm diese Entdeckung damals freudig zur Kenntnis. Jetzt dankte die Behörde in einem zweiseitigen Schreiben den beiden Entdeckern und trat mit einem Auftrag an sie heran.

Es ist ein hoch interessanter Fund, den Kaiser und Proske mit dieser Geleisestraße gemacht haben. Es handelt sich dabei um Rinnen, die in der Antike und im Mittelalter oft in den Fels geschlagen wurden, um den Wägen das Gelände wegsamer zu machen, oder sich einfach ergeben haben durch die Wagenräder, die immer wieder über den Weg gerattert sind und bestehende Spuren weiter ausgeschürft haben. Diese Geleisestraße hier, nimmt Proske an, ist durch Verschleiß entstanden. Er und Kaiser vermuten sogar, dass diese Strecke ein Teil der verloren gegangenen Römerstraße ist, der antiken „Via Raetia“, die sich durch den Landkreis zieht. Ihr genauer Verlauf ist aber nicht klar. Der letzte bekannte Punkt ist in Klais, sagt Proske, wo sich auch eine Karrgeleisstraße aus dem Boden schälte. Der nächste Punkt dieser Römerstraße befindet sich in der Nähe des Altenheims in der Hindenburgstraße. „Das überrascht eigentlich nicht, denn dort wurde ein sogenanntes römisches Körpergrab gefunden. Wenn keine Feuerbestattung in Frage kam, beerdigten die Römer ihre Toten immer entlang der Straßen, nie innerhalb der Siedlungen.“ Die beiden Heimatforscher aus Garmisch-Partenkirchen hatten sich mit ihrer Entdeckung dieser bislang undokumentierten 600 Meter langen Geleisstraße seiner Zeit an die Behörden gewandt. Dr. Martin Peitsch, Gebietsreferent für Bodendenkmalpflege des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, bedankte sich kürzlich bei Kaiser und Proske für den an die Behörde übergebenen „ausgezeichneten Bericht über die Altstraße nach Wamberg“. Der Experte machte sich an eine Ortsbegehung und bestätigte den nachrömischen Charakter des Weges von offizieller Seite. Die von Kaiser und Proske erfassten Grundlagendaten wurden inzwischen in das Inventar des Landesamtes für Denkmalpflege als „Hohlweg mit Geleisen unbekannter Zeitstellung“ unter der Registrierungsnummer E-2011-1022-1 übernommen. Das Landesamtes für Denkmalpflege, wie es in dem Schreiben heißt, erachtet die von Kaiser und Proske wissenschaftlich erfassten Wege als „frühe Denkmäler der Ortsgeschichte“ und definiert sie als unbedingt erhaltungsnotwendig. Die behördliche Bitte an die beiden Entdecker, „von Zeit zu Zeit ein Auge darauf zu haben“, krönt den Wert dieser Entdeckung. Doch bei dieser Entdeckung soll es nicht bleiben. Die Behörde trat an die beiden Heimatforschern mit dem Vorschlag an, den Verlauf der antiken „Via Raetia“ durch den Landkreis Garmisch-Partenkirchen herauszufinden. Die Erfassung über den Verlauf stützt sich aktuell auf überholte Unterlagen von 1928 von Barthel Eberl. Das Bayerische Landesamtes für Denkmalpflege bat um eine aktuelle, GPS-basierte Neuerfassung. „Das ist wirklich ein sehr schönes und großes Projekt und wir sind froh, dass Landesdenkmalamt mit uns zusammenarbeitet, weil es ja so viele Denkmäler gibt im Landkreis. Es ist aber auch ein sehr wichtiges Projekt für die historische Erfassung, eben weil vorhandene Daten so alt sind“, sagt Proske. Licht ins Dunkel soll die Methode der Luftbildarchäologie bringen und die Straße wird im Gelände nochmal genau definiert. Ein großes Vorhaben, das viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Luftbilder, die bereits gemacht sind, werden den Winter über ausgewertet. „Dann, im Frühjahr und im Sommer, ist Man-Power gefragt, wenn wir die Begehung starten“, weiß Proske. Um festzustellen, ob Teile der Straße verschüttet oder überbaut wurden, müssen mehrere Kräfte ausrücken. Ob bei Funden eine Freilegung erfolgt, wie z.B. bei römischen Meilensteinen oder wenn das Fundament einer Reisestation entdeckt wird, entscheidet dasDenkmalamt. Kaiser und Proske hoffen, dass sich viele freiwillige Helfer melden, die an diesem ehrenamtlichen Projekt mitarbeiten möchten. Melden kann sich jeder, der Interesse hat, unter Tel. 08821/7303143 oder über www.kaiser-geotrekking.de und www.fragen-forschen-finden.de.

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