Nach 28 Jahren im Amt

Vierschanzentournee-Urgestein Walter Hofer nimmt Abschied 

Walter Hofer Vierschanzentournee Skispringen
+
Seit fast drei Jahrzehnten ist Walter Hofer FIS-Renndirektor für den Internationalen Skiverband. Nun verabschiedet er sich.

Skispringen ohne ihn geht eigentlich gar nicht. Walter Hofer ist seit Ewigkeiten an den Schanzen dieser Welt dabei, doch nun hat der FIS-Renndirektor am vergangenen Dienstag seine letzte Vierschanzentournee begleitet.

Seit fast drei Jahrzehnten ist Hofer im Amt. Mit stoischer Ruhe stand der Österreicher auch am Neujahrstag an der Schanze in Partenkirchen. Er ist Teil einer Sportart, die er zu der gemacht hat, was sie heute ist: Skispringen ist ohne Hofer ebenso wenig denkbar wie Hofer ohne Skispringen. 

„Ich bin stolz, dass ich selber entschieden habe, wann ich aufhöre“, sagt der 64-Jährige: „Ich muss nicht weitermachen, bis jemand fragt: Was tut der Alte mit der Schaufel da draußen?“ Seit 1992 bekleidet er für den Internationalen Skiverband das Amt des Renndirektors im Skispringen. Was Hofer in seiner Amtszeit getan hat, war weit mehr als bloßes Funktionärstum. Er, der Quereinsteiger, hat aus einer angestaubten Sportart für verwegene Naturburschen ein modernes Format gemacht. „Walter hat einen riesigen Anteil an der Erfolgsgeschichte des Skispringens“, sagt der deutsche Bundestrainer Stefan Horngacher über seinen Landsmann, der von der Begrenzung der Starterfelder über die Windregel mit Bonus/Minus-Punkten bis zur Einführung der Laserlinie im Aufsprung revolutionäre Neuerungen durchsetzte.

Bei der Nordischen Ski-WM 1985 in Seefeld war der Kärntner, der eigentlich Johann Hofer heißt und auch auf diesen Vornamen hört, erstmals mit dem Skisprung-Zirkus in Kontakt gekommen: „Ich war Masseur beim österreichischen Team, ein tolles Ereignis.“ Seine Vita bis dahin böte Stoff für einen Bildungsroman: „Ich war im Verwaltungsdienst bei der Eisenbahn. Nachdem ich den Beamtenstatus erreicht hatte, habe ich den Dienst quittiert.“ Hofer studierte Sport, knetete die Austria-Adler um den jungen Springer Horngacher, wurde ihr Konditionstrainer, dann Co-Trainer der Deutschen, schließlich von der FIS wegverpflichtet. Hofer, der sich auch um die PR kümmern sollte („Ich habe eine Ergebnisliste per Fax verschickt, das war damals die Öffentlichkeitsarbeit“), erkannte des Skispringens Kernprobleme. „Wir hatten damals in Oberstdorf 125 Starter im ersten Durchgang! Nach Nummer 70 wurde abgebrochen, der Anlauf verändert und neu angefangen. Es ging weiter mit Nummer 71, die ersten 70 sind nachgesprungen“, erzählt er. Das Fernsehen war schon längst ausgestiegen. Heute springen 50 Athleten im ersten, 30 im zweiten Durchgang, es dauert so lange wie ein Fußballspiel – ideal für das Fernsehen. Und vor allem „ist es uns gelungen, eine Risikosportart sicherer zu machen“, sagte Hofer.

Was nach der Saison für Walter Hofer kommt? Der Österreicher lässt seine Zukunft offen, genießt die letzten Tage in einem Amt, das er nie als bloßen Job empfunden hat: „Was ich in den 28 Jahren gemacht habe, bezeichne ich als privilegierte Freizeit.“ – schön, wenn man so etwas sagen kann. tf

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus der Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Garmisch-Partenkirchen auch auf FACEBOOK.

Auch interessant

Meistgelesen

Was das abgesagte Strauss-Festival kostet
Was das abgesagte Strauss-Festival kostet
Tödlicher Unfall bei Uffing
Tödlicher Unfall bei Uffing
Segnung der neuen Kirchenglocken
Segnung der neuen Kirchenglocken
CSU-Kreistagsfraktion fordert den Einsatz von „Rangern“
CSU-Kreistagsfraktion fordert den Einsatz von „Rangern“

Kommentare