Abfahrt der Herren auf der Kandahar mit einem bärenstarken Sieger

"Kilde ist ein Übertalent"

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Aleksander Aamodt Kilde holt sich den Sieg.

GAP – Das war stark. Andreas Sander raste beim Heim-Weltcup auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen am Samstag mit Rang acht zum besten Resultat seiner Karriere und haderte dennoch: „Ich bin schon zufrieden“, sagte der Westfale. „Ich weiß nur, es wäre ein bisschen mehr möglich gewesen.“ Im Vorfeld hatte er sich riesig auf die Rennen gefreut und gemeint: „Das Heimrennen auf der Kandahar ist immer etwas ganz besonderes. Vor den eigenen Fans zu fahren, motiviert uns alle.“ Für Sander war es erst das dritte Rennen auf der Kandahar gewesen, die ersten beiden hatten auf verkürzter Streckenführung stattgefunden.

Nun also gab es erstmals das volle Programm und dann gleich ein so gutes Ergebnis. „Die Strecke liegt mit total und ich kenne sie. Eigentlich weiß ich, wie es geht. Sie war in einem wirklich guten Zustand, aber auch sehr schwierig.“ Gemeinsam mit Andrej Sporn aus Slowenien fehlten Sander im Werdenfelser Land 0,69 Sekunden auf die Spitze. Die eroberte Aleksander Aamodt Kilde aus Norwegen mit Startnummer 30 und einer bärenstarken Fahrt, als alle Favoriten schon im Ziel und zum Teil auch hinter Sander gelandet waren. „Der Kilde ist ein Übertalent. Das Übertalent, das (Henrik) Kristoffersen im Technischen ist, ist Kilde im Speed“, lobte Sander. Kilde sorgte für den 16. Saisonsieg der norwegischen Skiherren nach sieben Erfolgen von Svindal, sechs von Henrik Kristoffersen und zwei von Jansrud. Er war in diesem Winter als Dritter im Super-G von Gröden hinter Svindal und Jansrud bereits einmal in seiner Karriere auf dem Podest gewesen. „Nach oft schon guten Teilzeiten und auch etwas Pech ist es mir diesmal gelungen. Ich bin voll ans Limit gegangen, habe keinen Fehler gemacht. Es ist unglaublich“, meinte Kilde. Bei seinem ersten Weltcup-Sieg verwies der 23-Jährige den Slowenen Bostjan Kline (+0,22 Sekunden) und den WM-Dritten Beat Feuz aus der Schweiz (+0,24) auf die Plätze. Kline hatte auf seinen Premierenerfolg gehofft, er hatte als bestes Ergebnis einen 13. Platz von der Abfahrt im Dezember 2014 in Santa Caterina zu Buche stehen. „Ich habe nicht gedacht, dass für mich so viel möglich ist. Ich bin sehr zufrieden und hatte mit meiner Startnummer sicher auch noch bessere Sicht“, sagte der Mann aus Maribor. Er hatte mit Nummer 3 eine Bestzeit vorgelegt, die lange hielt. „Garmisch ist ein hartes Rennen nicht nur aufgrund der schnellen Geschwindigkeit.“ Für Feuz war es der zweite Podestplatz innerhalb eine Woche. Schon in Kitzbühel war er in der Abfahrt Dritter geworden. „Neben den beiden vor mir fühle ich mich fast schon ein bisschen alt“, sagte der Schweizer. „Aber die zwei fahren auch nicht ihre erste Saison und haben schon öfter gezeigt, dass sie es drauf haben. Zudem ist das Starterfeld sicherlich eng. Wenn ein Norweger geht, kommt der Nächste. Das ist schon faszinierend.“ In der Sonne stehend applaudierte Sander dem Norweger und ärgerte sich dann wieder über seine Fehler. „Mit einer hohen Nummer und der selben Fahrt wäre ich sicher nicht in den Top 15. Das muss man sagen. Das ist Glück. Es hat mich einfach geärgert, dass ich in einem Flachstück am Super-G-Start was habe liegen lassen“, berichtete er, gab aber zu: „Das ist Jammern auf einem sehr hohen Niveau.“ Bislang waren zwei zehnte Plätze Sanders beste Karriere-Ergebnisse, und noch vor wenigen Monaten wäre er mit einer Platzierung vor Stars wie Super-G-Olympiasieger Kjetil Jansrud und Kitzbühel-Sieger Peter Fill überglücklich nach Hause gefahren. Ein konstant guter Winter hat die Ansprüche aber etwas nach oben geschraubt. Den Bezug zur Realität hat Sander dennoch nicht verloren. „Es ist auf jeden Fall die beste Saison meiner Karriere. Es wird Tage geben, wo ich mit einem 20. Platz auch zufrieden sein soll“, betonte er. „Man braucht jetzt nicht meinen, ich kann jetzt jedes Mal unter die Top sieben oder acht fahren.“ Rang vier ging an den Südtiroler Christoph Innerhofer, der wieder einmal zeigte, dass er sich in Garmisch-Partenkirchen sehr wohl fühlt, wo er bei der WM 2011 einen kompletten Medaillensatz abgesahnt hatte: Gold im Super-G, Silber in der Kombination und Bronze in der Abfahrt. „Ich bin zufrieden mit meinem Resultat“, sagte Innerhofer. „Mit dem oberen Teil meiner Fahrt allerdings nicht so. Garmisch ist immer eine einzigartige Kulisse.“ Thomas Dreßen aus Mittenwald war froh, wieder dabei zu sein. Platz 37 war da nur zweitrangig. „Ich freue mich riesig, dass ich wieder dabei bin. Die fünf Wochen Verletzungspause merkt man natürlich kräftemäßig. Zudem hatte ich nur zwei Tage Training. Ich bin zufrieden mit meiner Fahrt. Auf der kann ich jetzt aufbauen und weitermachen.“ Nicht so gut lief es für die in den vergangenen Jahren sehr erfolgsverwöhnten Österreicher, die vor einem Jahr noch einen Dreifachsieg (Hannes Reichelt vor Romed Baumann und Matthias Mayer) feierten. In dieser Saison hatten sie schon viele verletzungsbedingte Ausfälle zu beklagen. Hannes Reichelt zählte nach der Trainingsbestzeit vom Donnerstag (allerdings mit Torfehler) aber zu den Mitfavoriten. Am Freitag war kein Training ausgetragen worden, um die Piste zu schonen. Der Salzburger ging nach seinem schweren Sturz in der Kitzbühel-Abfahrt ohne Schmerzmittel und schmerzfrei ins Rennen und hatte bei der dritten Zwischenzeit nur 14/100 Sekunden Rückstand auf den vor der Topgruppe führenden Kline, ehe nach Torfehler das Aus kam. „Ich ärgere mich über meine Dummheit, dass ich zu gerade reingefahren bin, obwohl ich wusste, dass man runder fahren soll. Aber ich habe gedacht, ich bin langsam, ich habe mich oben nicht gut gefühlt, und deshalb riskiert. Wenn ich jetzt die Zwischenzeiten sehe, dass ich das gar nicht gemusst hätte, ärgere ich mich noch mehr. Da hat Kitzbühel wohl mein Gefühl etwas durcheinandergebracht, schade“, sagte Reichelt über die Passage im Eishang, die aber mehreren Problemen bereitete. Bester Österreicher wurde am Ende Patrick Schweiger auf Rang 14.

Von Titus Fischer

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