Dramatische Zeiten

Stimmungsvolles Wallgauer Theater auf der Floßbühne beeindruckte das Publikum

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Jakob wurde angeschossen . . . die Familie ist entsetzt.

Wallgau – Es ist noch eine ruhige warme Nacht, ein paar Sterne und ein zunehmender Mond werfen einige Strahlen auf ein Floß am Isarufer. Im nahen Wald raschelt und knackt es und ein leichter Windhauch bewegt das Wasser.

Auf dem Floß hat sich die Familie des kraftvollen, energischen Floßmeisters (Hans Zahler sen., der den Einakter verfasst hat) versammelt. Mit dabei sind die Mutter (Regina Sprenger), eine resolute Frau, die im Dorf Krankheiten heilt, Tochter Sophie (Sophie Holler), lieb und etwas ängstlich und Sohn Jakob (Hannes Zahler), lebhaft und tapfer, sowie zwei weitere Flößer (Martin Geierstanger, Anton Neuner) und ihre Frauen (Ulrike Baumann und Gabriele Beyermann). Sie unterhalten sich laut und verärgert über die schlechten Zeiten und die Ausbeutung der Flößer, über die neuen Steuerabgaben und Zölle. „Man könnte ja verhungern, wenn man nicht mal heimlich im Wald wildern würde“, heißt es. Doch da ist Vorsicht geboten vor den Jägern.

Aber das alles interessiert die hohen Herren nicht. Und so setzt die burschikose Mutter eine Bittschrift auf: „Gleiches Recht für alle, Steuern und Zölle zahlen wir nicht, wir wollen nicht mehr abhängig sein und schießen auch das, was wir zum Essen brauchen. Wir wollen wieder frei sein“. Alle unterschreiben. Während der Debatte um die Bittschrift hat sich Sohn Jakob heimlich den Stutzen des Vaters genommen und ist im Wald verschwunden. Angst kommt auf, „wo ist denn mein Bruder“, fragt Sophie verzweifelt und der Vater bittet, „lieber Hergott, lass mein Buben lebend zurückkommen.“ Doch da hört man vom Wald her drei laute Schüsse und erstarrt.

Auch das zahlreiche Publikum auf den Holzbänken ist erschrocken. Auf einer Tannenholzbahre wird nun Jakob auf die Floßbühne getragen und abgesetzt. Er lebt noch und flüstert den herbeilaufenden Eltern und der Schwester zu: „I hab an Bock g‘schossen, doch dann haben mich die Jager in den Rücken ‘troffen. Holt den Bader und den Pfarrer.“ Weinend sitzen sie an der Bahre. Und Jakob sagt noch: „I hör mein‘ Lieblingswalzer . . . den i mal tanzt hab, jetzt ganz laut . . . und dann werd i zu einem Stern am Himme. Und schau runter“!

Mit anklagenden Worten des Vaters schließt der Einakter: „Man muss sich nicht alles gefallen lassen, aber wir hatten keine Freiheit und keinen inneren Frieden. Doch in hundert Jahren sieht die Welt sicher ganz anders aus. Und ‚Unfreie‘ gibt es dann nicht mehr und aus den Flößen sind längst Schiffe geworden, aber mein Bua hat dafür zahlen müssen . . .“ Applaus schallt weit in die Nacht hinein und belohnt die Theaterspieler. Autor Zahler hat ein dramatisches Theater gekürt, was noch im 19. Jahrhundert fast opportun und normal war. Sensibel und mit dem nötigen bayerischen Appeal hat er den Einakter auf die Bühne gebracht. Jeder der acht Akteure schlüpft überzeugend in seine Rolle und hat sie mit Bravour bestanden.

Musikalische Untermalung kam von der „Jagerstand Musi“ mit Korbinian Sprenger, Florian Häffner Anton Neuner jun. und Ulrike Baumann jun.


Um dem „Mythos Bayern“ auch in Wallgau die Ehre zu erweisen, hatte vor Beginn des Theaterstücks der Kultur-Gemeinderat Hans Baur seinen Auftritt. Er sprach über den in Oberammergau geborenen Schriftsteller Ludwig Thoma (1867-1921). Bauer streifte auch einen sechswöchigen Gefängnis­aufenthalt von Ludwig Thoma, in dessen Verlauf er seine bekannten Theaterstücke „Moral“ und „Magdalena“ schrieb. 1905 entstanden seine „Lausbubengeschichten“ und erst 1916 die heute noch immer wieder gelesene und aufgeführte „Weihnachtsgeschichte“. In Rottach-Egern baute Thoma sein Haus „auf dem Tuften“. 1907 heiratete er, seine Frau war Erbin des Hauses und überlebte ihn fast 50 Jahre. Thoma starb 1921 und wurde in Rottach-Egern begraben, ganz in der Nähe seines Kollegen Ludwig Ganghofer.

Weitere Aufführungen folgen an den Dienstagen, 14. August und am 4. September, jeweils 19.30 Uhr. Karten gibt es bei der Tourist-Info.

von Kornelia Wehmeier

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