Wallgauerin will Weltcup-Führung verteidigen – Magdalena Neuner leistete sich in Nove Mesto ein "Crossfire" und lief mit Wut im Bauch trotzdem auf ...

Wall

gau / Antholz – Magdalena Neuner macht auf ihrer Abschiedstour gerade in Antholz Station. Dort finden derzeit Weltcuprennen statt. Es ist eine Art Rückkehr zu den Anfängen, denn dort holte sie vor fünf Jahren drei WM-Titel und wurde zur Gold-Lena. „Die Strecken liegen mir richtig gut, mit der Höhe habe ich normalerweise auch keine Probleme, und auch sonst habe ich nicht die schlechtesten Erinnerungen an Südtirol“, sagt Neuner. Am vergangenen Wochenende im tschechischen Nove Mesto landete sie auf den Plätzen drei und sieben – ein kurioses Missgeschick war da im Spiel. Zunächst fand das Sprintrennen statt. Bei starkem Wind und im Laufe des Wettbewerbs immer dichterem Schneefall blieb Olga Saizewa als einzige von insgesamt 92 gewerteten Athletinnen ohne Schießfehler. Mit einer Zeit von 23:08,1 Minuten distanzierte sie die Konkurrenz deutlich. Die zweitplatzierte Tora Berger hatte im Ziel einen Rückstand von 25,5 Sekunden auf Saizewa, die Norwegerin hatte aber wegen zweier Schießfehler eine doppelte Strafrunde zu absolvieren. Neuner, die zuvor drei Sprint-Weltcups in dieser Saison für sich entschieden hatte, zeigte in der Loipe ihre gewohnt starke Leistung. So war die Wallgauerin trotz ihrer drei „Fahrkarten“, die sie alle beim zweiten Schießen im Stehen schoss, am Ende nur um 34,4 Sekunden langsamer als die Russin. Neuner, die in elf Saisonweltcups neun Mal auf dem Podest stand, sagte nach dem Rennen: „Der Schneefall war im Wettkampf schon ziemlich verrückt und man lief zeitweise stark gegen den Wind. Manche kamen durch. Beim Stehendschießen musste man viel Glück haben.“ Bundestrainer Uwe Müßiggang bezeichnete die äußeren Bedingungen als „grenzwertig“. „Das Liegendschießen ging noch einigermaßen, entscheidend war heute das Stehendschießen. Das war für einige Starterinnen nicht mehr beherrschbar“, urteilte Müßiggang. In der Tat leisteten sich einige Top-Athletinnen beim zweiten Schießen ungewohnt viele Fehler. So waren es bei Kaisa Mäkäräinen, der finnischen Siegerin im Einzelwettbewerb von Nove Mesto, gleich fünf. Auch Miriam Gössner hatte Probleme mit den Bedingungen. Sie leistete sich fünf Fehler und kam auf Rang 37. Zum Abschluss der Wettbewerbe in Nove Mesto fand dann das Verfolgungsrennen statt. Magdalena Neuner schoss dabei – in Führung liegend – im dritten Schießen auf die falschen Scheiben und wurde dennoch Siebte. „Crossfire“ heißt in der Fachsprache das Missgeschick, das Neuner unterlief. Im ersten Stehendschießen hatte die 24-jährige Doppel-Olympiasiegerin aus Wallgau schon vier Treffer gelandet – bis sie merkte, dass sie auf die falschen Scheiben schoss. In der vorletzten Runde gab sie alles, um sich noch einmal heranzukämpfen, leistete sich aber im letzten Schießen noch einmal drei Fehler. Nach allen vier Schießen standen bei ihr insgesamt acht Fehler zu Buche. Das bedeutete acht Strafrunden von je 150 Metern. Mit wieder einmal bester Laufzeit kam Neuner trotzdem noch auf den siebten Platz. Die Schnellste war Berger, die sich drei „Fahrkarten“ leistete, mit einer Zeit von 31:06,3 Minuten. Sie distanzierte die Schwedin Helena Ekholm, die ohne Schießfehler blieb, um 11,9 Sekunden. Dritte wurde Marie Laure Brunet aus Frankreich, die ebenfalls alle Scheiben traf. Miriam Gössner zeigte eine tolle Leistung. Die Garmisch-Partenkirchnerin, die zuletzt Probleme am Schießstand hatte, leistete sich diesmal nur einen Fehler. Ihre Treffsicherheit wurde mit einem elften Platz belohnt. Neuner war nach ihrem Fauxpas zunächst kopfschüttelnd aus dem Stadion geflüchtet, bevor sie doch noch Worte fand: „Ich musste erstmal kurz heulen, ich geb's ehrlich zu. Das ist mir noch nie passiert und richtig ärgerlich. Ich war total konzentriert und fokussiert, was grundsätzlich richtig ist. Aber es waren eben die falschen Scheiben. Im Laufe der Strafrunden habe immer mehr Wut im Bauch gehabt und wollte nur noch so schnell rennen, wie es geht. Das ist mir auch gelungen.“ Trotzdem läuft die Saison für die 24-Jährige bisher absolut nach Plan. Magdalena Neuner führt im Gesamtweltcup und hat das Rennen inzwischen abgehakt: „Mittlerweile habe ich das Missgeschick verdaut, aber klar habe ich mich richtig geärgert. Vor allem weil ich an dem Tag richtig gut drauf war“, so die Wallgauerin, die mit fröhlichem Optimismus in die anstehende Herausforderung in Antholz geht: „Vielleicht schaffe ich es diese Woche dann auch mal wieder ohne Missgeschick.“ Bundestrainer Uwe Müssiggang ist derweil nicht nur mit dem Leistungsstand seiner Top-Biathletin zufrieden. Er sieht auch Miriam Gössner und Franziska Hildebrand auf einem guten Weg. „Sehr erfreulich war für uns, dass Miriam wieder gezeigt hat, dass sie auch am Schießstand eine gute Leistung abrufen kann. Das sollte ihr für die nächsten Rennen weiter Selbstvertrauen und Sicherheit geben. Und auch Franziska hat sich nun im oberen Drittel etabliert.“ Am Samstag findet um 12.45 Uhr das Staffelrennen über 4x 6 Kilometer statt, am Sonntag beginnt des Massenstartrennen um 12 Uhr.

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